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Telemedizin für Lungenpatienten

© Norbert Millauer

Therapien für Patienten besprechen Mediziner aus Coswig und Görlitz via Webcam. Das soll erst der Anfang sein.

Von Peggy Zill

Coswig. Die Patientin hat einen fast drei Kilogramm schweren Tumor im Bauch. Der wächst seit Jahren ungehindert, verdrängt bereits das Herz, hat Teile der Lunge eingenommen und sorgt für Atembeschwerden bei der Seniorin. Er muss raus. Wie sollte der Chirurg am besten vorgehen, was ist bei der komplizierten Operation zu beachten? Solche Fragen können die Mediziner des Coswiger Fachkrankenhauses und des Klinikums Görlitz in Zukunft gemeinsam klären, ohne dass sie ins Auto steigen müssen.

Die fast 120 Kilometer Entfernung überbrücken sie dank Telemedizin problemlos. Über eine Webcam sehen sich die Ärzte, auf Monitoren begutachten sie beispielsweise dieselben CT-Aufnahmen und Krankenakten. Chirurg, Radiologe und Strahlentherapeut erörtern dann die Möglichkeiten – ohne dass der Patient dabei sein muss. „Die Therapie wird optimal auf den Patienten zugeschnitten“, erklärt Dr. Steffen Drewes, Chefarzt der Thoraxchirurgie am Coswiger Krankenhaus.

Ein gestern unterzeichneter Kooperationsvertrag regelt die gemeinsame Behandlung von Lungenpatienten. Ärzte und Patienten profitieren vom Wissen der Experten in der jeweils anderen Stadt. Diese arbeiten schon seit Jahren zusammen. Doch bisher wurden Telefonate geführt, Briefe verschickt. Ein Dialog war so nicht möglich. Nun bündeln beide Häuser ihre Kompetenzen. „Man kann gemeinsam in Echtzeit die richtige Therapie finden. So hat jeder Patient die gleiche Chance auf die beste Behandlung und die Telemedizin ist eine Möglichkeit, auch die Patienten in der Peripherie gut zu versorgen“, erklärt Ursula Russow-Böhm, Geschäftsführerin des Coswiger Fachkrankenhauses. Hier werden jedes Jahr rund 8 000 Patienten behandelt, etwa ein Viertel davon mit Lungenkrebs. Die Einrichtung ist eines von 40 in Deutschland zertifizierten Lungenkrebszentren und eines von 14 Kompetenzzentren für Thoraxchirurgie.

Auch in Görlitz gibt es seit 25 Jahren eine Abteilung Pneumologie (Lungenheilkunde) mit den entsprechenden Experten. 2 500 Patienten werden dort jedes Jahr behandelt. Darunter etwa 190 mit Lungenkrebs. Für Görlitz ist die Zusammenarbeit mit Coswig auch eine fachliche Stärkung des Hauses, so Dr. Eric Hempel, medizinischer Direktor in Görlitz. Und die Telemedizin spart Geld. „Wir nutzen den besten Weg. Es entstehen keine unnötigen Kosten. Ich denke, das ist im Sinne des Gesundheitssystems, dass wir bewusst mit den Ressourcen umgehen.“ Dennoch könne es laut Chefarzt Dr. Dirk Koschel vorkommen, dass Kranke von Görlitz nach Coswig verlegt werden, weil die Therapie nur dort möglich ist oder dass ein Experte aus Coswig nach Görlitz fährt.

Was für die Patienten besonders wichtig ist: Telemedizin spart Zeit. „Gerade die ist kostbar und darf nicht mit der Suche nach der passenden Therapie vertrödelt werden“, sagt Ulrike Holtzsch, Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums Görlitz. Denn es gibt keine Lösung, die auf alle Patienten passt. Deshalb glaubt die Klinik-Chefin, dass dieser Weg der Zusammenarbeit zwischen Medizinern wegweisend sein wird. „Wir wollen weitere Partner wie Hausärzte und Pflegedienste für unser Netzwerk finden.“ Denn die Frage, wie es nach dem Krankenhausaufenthalt weitergeht, spiele ebenso eine wichtige Rolle.

Die Leitung, über die die Daten von Krankenhaus zu Klinik übertragen werden, ist eine speziell gesicherte. „Das ist datenschutzrechtlich alles geprüft“, versichert Ursula Russow-Böhm. Und da es eine solche Verbindung bereits zur Dresdner Uniklinik gab, habe man von diesen Erfahrungen profitiert.