merken

Teil 11: Jetzt geht’s lohoos!

Die SZ begleitet den Dresdner Koch Gregor Merker (29) auf dem Weg in seine Selbstständigkeit. Und lässt ihn Tagebuch führen.

© kairospress

Von Gregor Merker

Liebes Tagebuch, hätte ich gewusst, wie steinig und nervig der Weg in die Selbstständigkeit ist: Ich würde ihn wieder gehen! Nicht dass ich masochistisch veranlagt wäre. Aber ich bin durch und durch Optimist. Und wenn ich das nach den vergangenen Wochen noch immer sage, dann kann man mir das auch glauben. Das Ziel ist nah. Im Grunde bin ich schon da.

Anzeige
Bauen, Wohnen, Einrichten leicht gemacht
Bauen, Wohnen, Einrichten leicht gemacht

Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Unlängst habe ich mein Domizil in der Dresdner Altstadt bezogen, unweit vom Postplatz. Da ich mit meinem Lieferservice für hochwertige und weitgehend vorbereitete Gerichte Dresden und Radebeul bedienen und später noch einen Lebensmittelladen und kleines Restaurant betreiben will, ist die zentrale Lage wichtig. Dass meine Vorgänger im Erdgeschoss des fünfgeschossigen Baudenkmals nicht lang durchgehalten haben, ist kein böses Omen. Der Grieche, der Thai, der Portugiese und der Tscheche hatten andere Prioritäten. Ich bin zuerst Lieferservice für gehobene Küche.

Das zeige ich mit netten Applikationen an den grünen Sprossenfenstern. Nebeneffekt: Man kann kaum reinschauen. Das ist gut so, denn es sieht noch wüst aus: Schräge Farben, spießiger Tisch, Stühle, hässliche Bar und anderes Erbe vom Vorgänger. In einer Ecke mein Minibüro. Davor mein Kühlhaus. Wenn das anspringt, bekommt mancher einen Schreck. Zum Glück nur eine Übergangslösung.

Dafür ist die Küche samt Ausstattung top. Der teure Konvektomat, ein Hightech-Heißluftofen für mehrere Portionen, ist mein ganzer Stolz, und die Spülmaschine, die in drei Minuten ihren Job macht, wird mir gute Dienste leisten. Fettabscheider, Abluft bis aufs Dach, ... Alles ist auch von Amtswegen abgenommen. Mit den Nachbarn sollte es keine Probleme geben – hoffe ich. Auch nicht mit dem Stehcafé nebenan. Der Kuchen ist groß genug für uns beide.

Jetzt geht’s los. Die ersten Caterings liefen gut. Die Pilotgerichte sind gekocht, fotografiert und stehen ziemlich ansehnlich im Internet. Keine Fakes! Mein Perfektionismus nervt, aber diesmal bin ich zufrieden. Zum Start gibt’s je drei Vorspeisen, Hauptgänge, Desserts. Nun kann jeder bestellen, der mit wenig Aufwand daheim gehobene Gastronomie genießen will. Wer wenig Zeit, Erfahrung oder Lust hat, in der Küche zu stehen, weil Freunde, der Chef, die Angebetete oder die Schwiegermutter kommen, wird den Service lieben. Die einfachen Anleitungen stehen für zwei Zubereitungsarten im Netz: „roh“ oder „Mise en place“, also vorbereitet mit maximal 20 Minuten Restaufwand. Einzig die einzelnen mitgelieferten Sirups verrate ich nicht. Das sind schließlich meine „Topf Secrets“. Ich lebe meinen Firmennamen.

Noch sind es nur drei Liefertage pro Woche. Mein Ziel: schon bald noch am Bestelltag ausliefern. Das ist eine Riesenherausforderung. Weil ich nicht gleichzeitig in der Küche und zum Einkauf auf dem Markt sein kann, wären ein, zwei zuverlässige Mitstreiter nicht schlecht. Vielleicht meldet sich ja einer, der sich als Helfer mit mir in das Abenteuer stürzen will. Nun fiebere ich der Einweihungsfete entgegen – Bewährungsprobe vor jenen, die mich bis hierher begleitet haben. Keine Verzögerungen mehr, es liegt nur noch an mir.

Aufgeschrieben von Michael Rothe.

www.topf-secret.de

Alle bisherigen Teile unter www.sz-link.de/Tagebuch