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Das Festnetztelefon ist nicht tot

Die Telefoniegewohnheiten haben sich verändert. Doch es gibt mehrere Gründe, nicht nur aufs Smartphone zu vertrauen.

In Technikläden gibt es immer noch eine reiche Auswahl an Festnetztelefonen, die jede Menge können. Foto: F. Schuh/dpa
In Technikläden gibt es immer noch eine reiche Auswahl an Festnetztelefonen, die jede Menge können. Foto: F. Schuh/dpa © dpa

Von Claudius Lüder

Rund 193 Milliarden Minuten telefonierten die Deutschen 2010 noch mit dem Festnetztelefon. Im vergangenen Jahr waren es laut Bundesnetzagentur nur noch 94 Milliarden Minuten. Ausgedient hat der Festnetzanschluss deswegen aber noch nicht. „Vor allem in vielen Geschäftsbereichen und Büros ist er kaum wegzudenken, um verlässlich erreichbar zu sein“, sagt Arne Düsterhöft vom Verbraucherportal Finanztip. Die Verlässlichkeit der Anschlüsse sei ein Grund, um auch im Privathaushalt nicht darauf zu verzichten.

„Auch wenn sich die Sprachqualität in den Handynetzen in den letzten Jahren stetig verbessert hat, lässt der Empfang gerade auf dem Land streckenweise immer noch zu wünschen übrig. Ist der nächste Sendemast zu weit entfernt oder die eigene Wohnung zu verwinkelt, verstehen wir den Gesprächspartner am anderen Ende nur noch abgehackt“, sagt Düsterhöft.

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Die Gründe, aufs Festnetztelefon zu verzichten, mögen vielfältig sein. Finanzieller Natur sind sie aber sicher nicht. „So ein Anschluss ist immer noch Bestandteil fast aller Internetanschlüsse, sagt Markus Weidner vom Telekommunikationsportal teltarif. Unterm Strich erzeugt der Telefonanschluss keine oder nur sehr geringe Mehrkosten. Ein guter Grund für die Festnetznummer sei zudem die Erreichbarkeit bei Störungen. „Gibt es mit dem Mobiltelefon Probleme oder eine Netzstörung, ist das Festnetz immer noch ein Weg, um erreichbar zu bleiben oder eben auch den Mobilfunkanbieter anzurufen.“

Keine klassischen Telefonanschlüsse

Klassische Telefonanschlüsse auf analoger oder ISDN-Basis sind laut Bundesnetzagentur so gut wie ausgestorben: Gab es davon 2015 noch 16,2 Millionen, waren es 2019 nur noch 700.000. Der Grund dafür ist eine Umstellung, die quasi alle Anbieter vorgenommen haben. Sie realisieren die Telefonanschlüsse nun übers Internet, wodurch die Anschlüsse auch flexibler nutzbar sind – etwa über den Router und beliebige daran angeschlossene Telefone, über spezielle Internettelefone oder sogar ortsunabhängig mit dem Smartphone.

Als Telefon-Endgeräte für daheim sind insbesondere Mobilteile gefragt, die sich über den Funkstandard DECT mit ihrer Basis verbinden. „DECT-Telefone haben sich seit Jahren bewährt. Moderne Endgeräte arbeiten meist strahlungsarm und sind in der Regel so konzipiert, dass man auch untereinander telefonieren kann, wenn mehrere Handapparate angeschlossen sind“, sagt Wolfgang Pauler vom Magazin Chip.

DECT-Telefone sind populär

Oft geht es auch ohne eigene DECT-Basis: „Große Hardwarepakete kann man sich meist sparen, denn viele Router-Hersteller haben die DECT-Basisstation bereits im Router-Gehäuse integriert, sodass dann nur noch die Handapparate angemeldet werden müssen“, sagt Pauler. Viele Router-Hersteller bieten sogar Apps, die das Smartphone zum Festnetz-Mobilteil machen. In diesem Fall verbindet sich das Smartphone dann nicht per DECT-Funk mit dem Router, sondern per Wlan. Insofern ist diese Lösung besonders interessant für alle, die keinen Router mit integrierter DECT-Basisstation besitzen.

Kosten für Telefonanrufe spielen eine immer geringere Rolle, weil Flatrates für Inlandsgespräche inzwischen Bestandteil vieler Festnetztarife für Internet und Telefon sind. Wer oft ins Ausland und hier speziell ins Nicht-EU-Ausland telefoniert, könne unter Umständen über sogenannte Call-by-Call-Vorwahlnummern Geld sparen, sagt Weidner. Call-by-Call ist aber nur bei Telekom-Anschlüssen möglich.

Telefongroschen ist überflüssig geworden

Was die Qualität der Telefonanrufe betrifft, haben die Mobilfunkanbieter inzwischen zum Festnetz aufgeschlossen. „Provider wie die Telekom oder Vodafone ermöglichen Handygespräche mit dem Sprachcodec Enhanced Voice Services (EVS), der einen deutlich größeren Frequenzbereich abdeckt. „Telefonate mit dieser Technik sind so glasklar, als ob der Gesprächsteilnehmer neben einem steht“, sagt Markus Weidner. Voraussetzung sei jedoch, dass beide Teilnehmer im LTE-Netz unterwegs sind und EVS-fähige Smartphones nutzen. DECT-Telefone erreichen mit dem Standard HD Voice ebenfalls eine hohe Sprachqualität.

Unabhängig von Technik und Preisen ist der Festnetzanschluss für viele Menschen auch wichtig, um Beruf und Privates mental besser voneinander zu trennen. Zu diesem Schluss kommt die Fachzeitschrift Das Büro. Die räumliche Zuordnung des Tischtelefons in die Arbeitswelt mache es einfacher, Anrufe nach Feierabend zu ignorieren – etwa, indem das Telefon stumm geschaltet wird. Gerade in Zeiten von Homeoffice sei das ein Vorteil. (dpa)

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