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Tausende rein, Tausende raus

Fast jeder zweite Arbeitnehmer im Landkreis pendelt. Manche Dippser und Freitaler fahren sogar durchs ganze Land.

© dpa

Von Nancy Riegel

Freital/Dippoldiswalde. Mal eben schnell ins Büro fahren – für Tausende Pendler aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist das gar nicht so einfach. Sie arbeiten mitunter auf der anderen Seite der Bundesrepublik, wie die jetzt veröffentlichte Pendlerstatistik der Arbeitsagentur Pirna zeigt. Ebenso kommen Menschen aus ganz Deutschland in unsere Region, um einer Beschäftigung nachzugehen – sei es täglich oder für mehrere Tage am Stück. Wie viele Menschen dieses Arbeitsmodell betrifft, wer den weitesten Weg zurücklegt und warum man sich diesen Stress überhaupt antut, zeigen die Zahlen und Fakten zur aktuellen Pendlerstatistik.

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Schön, oder? 14 Landkreisbewohner arbeiten laut Statistik in dieser Stadt, Freiburg im Breisgau.
Schön, oder? 14 Landkreisbewohner arbeiten laut Statistik in dieser Stadt, Freiburg im Breisgau. © Pixabay/Violetta
© Koerner, Heidemarie

Hunderte Kilometer zu Arbeit

41970 Beschäftigte verlassen den Landkreis zum Arbeiten.

Demgegenüber stehen genau 22924 Personen, die zum Arbeiten herkommen. Das sagt die Pendlerstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die diese auf Grundlage der Beschäftigungszahlen von Juni 2017 erstellt hat. Um diese Zahlen besser einordnen zu können, muss man sie in Relation zu den Arbeitsstellen in und außerhalb des Landkreises setzen. Im Landkreis leben mehr arbeitsfähige Menschen, als es Stellen gibt – klar, dass viele deswegen ihren Wohnort verlassen müssen. 43 Prozent aller Landkreisbewohner pendeln zur Arbeit in eine andere Region. Die restlichen 55000 Menschen haben eine Anstellung in ihrer Stadt oder einem Ort in der Nähe gefunden. Grundlage für diese Zahlen sind die Meldungen der jeweiligen Arbeitgeber.

68 Prozent aller Auspendler arbeiten in Dresden.

Damit steht die Landeshauptstadt auf Platz 1 der Ziele für Arbeitnehmer aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, die nicht an ihrem Wohnort beschäftigt sind. Viele Pendler aus der Geschäftsstelle Dippoldiswalde – also auch aus Altenberg, Glashütte und Klingenberg z.B. – arbeiten außerdem in Freital, Pirna und Freiberg. Die Freitaler fahren neben Dresden zum Arbeiten nach Dipps, Meißen und Pirna.

1169 Beschäftigte im Landkreis kommen aus dem Ausland.

Im Vergleich zu 2010 – damals waren es lediglich 66 – ist das ein extremer Anstieg. Iris Hoffmann, Pressesprecherin der Arbeitsagentur, begründet dies mit dem gelockerten Recht auf Arbeitnehmerfreizügigkeit. So brauchen heute beispielsweise Polen, Rumänen und Ungarn keine Arbeitsgenehmigung mehr für Deutschland. „Als Grenzregion zur Tschechischen Republik pendeln seitdem vergleichsweise viele Beschäftigte aus Tschechien – rund 1000 – in unseren Landkreis“, sagt Iris Hoffmann. Wie viele Landkreisbewohner im Ausland arbeiten, wird nicht erhoben.

700 Kilometer und mehr fahren Menschen zur Arbeit.

Zum Beispiel nach Freiburg im Breisgau. Das ist quasi einmal quer durch Deutschland. 14 Menschen sind laut Statistik bereit, die Strecke nach Baden-Württemberg für die Arbeit auf sich zu nehmen. Fast genauso weit ist es nach Aachen an der westlichen Spitze Deutschlands – zwölf Menschen pendeln dort hin. Auch im Norden Deutschlands, 600 Kilometer entfernt, trifft man Arbeitnehmer aus unserer Region: 15 Personen arbeiten in Kiel. Allerdings kann es in manchen Fällen so sein, dass die Arbeitgeber ihren Unternehmenssitz in einer weit entfernten Stadt haben, der Angestellte aber in einer Zweigstelle oder von zu Hause aus arbeitet. Regionale Falschzuordnungen sind also durchaus möglich, sagt die Arbeitsagentur, vor allem, wenn Betriebe falsche Arbeitsorte angeben.

13066 Arbeitnehmer im Landkreis wohnen in Dresden.

Die Landeshauptstadt ist damit nicht nur die beliebteste Aus-, sondern auch größte Einpendlerstadt im Landkreis insgesamt. In den Städten der Geschäftsstelle Dippoldiswalde arbeiten außerdem viele Freitaler, Pirnaer und Freiberger. In und um Freital arbeiten viele Menschen aus Dipps, Pirna und Meißen.

Freital hat mit 65 Prozent die größte Auspendlerquote.

Zwei von drei Freitalern arbeiten also außerhalb, der Großteil in Dresden. In Pirna sind es 48 Prozent. In den Geschäftsstellen Dippoldiswalde und Sebnitz sind es etwas weniger: 45 Prozent in Dipps und 43 Prozent in Sebnitz.

Warum Menschen bereit sind, teils Hunderte Kilometer zu pendeln?

„Das kann durch vieles begründet sein: Gehalt, Arbeitsumfeld, das Kollegium, die Position im Unternehmen …“, führt die Sprecherin an. Ein Blick auf die Berufsgruppen der Auspendler zeigt, dass die meisten Landkreisbewohner, die einen weiten Arbeitsweg haben, in der Unternehmensführung- oder Organisation arbeiten, also beispielsweise Geschäftsführer oder Büromitarbeiter sind. Auf Platz zwei sind die Verkäufer. Rund 2500 Menschen stammen aus der Branche Maschinen- und Fahrzeugtechnik. Bei den Einpendlern rangieren die medizinischen Gesundheitsberufe auf Platz 1. Das kommt daher, dass es beispielsweise in der Klinik in Kreischa viele Angestellte von außerhalb gibt.

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