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Tembo soll für Nachwuchs sorgen

Der Elefantenbulle aus Berlin wird am Dienstag nach Dresden gebracht. Die Zucht wird kein leichtes Projekt.

© Ronny Moche / Zoo Dresden

Juliane Richter

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Dresden. Die biologische Uhr tickt – bei den drei Elefantendamen des Zoos zuletzt immer lauter. Vor allem bei Mogli und Sawu, die mit ihren 24 und 23 Jahren noch nie Nachwuchs ausgetragen haben. Umso erfreulicher ist es für den Zoo, dass nun schneller als gedacht ein Elefantenbulle nach Dresden kommt. Tembo aus dem Tierpark Berlin ist der Auserwählte, der schon an diesem Dienstag anreisen soll.

Groß war die Freude der Elefantendamen im Juli, als ihnen das renovierte Außengehege wieder offen stand.
Groß war die Freude der Elefantendamen im Juli, als ihnen das renovierte Außengehege wieder offen stand. © Sven Elger
Hilft Tembo den Damen Drumbo, Sawu und Mogli nächstes Jahr beim Weihnachtsbaum-Mahl?
Hilft Tembo den Damen Drumbo, Sawu und Mogli nächstes Jahr beim Weihnachtsbaum-Mahl? © Steffen Füssel

Mit seinen 33 Jahren ist er im besten Alter für die Zucht und hat in Berlin schon sieben Jungtiere gezeugt. Dass er nun nach Dresden kommt, ist dennoch eine kleine Überraschung. Denn in den vergangenen Jahren war stets von Bulle Abu aus dem Zoo Halle/Saale die Rede. Der soll jedoch zunächst in Erfurt für Nachwuchs sorgen. Und der Dresdner zoologische Leiter Wolfgang Ludwig weiß, dass so ein Zuchtversuch eine langwierige Sache sein kann. „Die Kühe haben nur alle drei Monate ihren Zyklus. Es muss auch nicht gleich beim ersten Mal klappen. Es können also Monate oder gar Jahre vergehen“, sagt er. Somit wäre nicht klar gewesen, wie schnell der eigentlich vorgesehene Bulle tatsächlich hätte nach Dresden kommen können. Noch dazu gestresst von den Vormonaten.

Die Entscheidung gegen Abu und für Tembo hat der europäische Zuchtbuchführer getroffen. Dieser war im Mai bei einer Tagung im Dresdner Zoo und konnte sich nicht nur vom frisch sanierten Afrikahaus, in dem die Elefanten leben, überzeugen. Sondern auch die Dringlichkeit des Handelns wurde noch einmal besprochen.

Elefantöses im Dresdner Zoo

Die bekannteste Dresdner Elefantendame Schöpfi wurde 1960 mit dem Schiff von Indien nach Deutschland gebracht. Generationen von Besuchern kannten Schöpfi, die ziemlich genau 50 Jahre im Dresdner Zoo lebte. 2010 wurde sie schwer krank und musste eingeschläfert werden. Seitdem besteht die Elefantengruppe aus den drei erwachsenen Kühen Drumbo, Sawu und Mogli.

Eine Sensation war die Geburt von Thabo-Umasai am 4. Februar 2006. Nicht nur, dass es die erste Geburt eines Elefanten in Dresden war, es war auch deutschlandweit die erste Geburt nach einer künstlichen Besamung. Genau 629 Tage hatte ihn seine Mutter Drumbo im Bauch getragen, bevor er mit 100 Kilogramm Gewicht auf die Welt kam. Sein Vater heißt auch Tembo – lebt allerdings in England.

Tragisch war der Angriff von Thabo-Umasai im März 2010 auf zwei Pfleger. Der Jungbulle verletzte eine Pflegerin dabei so schwer am Kopf, dass sie notoperiert werden musste und nie mehr in den Zoo zurückkehren konnte. Weil das Gehege für die Haltung des Jungbullen ohnehin zu klein wurde, war sein Abtransport schon vorher geplant gewesen. Im August 2011 wurde er über Luxemburg nach Pittsburg in die USA gebracht.

