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Technikschau auf dem Feld

Dösitzer organisieren am Sonnabend zum zweiten Mal ein Oldtimertreffen. Und fast das ganze Dorf macht mit.

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© Schultz

Von Jürgen Müller

Stauchitz. Fast geheimnisvoll schreitet Mario Dietrich durch die große Scheune. Dann hebt er vorsichtig eine Plane an. Die mintgrüne Karosserie eines Fahrzeuges wird sichtbar. Es ist ein Wartburg 311, Baujahr 1967. Gerade erst ist die Karosse lackiert worden, das Auto muss noch zusammengebaut werden. Es ist das jüngste Stück des Dösitzers. Der 47-Jährige ist Oldtimerfan. Diese Leidenschaft teilt er mit anderen Einwohnern in dem 90-Seelen-Ort der Gemeinde Stauchitz. Gemeinsam veranstalten sie am Sonnabend zum zweiten Mal das Dösitzer Oldtimertreffen. Zu sehen sein werden aber nicht in erste Linie Pkw, sondern vor allem Traktoren und anderer Landmaschinen. So eine Dieselameise, die 60 Jahre auf dem Buckel hat, somit 13 Jahre älter ist als ihr Besitzer. Stolz stellt sich Mario Dietrich in den Führerstand. Die Dieselmeise wird stehend gefahren. „Es ist ein Einzylinder-Wasserverdampfer mit Fußbedienung“, erklärt der Dösitzer. Immerhin drei Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang hat das alte Stück. Gleich daneben ein rot lackierter Multicar mit Leiter. Sieht auf den ersten Blick aus wie ein Feuerwehrfahrzeug, ist es aber nicht. „VEB Rohrkombinat Riesa“ steht an der Tür und „Ela“, was für elektrische Abteilung steht. Das Auto war einst im Rohrwerk Zeithain eingesetzt. Dietrich hat es gekauft und wieder aufgebaut, sandgestrahlt, lackieren lassen, die Leiter überholt, die Bremsen erneuert.

Viele Arbeiten erledigt der zweifache Familienvater selbst, obwohl er kein gelernter Schlosser ist. Der Dösitzer arbeitet bei der Deutschen Bahn als Rangiermeister im Schichtdienst. Diese Woche hat er ein paar Tage Urlaub genommen. So oft es geht, schraubt er an den alten Fahrzeugen herum. „Wir wollen auch andere daran teilhaben lassen. Deshalb veranstalteten wir vor zwei Jahren das erste Oldtimertreffen, machen nun eine Neuauflage“, sagt er. Gemeinsam mit Thomas König und rund 20 weiteren Gleichgesinnten, die sich in unregelmäßigen Abständen treffen, hat er die Ausstellung vorbereitet. „Wir sind kein Verein und wollen auch keiner werden, sondern ein loser Zusammenschluss“, sagt Dietrich. Rund 100 Fahrzeuge und Landmaschinen werden zu sehen sein, und nicht nur das. Die Fahrzeuge werden auch in Bewegung sein, beispielsweise beim Schauackern oder beim Traktorfahren für Kinder. Fast das ganze Dorf macht mit. Die Feuerwehr wird um 15.30 Uhr eine Übung veranstalten, dabei die Bergung von Insassen aus einem verunglückten Pkw demonstrieren. Vom Heimatverein wurde die Gulaschkanone ausgeliehen, um Kesselgulasch zu kochen. Das Oldtimertreffen wird zum Volksfest. „Wir wollen zeigen, dass auch auf einem kleinen Dorf was los ist“, sagt Mario Dietrich. Im kommenden Jahr soll dann auch der Wartburg 311 fertig sein, eines der schönsten Autos, das je in der DDR gebaut wurde. Und auch sonst fährt der Dösitzer lieber alte Fahrzeuge, so ein Motorrad , eine 250er-TS aus Zschopau.

Zur ersten Auflage des Oldtimertreffens war die Resonanz groß. Vor allem viele junge Leute seien gekommen, sagt er. Darauf hoffen die Dösitzer auch an diesem

Sonnabend.

Oldtimertreffen am Sonnabend, dem 10. September, von 9 bis 18 Uhr auf dem Feld in Dösitz in der Ortsmitte. Der Eintritt ist frei.