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Deutschland & Welt

Tausende leben auf der Straße

Eine neue Schätzung geht davon aus, dass fast 700.000 Menschen in Deutschland keine Wohnung haben. Viele davon sind Geflüchtete, aber nicht nur.

Während die meisten Wohnungslosen in Deutschland trotzdem ein Dach über dem Kopf haben, leben rund 40.000 auf der Straße.
Während die meisten Wohnungslosen in Deutschland trotzdem ein Dach über dem Kopf haben, leben rund 40.000 auf der Straße. © Pixabay/Manuel Alvaraz

Berlin. Die Zahl der Menschen ohne Wohnung ist in Deutschland nach einer Schätzung im vergangenen Jahr um gut vier Prozent auf 678.000 gestiegen. Davon lebten 2018 etwa 41.000 Menschen ohne jegliche Unterkunft auf der Straße. Das geht aus einer am Montag in Berlin veröffentlichten Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hervor.

Laut BAGW sind in der Schätzung Menschen erfasst, die in dem Jahr einmal wohnungslos waren, wenn auch nur vorübergehend. Zu einem bestimmten Stichtag berechnet liege die Zahl der Wohnungslosen deutlich unter der Gesamtzahl für das Jahr. Die Schätzung sei eine Hochrechnung basierend auf der einzig verfügbaren Länder-Statistik zum Thema aus Nordrhein-Westfalen, sagte Rosenke auf Anfrage.

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Unter den Wohnungslosen waren laut der Schätzung rund 441.000 anerkannte Geflüchtete, die etwa in Gemeinschaftsunterkünften oder dezentraler Unterbringung leben. Hinzu kamen demnach rund 237.000 weitere Betroffene, die schon eine Wohnung hatten, diese aber zum Beispiel wegen Mietschulden verloren haben. Sie kommen etwa in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe unter, teils aber auch bei Bekannten und Verwandten.

Laut der Schätzung stieg die Zahl der wohnungslosen Menschen ohne Fluchthintergrund weniger stark (plus 1,2 Prozent) als die der wohnungslosen anerkannten Geflüchteten (plus 5,9 Prozent). Laut Schätzung des Verbands sind mehr als zwei Drittel aller Wohnungslosen alleinstehend. Der Anteil der wohnungslosen Kinder und Jugendlichen betrage acht Prozent.

Als Hauptgründe für den Anstieg nannte Rosenke das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut. Insbesondere fehle bezahlbarer Wohnraum für Menschen mit niedrigen Einkommen, Bezieher von Transferleistungen und für anerkannte Geflüchtete.

Die Zahlen seien ein "Alarmruf an die Wohnungsbaupolitik", erklärte der Bundesvorsitzende der IG BAU, Robert Feiger. Der soziale Wohnungsbau in Deutschland veröde. Mittlerweile sei nur noch jede 36. Wohnung eine Sozialwohnung. Minimalziel der Politik müssten bis 2030 wieder über zwei Millionen Sozialwohnungen sein - aktuell seien es nicht einmal 1,2 Millionen.

Auch der Kündigungsschutz für Mieter müsse deutlich verbessert werden, mahnte der wohnungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Chris Kühn. "Denn wirksame Prävention von Obdach- und Wohnungslosigkeit heißt, frühzeitig Wohnungsverlust zu verhindern." (dpa)

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