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Asylgegner ziehen durch Freital

Die angestrebte Teilnehmerzahl wird aber deutlich verpasst. Die Polizei spricht von einer friedlichen Demonstration.

© K.-L. Oberthür

Von Sebastian Martin

Hunderte Menschen haben gestern an zwei Demonstrationen in Freital teilgenommen. Nach Schätzungen der Polizei folgten etwa tausend Menschen einem Aufruf der Bürgerinitiative „Freital steht auf – Nein zum Hotelheim“, um gegen die aus ihrer Sicht verfehlte Asylpolitik zu protestieren. Damit erreichten die Organisatoren nicht ihr Ziel, mehr als 2000 Teilnehmer zu mobilisieren. Vor zwei Wochen brachten sie 1500 Menschen auf die Straße.

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Am Leonardo versammelten sich 75 Pro-Asyl-Demonstranten.
Am Leonardo versammelten sich 75 Pro-Asyl-Demonstranten. © K.-L. Oberthür

Wie bei der ersten Anti-Asyl-Demo begann der Protest um 19 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Platz des Friedens. In den Reden wurde die zentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Freital kritisiert – insbesondere die Umwidmung des Leonardo-Hotels, in dem seit zwei Wochen die Ersten von bis zu 200 Asylbewerber leben.

Der Freitaler Mario Wagner, der die Kundgebung angemeldet hatte, bemängelte in seiner Rede ein fehlendes Sicherheitskonzept für die Bürger und schürte Ängste vor den Flüchtlingen. An diese wolle man sich nicht gewöhnen, sagte er. Er verlas zudem Auszüge aus der Antwort des Landrats Michael Geisler auf seine Petition gegen die Flüchtlingsherberge im Stadtteil Döhlen. Dieser hatte die Petition an die Stadt Freital zurücküberwiesen. Die Politik handele gegen die Interessen der Bürger, so Wagner. Er fühle sich betrogen. „Volksverräter“ schallte es daraufhin aus der Masse. Anschließend sprach ein Vertreter der Bürgerinitiative Wilsdruff zu den Asylgegnern. Er griff ebenfalls die Politik und die Medien verbal an. „Lügenpresse auf die Fresse“, riefen einige Teilnehmer, unter denen auch Demonstranten aus dem rechtsextremen Milieu waren. Deutschlandfahnen wurden geschwenkt. Auf den Transparenten standen Slogans, wie „Unsere Schulen sanieren statt Ausländerheime bauen“ oder „Politiker plündern unsere Sozialkassen“.

Kurz vor 20 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Die Teilnehmer zogen über die Dresdner Straße in Richtung Rathaus Potschappel. Von dort ging es vorbei am Bahnhof über die Kantstraße zurück zur Dresdner Straße und der Burgker Straße zum Platz des Friedens. Immer wieder riefen die Teilnehmer „Wir sind das Volk“ oder „Wir wollen keine Asylheime“. Im Gegensatz zu dem Protest vor zwei Wochen – als gewaltbereite Asylgegner die Polizei attackierten und sich wohl einen Weg zum Leonardo-Hotel bahnen wollten – blieb es gestern Abend friedlich.

Die Organisatoren hatten im Vorfeld zu einem gewaltfreien Protest aufgerufen. Sie mussten nach den Ausschreitungen vor 14 Tagen deutliche Kritik einstecken. Vor einer Woche verzichteten sie deshalb auf eine Anti-Asyl-Demo , um sich neu zu organisieren und das Sicherheitskonzept zu überarbeiten.

Auch die Gegenseite ging gestern Abend auf die Straße. Nach Polizeiangaben versammelten sich etwa 75 Menschen ab 18 Uhr vor dem Leonardo-Hotel, um für Weltoffenheit und Toleranz in Freital zu demonstrieren – darunter auch die Landtagsabgeordneten Eva Jähnigen (Grüne) und Lutz Richter (Linke). Die Kundgebung wurde offiziell von der Linkspartei angemeldet. Dahinter steht aber ein Bündnis aus Personen, die politisch Stellung beziehen wollen. In einer Rede forderte die Grüne-Stadträtin Ines Kummer Weltoffenheit, Toleranz und rief zur Integration der Flüchtlinge auf. Sie übte Kritik an Sonntagreden von Politikern und forderte, dass menschenverachtende Kommentare gegen Ausländer auf dem sozialen Netzwerk Facebook angezeigt werden.

„Wir können solchen Ewiggestrigen nicht wortlos das Feld überlassen“, sagte Michael Richter, OB-Kandidat der Linkspartei, bereits im Vorfeld in Richtung der Anti-Asyl-Demonstranten. Für einen solchen Auflauf habe er kein Verständnis. „Sicher ist es ihr gutes Recht, zu demonstrieren. Aber dann sollen sie es vorm Landtag oder in Berlin tun, wo es hingehört.“

Aus Sicht der Polizei verliefen beide Demonstrationen bis Redaktionsschluss friedlich. „Es gab keine nennenswerten Störungen“, sagte Einsatzleiter Wolfgang Langenbucher. Die Polizei überprüfte die Identität von einigen Teilnehmern der Anti-Asyl-Demo. Insgesamt waren 200 Beamte im Einsatz. Wegen der Proteste mussten mehrere Straßen gesperrt werden – darunter Teile die Burgker und der Dresdner Straße.

In der nächsten Woche wird es in Freital mindestens eine weitere Demonstration geben. Die Linkspartei hat im Namen des Bündnisses für Weltoffenheit und Toleranz erneut eine Kundgebung vor dem Leonardo-Hotel angemeldet. Ob die Bürgerinitiative „Freital steht auf – Nein zum Hotelheim“ zu einer Anti-Asyl-Demo aufrufen wird, ist noch unklar.