merken

Tatort Sachsen

Laut Kriminalitätsstatistik gibt es mehr Einbrüche, aber weniger Drogen. Besorgnis erregt der Anstieg von Gewaltdelikten.

© dpa

Von Thilo Alexe

Sachsens CDU-Innenminister will mehr Polizei. Das Personal sei bereits aufgestockt worden, betont Markus Ulbig anlässlich der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2016. Das reicht ihm nicht. „Diesen Prozess setzen wir im Sinne einer zukunftsorientierten Sicherheitspolitik fort“, fügt Ulbig am Mittwoch hinzu. Die veränderte Sicherheitslage – Stichworte Islamismus und Kriminalität durch Flüchtlinge – stelle die Behörden vor neue Herausforderungen.

Anzeige
Schon gehört? Dresden hat eine Seebühne!
Schon gehört? Dresden hat eine Seebühne!

Drei Tage mit Weltstars und Genuss vom Meisterkoch. Jetzt Ticket gewinnen für das Kultur-Event des Sommers im Ostra-Areal.

Die Polizei registriert mehr Straftaten, klärt aber auch mehr auf

Zunächst die gute Nachricht: Die Quote der aufgeklärten Verbrechen ist in Sachsen gestiegen, wenn auch nur leicht. In 55,8 Prozent der Fälle ermittelt die Polizei die Täter (2015: 55,7). Mehr als die Hälfte der Straftaten wird geklärt, knapp die Hälfte nicht. Erhöht hat sich binnen Jahresfrist die Deliktzahl um rund drei Prozent auf 324 736. Interessant ist der Langzeitvergleich. Seit 2007 bewegt sich die Zahl der Straftaten um die 300 000er-Marke herum. Die Bevölkerungsentwicklung ist aber rückläufig. Zwischen 2007 und 2015 hat Sachsen im Saldo mehr als 135 000 Einwohner verloren. Die Annahme, dass mit abnehmender Bevölkerung auch die Kriminalität sinkt, trifft nicht zu. Sie war über Jahre Grundlage für Kürzungen bei der Polizei.

Die Zahl der Einbrüche hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt

Mehr als 93 300 Tatverdächtige hat Sachsens Polizei gestellt, 834 von ihnen sind vermutlich in Wohnungen eingestiegen. Die Zahl der Einbrüche hat mit 4 684 den höchsten Stand in zehn Jahren erreicht und sich seit 2007 mehr als verdoppelt. „Das stellt uns nicht zufrieden“, sagt Polizeipräsident Jürgen Georgie. Schwerpunkt ist Leipzig. Jeder fünfte Verdächtige ist Ausländer. Ein Fünftel der Fälle wird geklärt. Schwacher Trost: Im Bundesvergleich ist die Einbruchshäufigkeit höher.

Bei Autodiebstahl und Drogendelikten sinken die Fallzahlen

Die Arbeit einer Sonderkommission sowie die Kooperation mit tschechischen und polnischen Polizisten kann Georgie als Erfolg verbuchen: Die Zahl der Autodiebstähle ist gesunken, von mehr als 3 000 in einem Jahr auf 2 886. Leicht rückläufig ist die Zahl der Rauschgiftdelikte (2016: 9 819). Weniger Fälle registrieren die Beamten rund um die synthetische Droge Crystal, dafür wird Marihuana beliebter.

Der „digitale Jedermann“ geht im Netz auf Beutezug

Als Cybercrime bezeichnen es Polizisten, wenn mit dem Computer Straftaten begangenen werden. Man kann damit betrügen, Kontodaten ausspähen oder Geschäfte unter falschem Namen tätigen. Mehr als 10 000 Fälle registriert die Polizei für 2016. Das Spektrum der Täter reicht vom „digitalen Jedermann“ bis zum Computerspezialisten, wie Polizeichef Georgie sagt. Die Beamten reagieren und bieten die Sonderlaufbahn „Cybercops“ an.

Drei Viertel der Gewalttäter werden von der Polizei geschnappt

Besorgniserregend ist der Anstieg der Gewaltkriminalität auf 8 252 Fälle (2015: 7085). Der Großteil davon sind Körperverletzungsdelikte. „Dazu beigetragen haben nicht zuletzt Auseinandersetzungen, die durch Zuwanderer verursacht wurden“, heißt es im Innenministerium. Georgie ergänzt, dass dabei meist Zuwanderer durch Zuwanderer verletzt wurden. 17 Menschen verlieren 2016 durch Mord oder Totschlag ihr Leben. 2 047 Fälle von sexueller Nötigung und Vergewaltigung sind aktenkundig. Mehr als drei Viertel der Täter im Bereich Gewaltkriminalität stellt die Polizei.

Zahl der Angriffe auf Amts- und Mandatsträger hat sich verdoppelt

Weiterführende Artikel

„Entmenschlichung sondersgleichen“

„Entmenschlichung sondersgleichen“

Kaum ein Thema wird von der Bevölkerung so intensiv verfolgt wie die Kriminalitätsentwicklung. Auch im Landtag schwappen da Emotionen über. Jeder leitet aus der Statistik Material für seine Argumente ab.

Steigende Kriminalität in Dresden

Steigende Kriminalität in Dresden

Einen Tag, nachdem das Innenministerium die polizeiliche Statistik des Jahres 2016 für ganz Sachsen präsentiert hat, liegen nun auch Zahlen für die Stadt vor. Die Tendenz ist ähnlich.

Eine unbequeme Wahrheit

Eine unbequeme Wahrheit

Aktuelle Zahlen belegen es: Durch Einwanderer ist es zu mehr Kriminalität gekommen. Was bedeutet dieser Fakt für die sensibilisierte Öffentlichkeit? Ein Kommentar.

Bürgermeister, Abgeordnete und Stadträte werden häufiger mit Gewalt konfrontiert. 106 Angriffe auf Amts- und Mandatsträger erfasst die Polizei, knapp doppelt so viele wie 2015. Rückläufig ist die Zahl der Angriffe auf Asylunterkünfte (58 im ersten Quarttal 2016, 14 im vierten). Auch die Kriminalität an sächsischen Außengrenzen sinkt deutlich, so wie die politisch links motivierte Kriminalität. Gestiegen ist die von rechts, was an Propagandadelikten liegt. Einen Zuwachs gibt es zudem bei politischer Ausländerkriminalität auf geringem Niveau: Es sind 65 Fälle.