Drei Jahre lang waren die drei Elefantendamen nur auf der Außenanlage zu sehen. Denn 2015 zogen sie für die Sanierung ihres maroden Afrikahauses in eine Interimshalle. In dieser Zeit haben die Pfleger auf den geschützten Kontakt umgestellt und arbeiten somit nur noch durch Gitterstäbe getrennt mit den Tieren. Das sanierte Afrikahaus wurde im April diesen Jahres eröffnet. Es wurde nicht nur später fertig als geplant, sondern mit 8,6Millionen Euro auch deutlich teurer. Nun stimmen aber alle Voraussetzungen für die Zucht im geschützten Kontakt.

Eine traurige Nachricht wurde im Sommer bekannt. Bereits am 3. Juli 2017 war Thabo-Umasai in Pittsburgh vermutlich an einer Auto-Immunkrankheit verstorben.

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Deshalb also Tembo. Der nun ausgewählte Bulle lebt seit 31 Jahren im Tierpark Berlin und gilt laut einer Sprecherin als ruhiger Zeitgenosse, der sich mit seinen zuletzt drei Kühen sehr gut verstanden hat. Er sei „sehr sozialkompatibel und eigentlich ein friedlicher Charakter.“ Das denkt auch der zoologische Leiter Ludwig, der mit einigen Kollegen zuletzt mehrmals in Berlin war, um das Tier zu sehen und die Reise nach Dresden vorzubereiten. Den engsten Kontakt zum neuen Elefantenbullen hat in diesen Tagen Ronny Moche. Der Leiter des Dresdner Elefantenreviers ist schon am Sonntag nach Berlin gereist.

Er wird dabei sein, wenn Tembo an diesem Dienstag in den frühen Morgenstunden ein leichtes Beruhigungsmittel erhält. Damit fällt er nicht in Narkose, sondern erlebt die Fahrt in seiner großen Transportbox vermutlich etwas entspannter. Nach Auskunft des Tierparks wurde Tembo in den vergangenen Wochen mit einem Training darauf vorbereitet, in die Box zu gehen. Diese wird dann mittels eines Krans auf einen Spezialtransporter verladen und dann ganz normal über die Autobahn nach Dresden gebracht. Irgendwann in der Mittagszeit rechnen die Dresdner mit der Ankunft. Neben Revierleiter Moche ist ein weiterer Dresdner Tierpfleger dabei. Außerdem werden zwei Berliner Kollegen den Transport begleiten und für die ersten Tage der Eingewöhnung in Dresden bleiben.

Die Besucher müssen noch einige Zeit warten, bevor sie den Elefantenbullen erstmals sehen können. Zunächst wird der Container mit einem Kran in das Außengehege gehoben. Allerdings an eine Stelle, die für die Besucher nicht einsehbar ist. Von dort soll der Bulle direkt in seinen abgeschirmten Innenbereich laufen und sich zunächst an die neuen Räume, die Gerüche und Geräusche gewöhnen. Schrittweise wird er dann die drei Kühe kennenlernen. Erst nur durch Gitter getrennt, später dann in einem Gehege. Vorgesehen ist, dass er mit allen drei Kühen ein Jungtier zeugt. Ob das klappt, kann niemand garantieren. „Es kann auch sein, dass Antipathien herrschen und deshalb eine Kuh ausscheidet“, sagt Wolfgang Ludwig.

Wenn es klappt, müssen sich die Dresdner noch einmal fast zwei Jahre gedulden. Denn rund 22 Monate dauert die Tragzeit der afrikanischen Elefanten. Dauerhaft wird Tembo nicht in Dresden bleiben – das gibt das sanierte Afrikahaus platztechnisch nicht her. Es ist für die temporäre Unterbringung eines Bullen und für die Haltung von mehreren Elefantenkühen mit Kälbern umgebaut worden.

Nachwuchs wollen die Dresdner Pfleger ihren drei Damen unbedingt ermöglichen. Einfach, weil es zum Leben eben dazugehört. Dass dafür eigens ein Bulle anreist und keine Samenspende genutzt wird, hat auch seine Gründe. Ein solches Verfahren sei laut Ludwig nicht nur zeit- und personalaufwendig, sondern auch weniger erfolgversprechend als eine ganz natürliche Befruchtung.