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Tempo 30 ist gestrichen

Lange hatten sich Weißiger Anwohner für das Tempo-Limit an der Hauptstraße eingesetzt. Nun ist es abgeschafft worden.

© Frank Baldauf

Von Stephan Klingbeil

Die Tempo-30-Schilder an der Hauptstraße in Weißig wurden abmontiert. Manche Anwohner können da nur den Kopf schütteln. So etwa Roy und Gritt Rockmann. Sie sind überrascht. „Nach vielen Jahren harten Kampfes war hier vor ein paar Jahren endlich eine 30er-Zone eingerichtet worden“, erklären sie. „Damit wurde unter anderem der schmalen Straßenführung, dem fehlenden Gehweg und den unübersichtlichen Ausfahrten Rechnung getragen.“ Mittlerweile ist der Fußweg da.

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Kaum sind die ersten Meter zurückgelegt, ertönt lautstark diese Frage. Denn so schön das Wandern ist, ohne Picknick ist der Spaß nur halb so groß.

Und die Schilder sind weg oder ersetzt. Wer aus Tharandt kommend nach Weißig fährt, darf etwa ab Höhe Hoher Weg inzwischen mit Tempo 50 statt 30 fahren. Das entsprechende Verkehrsschild wurde ausgetauscht. „Die Straße dort ist doch auch noch nach Ende der Bauarbeiten eng“, ärgert sich Rockmann. Für Leute mit Kindern, die direkt an der Hauptstraße wohnen, sei deshalb nur schwer verständlich, warum es das bisherige Tempo-Limit nun nicht mehr gibt. „Ich frage mich auch, warum uns hier keiner darüber informiert hat“, kritisiert das Weißiger Paar.

Bei der Einwohnerversammlung zum jetzigen 360 Meter langen dritten Bauabschnitt an der Weißiger Straße, die ab dem Waldstück Hauptstraße heißt, sei der Wegfall der 30er-Schilder nicht thematisiert worden. Das Treffen im Rathaus Potschappel mit rund 100 Anwohnern fand Ende März statt. Hätte man dort nicht auch darauf hinweisen können?, fragt Rockmann.

„Bei uns liegt keine Beschwerde zu dem Thema vor“, erklärt Rathaussprecherin Inge Nestler. „Wenn Verkehrszeichen geändert werden, müssen wir außerdem nicht jeden Einwohner persönlich informieren.“ Der Ortschaftsrat Weißig sei allerdings von der Stadt Ende November vorigen Jahres auf das Vorhaben hingewiesen worden. Die Ortschaftsratsvorsitzende Heidrun Weigel bestätigt dies auf SZ-Anfrage: Sie sei informiert worden, der Rat in der Folge auch. Vor etwa 14 Tagen seien die Schilder schließlich abgeschraubt worden.

Ortschaftsrat uneinig

Offenbar war sich der Weißiger Rat auch uneinig, was er davon halten sollte. „Zu dem Thema gibt es unterschiedliche Meinungen“, sagt Heidrun Weigel. Kritiker wie ihr Stellvertreter Klaus Kippe seien sehr verärgert gewesen. Er habe den Ortschaftsrat verlassen. „Ich selbst bezweifle, ob es gut ist, Tempo 30 in den teils schmalen Bereichen aufzuheben, zumal einige Autofahrer dort mit mehr als 50 Kilometer pro Stunde langfahren.“ Nicht jeder halte sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung.

An der Entscheidung, die Tempo-30-Zone aufzuheben, lasse sich jedoch nicht rütteln. „Wir können leider nur Stellung beziehen dazu, mehr aber nicht“, erklärt Heidrun Weigel. Die Stadt hat ebenfalls keinen Spielraum. Die Polizeidirektion Dresden habe das angeordnet, sagt Inge Nestler. „Die Schilder mussten entfernt werden, Grundlage für diese Entscheidung ist die Straßenverkehrsordnung.“ Demnach habe es nach Abschluss der Bauarbeiten in der Hauptstraße und dem damit fertiggestellten Gehweg keinen Grund mehr gegeben, Tempo 30 aufrechtzuerhalten. Die Schilder mussten abmontiert werden.

Die Anwohner haben laut Stadtverwaltung auch kaum Chancen, dagegen vorzugehen: „Ob und welche Verkehrszeichen aufgestellt oder nicht aufgestellt werden, ist laut den gesetzlichen Vorgaben nicht demokratisch zu entscheiden“, erklärt Inge Nestler. Solange laut Verkehrsbehörden keine Gefährdung vorliegt, müsse es auch keine Tempo-30-Zone geben.