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Tausende fordern mehr Geld vom Landrat 

Über 3.000 Menschen im Kreis haben eine Petition für eine bessere Bezahlung der Musikschullehrer unterschrieben. Dabei gehen die Tarifverhandlungen  weiter - mit vielen Hürden.

Von Anja Beutler
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Landrat Bernd Lange (links) bekommt von Musikschullehrer Michael Syrbe die Petition überreicht.
Landrat Bernd Lange (links) bekommt von Musikschullehrer Michael Syrbe die Petition überreicht. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Ein kleines bisschen Stolz ist Michael Syrbe schon, als er die dicke Mappe an Landrat Bernd Lange übergibt. 4.198 Menschen - davon 3.130 aus dem Landkreis Görlitz - haben binnen vier Wochen dafür ihren Namen gegeben, dass die Kreismusikschule mehr staatliches Geld und die Lehrer dann Tariflohn erhalten sollen. 

2.200 Namen aus dem Kreis mussten es sein, damit die Petition angenommen wird. Dieses Ziel war überraschend schnell erreicht, freut sich Syrbe. Nun hofft der in Weißwasser tätige Klavierlehrer, der an der Kreismusikschule zugleich Fachbereichsleiter Tasteninstrumente ist, dass die Unterschriften auch etwas bewirken.

Eine Petition ist in der Tat keine Petitesse. Dass sich direkt daraus Veränderungen bei der Bezahlung der Musikschullehrer ergeben, ist aber nicht zu erwarten. Sehr wohl könnten da aber die Tarifverhandlungen etwas ändern, zu deren zweiter Runde sich die Gewerkschaft Verdi auf der einen und auf der anderen Seite der Geschäftsführer der kreiseigenen Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit) mit dem Kreiskämmerer heute Vormittag getroffen haben. Dabei schwingt auch immer die Frage mit, wie stark mit einem Haustarifvertrag auch die Elternbeiträge ansteigen könnten.

Doch auf ein Ergebnis müssen alle noch warten: "Wir stehen längst nicht mehr am Anfang, aber die Hälfte der wichtigen Punkte haben wir noch nicht abgearbeitet", schätzt Verdi-Verhandlungsführer Michael Kopp ein. Und die wahren Knackpunkte kommen noch: Die Fragen, bei denen es ums Geld geht. Deshalb gibt es bereits für den 2. Mai einen neuen Termin, weitere Treffen sind in Aussicht. 

Aktuell haben Kreis und Verdi über Altersversorgung und Eingruppierung der Lehrer, die eine Festanstellung haben und gewerkschaftlich organisiert sind, gesprochen. Von 93 Lehrern an der Kreismusikschule sind 39 Festangestellte, die 62 Prozent des Unterrichts abdecken. In den Verhandlungen geht es jedoch nur um Festangestellte.

Dass es Veränderungen bei der Bezahlung der Lehrer an der Kreismusikschule geben muss, darin sind sich beide Seiten einig. Nur über den Weg und die Art und Weise gab und gibt es Differenzen. Landrat Bernd Lange machte bei der Übergabe der Petition im Landratsamt deutlich, dass er sich Gespräche ohne Streiks und Gewerkschaft gewünscht hätte. 

Er fürchtet bei einer zu großen finanziellen Belastung durch einen Tarifvertrag, dass man dann die vergleichsweise große Zahl der Festanstellungen auf Dauer nicht mehr beibehalten könnte: "Ich will nicht wieder eine Rolle rückwärts machen und stärker auf Honorarkräfte setzen müssen", betont er. Man kenne die angespannte Haushaltslage des Kreises und werde mit Augenmaß verhandeln, erklärte dazu Michael Kopp von Verdi auf SZ-Nachfrage.

Für Musikschullehrer Michael Syrbe ist die Entscheidung für bessere Arbeitsbedingungen aber eine ganz prinzipielle. Die Qualität der Ausbildung sei in Gefahr, weil man mit den derzeitigen Bedingungen niemanden mehr auf frei werdende Stellen locken könne, skizzierte er. Ihn stimme zudem nachdenklich, dass er als Ernährer seiner sechsköpfigen Familie zusätzlich Wohngeld beantragen müsse - und auch erhalte - weil sein Verdienst allein zum Leben nicht reiche. 

Landrat Lange betonte jedoch, dass Musikschullehrer ja auch einige Freiheiten genießen - im Vergleich zu den wesentlich besser verdienenden Kollegen im staatlichen Schuldienst - und ihre Wahl auch bewusst getroffen hätten. Eine verstärkte Abwanderung der Lehrer in den staatlichen Schuldienst könne er nicht sehen, bekräftigte auch Kuweit-Chef Peter Hesse, der die Verhandlungen mit Verdi führt. Dass es Verbesserungen geben müsse, stellt aber auch er nicht infrage.

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