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Taubenhaus hätte schon verkauft sein können

Doch der Besitzer will zu viel Geld. Das finden Nachbarn und Stadträte unverständlich. Ergibt sich bald eine neue Chance?

Von Marcus Herrmann
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Das von Tauben besetzte Haus an der Uferstraße 8 macht keinen guten Eindruck, Obwohl es schon Angebote von Interessenten gegeben hatte, lehnten die Dresdner Besitzer diese bisher ab. Grundrisse, die Lage im Hochwassergebiet und ein erheblicher Sanierungsa
Das von Tauben besetzte Haus an der Uferstraße 8 macht keinen guten Eindruck, Obwohl es schon Angebote von Interessenten gegeben hatte, lehnten die Dresdner Besitzer diese bisher ab. Grundrisse, die Lage im Hochwassergebiet und ein erheblicher Sanierungsa © Claudia Hübschmann
Taubenkot und Federn den Durchgang zum Lidl-Parkplatz unattraktiv. 
Taubenkot und Federn den Durchgang zum Lidl-Parkplatz unattraktiv.  © Claudia Hübschmann

Meißen. Der Investor hätte 370 000 Euro auf den Tisch gelegt. Eine angesichts des Zustandes der drei Häuser Uferstraße 6 bis 8 sehr respektable Summe. Das war vor etwa zwei Jahren, erzählt Stadtrat Oliver Morof (ULM/FDP). Er kennt den Interessenten, der damals die Immobilien gern kaufen wollte. Doch die Besitzer lehnten das Angebot als zu niedrig ab, wollten mehr als eine halbe Million Euro. Zu den Häusern gehört auch das in Meißen bekannte Haus Nummer 8, welches meist von unzähligen Tauben bevölkert wird. Im Durchgang zum Lidl-Parkplatz sind deren Hinterlassenschaften seit vielen Jahren ein Ärgernis.

Vor allem für die Nachbarn von Restaurant und Pension „Alte Schmiede und Zum Goldenen Anker“. Wirtin Kathrin Herzog, die auch im Meißner Stadtrat sitzt, hat seit vielen Jahren mit dem unschönen Bild zu kämpfen, das sich direkt neben der geschmackvoll sanierten und schick zurechtgemachten Herberge eröffnet. Taubenkot, der sich auf den Dächern türmt und der Fassade zusetzt. Zerborstene Fenster und vor allem viel Dreck. „Wenigstens beobachten wir in letzter Zeit, dass ein Falke sich häufig auf dem Sims des Taubenhauses aufhält. Dadurch sind momentan viel weniger Tauben vor Ort“, sagt Kathrin Herzog. Zwar steht sie mit den Besitzern der sanierungsbedürftigen Häuser in direkter Nachbarschaft in Kontakt.

Doch Vater und Sohn Hartmut und Thomas Grimmer von der Dresdner Immobilienverwaltung (IVG) Grimmer unternehmen augenscheinlich nur das Nötigste. Laut Kathrin Herzog wurden zum Beispiel die kaputten Fenster am Taubenhaus verschlossen, sodass diese zumindest nicht mehr im Inneren hausen können. Vor etwa zwei Jahren, als immer wieder Obdachlose in das Haus einstiegen und ihren Müll hinterließen, seien Kellerfenster und alle Türen zugenagelt worden. „Maßnahmen, die Tauben fernzuhalten, werden nicht unternommen. Mir sagen die Besitzer, dass dies allein Sache der Stadt wäre“, ärgert sich die Geschäftsfrau. Vor rund vier Jahren hatten sie und ihr Mann kurz erwogen, selbst für die verwahrlosten Gebäude zu bieten. Doch die Preisvorstellungen der Besitzer waren zu hoch. Für Oliver Morof ist das das Grundproblem bei der Sache.

„Wir sprechen von Häusern, die so gut wie keine zusätzliche Grundstücksfläche mit sich bringen, über keine Stellplätze verfügen. Alles, was über einen Gesamtkaufpreis von 150 000 Euro geht, halte ich für illusionistisch. Das würde den Dresdner Immobilienverwaltern aber augenscheinlich längst nicht reichen. Eine Anfrage der SZ an Grimmers, wie hoch denn der jetzige Kaufpreis liege und ob es möglicherweise neue Interessenten gäbe, ließen diese unbeantwortet. An der Fassade der Häuser Uferstraße 6 bis 8 ist ein Banner mit der Aufschrift „Zu verkaufen“ befestigt. Darauf auch ein Hinweis auf die beauftragte Maklerfirma „MC Makler“, die sich um Kaufinteressenten kümmern dürfte. Außerdem ergänzt deren Telefonnummer das Plakat. Kathrin Herzog hofft, dass sich bald etwas tut.

Diese Hoffnung könnte eine Stelle innerhalb des Bau- oder Ordnungsamtes der Stadt nähren, welche im kommenden Jahr besetzt werden soll. Dies hatten die jeweiligen Leiter von Bauverwaltungsamt Inga Skambraks und Ordnungsamt Silvio Kockentiedt in einer der vergangenen Sitzungen des Bauausschusses angekündigt.

Ziel sei es, dass sich ein neuer Mitarbeiter um verfallende Immobilien in der Stadt kümmert, deren Verkauf sich seit vielen Jahren hinzieht. Schließlich wurden in der Vergangenheit an vielen Stellen Forderungen laut, wonach die Stadt mehr Druck auf Grundstücks- oder Hausbesitzer ausüben soll, die ihren Sicherungspflichten nicht nachkommen oder dringende Sanierungen blockieren. Da dies rechtlich nicht immer einfach und zeitlich aufwendig ist, soll nun die neue Stelle helfen. „Damit kann sich hoffentlich besser um ruinöse Häuser gekümmert werden“, sagt Stadträtin Herzog. Passiert nichts – so wie an der Uferstraße – fallen fortlaufend Kosten an. Auch für die Nachbarn, wie sich an ihrem Beispiel zeigt. Ob es regelmäßige Dachreparaturen sind, weil vom brüchigen Giebel des Nachbarhauses Teile abfallen oder zu verfüllende Löcher zum Nachbargebäude – immer wieder fallen Arbeiten an. Die Kosten tragen die Herzogs. Deshalb ist nun die Hoffnung auf die neue Initiative der Stadt groß.