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Teichwirt trotzt der Trockenheit

Der warme Sommer ist gut für die Karpfen in Koselitz. Gleichzeitig bereitet er dem Teichbesitzer Sorgen.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Röderaue. Der Probefang in Thomas Richters Händen macht einen guten Eindruck. Ansprechende Größe, keine Parasiten. Der Teichwirt ist zufrieden. Der junge Karpfen, den der Koselitzer zuvor per Wurfnetz aus dem Hoischeteich geholt hatte, darf wieder zurück. Es ist Donnerstagvormittag, und die Sonne strahlt vom fast wolkenfreien Himmel auf die 16 Teiche der Richter’schen Teichwirtschaft. Es weht ein leichter Wind. Gute Bedingungen, denn Wärme und Sauerstoff braucht es, damit die Fische sich gut entwickeln.

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Dass es jetzt so gut aussieht, war zu Jahresbeginn nicht abzusehen. Die Frühjahrsernte sei durchwachsen gewesen, bilanziert Thomas Richter. Später Frost im März sei dazwischen gekommen. „Wir hatten das Wasser schon abgelassen, dann kam die Eisdecke.“ Die Sauerstoffzufuhr sei dadurch abgeschnitten gewesen. Zum Glück seien keine Fische gestorben. Mit der damaligen Ausbeute an einsömmerigen Karpfen zeigt sich der Teichwirt sehr zufrieden, mit der an zweisömmerigen Exemplaren weniger. Der Verkauf der jungen Tiere als Satzfische, zum Beispiel an andere Teichwirtschaften wie Moritzburg, ist das Hauptgeschäft für den Koselitzer Betrieb.

Gut sei der plötzliche Umschwung vom eher kalten Frühjahr auf den warmen Sommer gewesen, so Thomas Richter. „Dadurch sind die Fische super ans Futter gegangen.“ Elf Tonnen Getreide verfüttert die Teichwirtschaft derzeit wöchentlich. An den kleineren Teichen wird das Futter von der Transporter-Ladefläche ins Wasser geschaufelt. Auf den größeren Gewässern kommt ein Kahn zum Einsatz, mit dem das Futter zur Fischgrube, einer abgesenkten Stelle im Teich, gefahren wird. Die Fütterung auf den 132 Hektar – etwa 180 Fußballfelder – großen Gewässerflächen dauert den ganzen Tag. Die Prozedur steht immer montags, mittwochs und freitags an.

Worum sich der Teichwirt hingegen täglich kümmern muss, ist der Zu- und Ablauf des Wassers. Denn obwohl man es den vollen Gewässern nicht gleich ansieht: Die anhaltende Trockenheit ist auch hier ein Problem. Anders als manch andere Teichwirtschaft ist Koselitz zwar nicht komplett vom Regen abhängig, weil die Kleine und Große Röder Wasser liefern. Sinkt der Pegel der Zuflüsse stark, kann Wasser aus den Teichen zurückfließen. Damit das nicht passiert, schließt der Teichwirt die Zu- und Abläufe – damit aber auch die Sauerstoffzufuhr über diesen Weg. Thomas Richter muss dann auf Wind hoffen – und auf Regen, damit die Gewässerpegel wieder steigen. Der Regen vorige Woche zum Beispiel sei Gold wert gewesen, so der Teichwirt.

Was man hier beobachten könne, sei „Klimawandel live“, meint der 39-Jährige. „Mein Vater kennt es nicht, dass es so starke Wassernot gab“, sagt Thomas Richter, der die einst von seinem Vater Roland geführte Teichwirtschaft 2015 übernommen hatte. „Dass der Klimawandel sich so schnell bemerkbar mache, hätte ich nicht erwartet“, so der Sohn. Wie sich die Situation künftig entwickelt, bereitet Thomas Richter durchaus Kopfzerbrechen. „Ich will das hier ja noch 30 Jahre machen.“ Über die aktuelle Wetterlage will sich der junge Teichwirt aber trotzdem nicht beschweren. „Dauerregen und Kälte wären schlimmer.“

Neben der Fütterung steht bei der Teichwirtschaft im Moment auch viel Pflege auf dem Plan. Wege müssen in Ordnung gehalten werden. Und auch einige Sturmschäden vom Januar sind noch zu beheben. Im August steht die Schildmahd an. Und auch die Kormorane, die sich an den Fischbeständen laben, müssen geschossen werden. „Dort sind zwei“, sagt Thomas Richter und deutet zum Himmel. Manche dieser Vögel, die früher nur Station auf ihrer Reise nach Süden machten, würden inzwischen dauerhaft bleiben. Auch wegen der milden Winter, sagt Thomas Richter. Auch so etwas, woran man den Klimawandel live beobachten könne.