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Pirna
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Tausendmal Stadtgeschichte

Stadtführer Joachim Jähne hat einen besonderen Kniff entwickelt. Er verbindet Pirnaer Historie mit Redewendungen.

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Joachim Jähne mit Gästen auf Tour durch Pirna.
Joachim Jähne mit Gästen auf Tour durch Pirna. © Daniel Förster

Authentisch, interessant, augenzwinkernd: Joachim Jähnes Stadtführungen durch Pirna haben großen Zulauf. Der 81-jährige gebürtige Bautzner ist seit 1970 in der Elbestadt zu Hause und spaziert seit 2003 mit Gästen aus aller Welt durch seine Wahlheimat. Ende März stand für ihn ein besonderes Jubiläum an: seine 1 000. Stadtführung, voller bildhafter Geschichten vom Heute, Gestern und Vorgestern.

Zum Rundgang-Jubiläum lauschen ihm 40 Interessierte, darunter einige seiner ehemaligen Schüler. Sächseln kommt bei Joachim Jähne nicht infrage, das ist er seinem Lehrerberuf schuldig. Die Tour beginnt im Kapitelsaal des ehemaligen Klosters mit einer Erinnerung an den verdienstvollen Heimatforscher und Museumsdirektor Karl Grumpelt. Auch Johannes Lindner kommt zu Ehren, der als Pirn’scher Mönch und Verfasser einer der ältesten Stadt-Chronik in die Annalen eingegangen ist.

„Wenn Priester oder Mönche oberflächlich predigten, dann warf ihnen das Volk vor, ihre Predigt aus den Ärmeln geschüttelt zu haben“, erläutert Joachim Jähne. Die Redewendung gelte bis heute für Oberflächlichkeit. Vis-a-vis dem Hotel Dampfschiff zeigt Jähne seinen Gästen die Hochwassermarken und erinnert an die Flutkatastrophe von 2002 und den Elbe-Eisstau anno 1845. Auch an der Elbe weiß er ein Sprichwort zu erklären. „Zieh Leine!“, sei auf die Treidler und Bomätscher zurückzuführen, die einst die Schiffe an dicken Seilen stromaufwärts zogen. An der Badergasse erweist der Stadtführer einem Pirnaer Original seine Reverenz. Die „Saxonia“-Wirtin Milda Linke habe in gestärkter Kittelschürze vor dem Lokal um Kunden geworben, die sogar mit dem Fahrrad bis vor die Theke fahren durften. Nur Frauen habe Milda in ihrer Kneipe nicht gern gesehen, weil dann Ärger drohte.

Joachim Jähnes Bilanz ist eindrucksvoll. Nahezu 10 000 Besucher aus aller Welt führte er bisher durch seine Stadt – nicht selten gebürtige Pirnaer, die Sehnsucht nach der Heimat hatten. Einen persönlichen Schlusspunkt will Jähne noch nicht setzen. „Erst wenn die Biologie nicht mehr stimmt“, will er ans Aufhören denken. Und neue Ideen? Die in Pirna aufgewachsene Heike Stöhr hat den Roman „Die Fallstricke des Teufels“ – den ersten Teil einer Pirna-Trilogie – veröffentlicht. „Diese Bücher könnten mich ermuntern, meine Stadtführungen zu ergänzen“, sagt Jähne. (P. Salzmann)

Nächste Sonderführung „Wir machen mal blau“ am Sonnabend, 13. April, 11 Uhr. Joachim Jähne unternimmt eine unterhaltsame Reise durch Pirna und die Welt der Redewendungen. Treffpunkt ist das Stadtmuseum Pirna. Anmeldung im Touristservice,  03501 556446. Dort gibt es auch die Karten zum Preis von 6 € pro Person.

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