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Tanzen mit Flüchtlingskindern

Für den Herbst ist das gemeinsame Tanzprojekt „Love – Liebe“ angekündigt. Jetzt gab es eine erste Annäherung.

© Jonny Linke

Von Jonny Linke

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Kamenz. Neue Wege gehen und die tänzerische Sprache zur Integration nutzen – das sind nur zwei Ziele, welche Kamenz can Dance und das Bündnis für Toleranz und Humanität Kamenz mit einem geplanten Tanzprojekt erreichen wollen. Zusammen mit asylsuchenden Kindern und Jugendlichen wollen die begabten Kamenzer Tänzer ein Tanzprojekt Namens „Love – Liebe“ auf die Beine stellen. Zur Auftaktveranstaltung trafen sich einige Tänzerinnen der renommierten Kamenzer Tanzgruppe zusammen mit ihrem Trainer Mario Steinmetz und den Partnern vom Toleranzbündnis am Sonntagnachmittag auf dem Gelände des Asylbewerberheimes an der Macherstraße in Kamenz.

Neben den Bewohnern der Kamenzer Unterkunft waren auch Kinder und Jugendliche aus dezentralen Wohnungen sowie der Unterkunft im Haselbachtal anwesend. Reichlich Sonnenschein, kühle Getränke und jede Menge europäische Hip-Hop-Musik sorgten bei den Tänzerinnen, aber vor allem auch bei den Kindern der Unterkunft für gute Stimmung. Um die ersten Hürden des Kennenlernens zu überwinden, sollte eine gemeinsame künstlerische Sprache gefunden werden. Richard Boes, Sprecher des Bündnisses: „Beim Tanzen benötigt man nicht all zu viel Worte, um sich zu verstehen.“ Um sich über die Musik noch besser annähern zu können, war es die Intention des begeisterten Tanztrainers Mario Steinmetz, mit modernen arabischen Klängen den emotionalen Abstand zu den vielen Kindern und Jugendlichen zu verringern. Doch schon nach kurzer Zeit wurde er von den teilweise deutsch sprechenden Kindern und englisch sprechenden Jugendlichen mit den Worten „No arabic Music, keine arabische Musik“ auf seinen kleinen Auswahlfehler hingewiesen.

Durchbruch mit Hip-Hop

Auf die anstehende Frage, welche Musik die Kinder und Jugendlichen denn dann gerne hören wollen, sagten die Kleinen „European Hip-Hop Music“, also europäische Hip-Hop Musik. Mit dieser gelang der kleinen Tanzgruppe von KcD dann auch schnell der Durchbruch. Bei den richtigen Rhythmen versammelten sich schnell Dutzende Kinder, um gemeinsam mit den Tänzern ein bisschen zu tanzen und kleine, lustige Tanzschritte einzuüben. Man merkte, dass vor allem den Kindern die Abwechslung Spaß bereitet und die Scham davor, sich in der Öffentlichkeit tanzend zu bewegen, relativ gering ist. Größer ist diese hingegen aktuell noch bei den älteren Bewohnern der Unterkunft. „Je älter die Bewohner sind, desto mehr Zurückhaltung und Schamgefühl haben sie, um vor Leuten zu tanzen“, so Mario Steinmetz.

Nach einer kleinen Erholungspause bei knapp 28 Grad im Schatten kamen dann, zur zweiten Findungsphase schon wesentlich mehr Kinder, aber vor allem auch Jugendliche. Auch die Trommel fand indes regen Zuspruch beim jungen Publikum und wurde genauso wie die Musik der Tänzer rege in Anspruch genommen.

Entstehen soll dann bis zur Erstaufführung im Herbst ein derzeit schon ausgearbeitetes Bühnenstück, bei welchem sich die 150 Tänzerinnen und Tänzer von Kamenz can Dance zusammen mit ungefähr 20 Kindern und Jugendlichen der Asylbewerberunterkünfte in Kamenz und Haselbachtal zusammenschließen und das genannte Tanzprojekt auf der Bühne inszenieren. Mit dem Bühnenstück will Kamenz can Dance die Musik nutzen, um „Barrieren zwischen Kulturen zu umgehen und am Ende gemeinsam zusammen zu finden“, sagte Mario Steinmetz. Dafür ist im neuen Bühnenprogramm ein kompletter Tanzabschnitt im Stück angedacht, welcher nur von den rund Kindern und Jugendlichen aus internationalen Herkunftsländern getanzt wird. Auch in den anderen Abschnitten im Stück sind kleinere gemeinsame Auftritte möglich. Doch bis es zur Erstaufführung kommt, haben die Mitglieder des Bündnisses, welche als kommunikative Schnittstelle fungiert, und Kamenz can Dance noch allerhand zu tun. An Interesse bei den am Sonntagnachmittag angesprochenen Kindern fehlt es jedenfalls nicht.