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Gärtnerei im Eis mit Pflanzen für den Mars

Die Nasa zieht in ein deutsches Gewächshaus ein, das ein Dresdner aufgebaut hat. Statt Weltraumtechnik gibt es Spinat, Paprika und Kräuter.

Der Garten Eden im Eis der Antarktis. Hier wächst Gemüse sogar im Polarwinter. Im Hintergrund ist die deutsche Polarstation Neumayer zu sehen.
Der Garten Eden im Eis der Antarktis. Hier wächst Gemüse sogar im Polarwinter. Im Hintergrund ist die deutsche Polarstation Neumayer zu sehen. © DLR

Der Garten Eden befindet sich mitten im Eis. Trotzdem, es beginnt zu blühen. Es sprießt und grünt. Mitten im Winter, der jetzt gerade beginnt. Es sind 25 Grad. Drinnen. Draußen fegen eisige Winde übers Eis mit minus 50 Grad.

Es ist der einzige Garten in der Antarktis. Eden nennt der sich auch noch. Er versorgt die deutsche Polarstation Neumayer III mit dem einzigen frischen Gemüse in den kommenden Monaten. Doch der frische Salat mit den vielen Vitaminen aus dem eigenen Anbau ist eher Nebensache. Es geht um mehr. Die Forscher vom deutschen Polarinstitut AWI sind zwar dabei, aber es ist ein Projekt der Raumfahrt.

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Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat den Hightech-Großcontainer 2018 dort aufgebaut. Eden-ISS nennt sich das, halt mit dem Kürzel der Internationalen Raumstation noch hintenan. Hier geht es um den Härtetest: Wie können sich künftige Raumfahrer, die monatelang unterwegs sind, mit frischem Gemüse versorgen? Auch Russland, Japan, Italien und die USA arbeiten an diesem Projekt mit.

Kohlrabi und Brokkoli im Antarktisgewächshaus.
Kohlrabi und Brokkoli im Antarktisgewächshaus. © DLR/Nasa

Der Dresdner Forscher Paul Zabel durfte 2018 neun Monate lang als Erster das Gärtnern im Eis ausprobieren, mit Erfolg. 268 Kilogramm frisches Gemüse hat er aus dem 12,5 Quadratmeter großen Garten Eden in die Polarstation mitgebracht. Danach bekam Eden den Ruhemodus. Und Reparaturen.

Der Gartenbau lief weitgehend automatisiert weiter. Die Wachstumsbedingungen waren nicht mehr so optimal, der Gärtner fehlte halt, und die Ernte für die Polarcrew halbierte sich. Eigentlich sollte alles schon 2020 enden. Doch zu spannend waren die ersten Versuche an diesem extremen Ort. Jetzt beginnt alles noch einmal. Nasa und DLR testen nun für künftige Gewächshäuser auf Mond und Mars.

Die Nasa-Wissenschaftlerin Jess Bunchek ist bis Anfang kommenden Jahres die Gärtnerin im Eis. Spezielle Samen für mögliche Weltraumkulturen hat sie mitgebracht zum Testen unter extremen Bedingungen. In einer Liveschaltung aus der Antarktis gab es in dieser Woche die wohl ungewöhnlichste Gartenbesichtigung weltweit.

Jess Bunchek von der Nasa ist bis zum nächsten Frühjahr in der Antarktisstation. Sie züchtet im Gewächshaus des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Weltraumgemüse.
Jess Bunchek von der Nasa ist bis zum nächsten Frühjahr in der Antarktisstation. Sie züchtet im Gewächshaus des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Weltraumgemüse. © DLR/Nasa

Okay, warm ist es schon im Gewächshaus. Aber alle Aufzucht von Grün geschieht hier ohne Erde, nur mit Nährlösung. Kein Sonnenstrahl kommt hier rein, es gibt nur wohldosiertes künstliches Licht. Kein Wind bewegt die Blätter, kein Regen spült sie. Es ist eine komplett künstliche Welt – mit dem geringstmöglichen Energiebedarf. Eine neue Nährstoffversorgung wurde eben installiert. Sie soll die Pflanzen noch besser gedeihen lassen. Und die Bewässerung erfolgt nun erstmals mit einem System, das auch in der Schwerelosigkeit so funktionieren würde.

Frische Ernte

„Hier auf dem antarktischen Ekström-Schelfeis beginnt bald die Polarnacht. Allein mit den neun weiteren Mitgliedern der Überwinterungscrew fühlt es sich fast so an, als würden wir auf einem anderen Planeten ganz auf uns allein gestellt sein“, sagt Bunchek. „Es ist faszinierend, in dieser lebensfeindlichen Welt das Grün ohne Erde unter künstlichem Licht gedeihen zu sehen.“

Wahrscheinlich deshalb hilft die Überwinterungs-Crew Jess Bunchek immer wieder freiwillig beim Gärtnern. Säen, ernten, pflegen, putzen, kalibrieren und reparieren. Das alles dauert für einen Raumflug derzeit noch zu lange. Crew-Zeit wird bei späteren Missionen zu Mond und Mars ein kostbares Gut sein. Mit einem achtseitigen Spezialwürfel zur Zeiterfassung registriert Bunchek daher jede Sekunde ihrer Tätigkeit im Antarktis-Gewächshaus.

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Jess Bunchek hat in den vergangenen Wochen bereits die Samen eingesät. Anfang Mai gab es für sie bereits die erste Ernte: Salat, Radieschen und einige frische Kräuter. Lecker, meint dazu das Team der Polarstation. Okay, Jess Bunchek kann gärtnern. Sie ist schließlich Botanikerin am Kennedy Space Center der Nasa, wo sie zuvor das Veggie-Projekt der Internationalen Raumstation unterstützt hat.

Wie es jetzt den Pflänzchen im Eis geht, das zeigen die 34 Kameras von Eden für jeden sichtbar bis ins eisfreie Europa.

Hier den Pflanzen live beim Wachsen zusehen.

Kirschtomaten aus der Antarktis.
Kirschtomaten aus der Antarktis. © DLR

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