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Umweltsünder Smartphone

Länger Spaß haben an unseren täglichen Begleitern – dafür können wir selbst etwas tun

© Bildquelle: Rita E. / pixabay

Klingeln, wecken und chatten – das sind nur drei von hundert Dingen, mit denen das Smartphone uns täglich zielsicher durchs Leben begleitet. Circa 3,5 Milliarden Menschen haben mindestens eins auf Tasche. Zugleich sind Smartphones ein ziemlich dreckiges Geschäft. Im Grunde weiß es jeder – Smartphones gehören zu den größten Umweltsündern der Welt. Der Energieaufwand für die Produktion ist enorm. Ein Gramm Smartphone, so heißt es, verbraucht circa 80 Mal mehr Energie als die Produktion von einem Gramm Auto. Ein Fakt, der durchaus zu denken gibt. Der Energieverbrauch, den diese Geräte insgesamt verursachen, ist inzwischen größer als der von PCs und Laptops zusammen. Dazu kommt, dass immer noch rund die Hälfte aller Geräte in asiatischen Ländern wie China produziert werden. Und dort liegt der Anteil von Energie aus umweltschädlicher Kohleverbrennung noch bei fast 60 Prozent. Der größte aller Umweltschäden entsteht allerdings in der Phase der Herstellung der Smartphones – vor allem bei der Produktion bedruckter Leiterplatten und Halbleiter.

Mehr Smartphones, weniger Tierarten

Ganz zu schweigen vom Abbau begrenzter Rohstoffe wie seltene Erden unter teils fragwürdigen Bedingungen. In einem einzigen Smartphone sind bis zu 60 verschiedene Rohstoffe verbaut. Neben Kunststoffen und Glas sind das auch Metalle wie Kupfer oder Eisen. Silber, Gold, Platin und diverse „seltene Erden“. Immer knappere und in der Gewinnung zum Teil bedenkliche Metalle, darunter Kobalt, Gallium, Indium, Niob oder Wolfram, sind zwingend für die Geräteherstellung notwendig und werden in den Geräten verarbeitet. Waldgebiete werden für die Abbaustätten großflächig abgeholzt und damit einer der letzten Lebensräume von Gorillas und anderen bedrohten Tierarten auf der Erde zerstört. Für die Erschließung neuer Minen werden rücksichtslos Berge gesprengt und Urwälder gerodet. Damit die Edelmetalle aus dem Gestein gelöst werden können, kommen giftige Stoffe zum Einsatz, die ungeklärt in Gewässer geleitet werden.

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© Bildquelle: Stefan Korbion / pixabay

Die Zukunft in der eigenen Hand?

Es ist ein Dilemma. Denn trotz alledem werden Smartphones oft nicht sehr lange genutzt und noch sogar noch vor ihrer Nichtmehrfunktionstüchtigkeit einfach in den Müll geworfen. Viele Geräte von früher sind längst Elektroschrott, der auch nicht immer sachgemäß entsorgt wird. Parallel dazu werden immer neue, bessere, modernere, schickere und zugleich teurere Smartphones und Tablets auf den Markt geworfen. Laut einer Studie von Global E-Waste beträgt die Lebensdauer eines Handys in Europa, den USA und China nur rund 18 bis 24 Monate. Kein Wunder, machen es die Hersteller den Kunden über neue Verträge und Sonderangebote allzu leicht, sich alle zwei Jahre ein neues Gerät zu kaufen. In Studien fand man heraus, dass man sein Smartphone mindestens fünf Jahre nutzen müsste, damit der Einfluss auf die globale Erwärmung dank des eingesparten Kohlendioxids um 30 Prozent reduziert werden könnte.

Ein weiteres Problem ist das Recycling. Die Stimmen werden lauter und fordern Unternehmen auf, kaputte Smartphones bedingungslos zurückzunehmen und wiederzuverwerten. Denn Elektroschrott, der falsch entsorgt wird, richtet großen Schaden an. Und selbst in Recycling-Firmen gibt es große Probleme bei der Smartphone-Entsorgung. Denn die Demontage gestaltet sich aufgrund des schlichten Designs und auch wegen der Verwendung patentierter Schrauben und eingeklebter Akkus schwierig.

Jeder kann etwas tun

Unternehmen wie Puzzlephone oder Fairphone setzen bereits auf Nachhaltigkeit. So produziert das Unternehmen Geräte, deren Module austauschbar sind und die recht einfach repariert werden können, da hier nichts verklebt ist. Die Verkaufszahlen dieser alternativen Geräte sind allerdings im Vergleich zu den etablierteren Marken eher gering – eine wirkliche Lösung des Problems ist das also noch nicht.

Neuer Vertrag – neues Handy: Diese Devise steht aktuell zur Debatte. Samsung, Apple, Huawei & Co. sollten ihre Produkte künftig so zu bauen, dass Schäden leichter behoben und Module besser ausgetauscht werden können. Fakt ist: Jedes reparierte Smartphone schont Ressourcen. Eine Handy Reparatur in Berlin wirbt sogar damit, dass sie Smartphones in weniger als 1 Stunde wieder instandsetzen können. Damit müsste man also auch keine Sorgen haben, allzu lange auf das Gerät verzichten zu müssen.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Tom Vörös

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