merken

Tempo 70 hinterm Blitzer

Seit wenigen Tagen lässt eine neue Anlage Raser auf der Bergstraße auf die Bremse treten. Doch was bringt das, wenn kurz danach nicht einmal die 50 gilt?

© Sven Ellger

Von Annechristin Bonß

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Dieser Blitzer funktioniert. Nur wenige Tage, nachdem die neue Anlage an der Bergstraße installiert wurde, sind hier schon viele Temposünder erwischt worden. Bereits am ersten Tag löste die Anlage über 250 Mal aus. Viele der Autofahrer halten sich jetzt an die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer. Selbst der Automobilclub ADAC ist voll des Lobes. Die Idee der Stadt ist aufgegangen. Die hatte vorgerechnet, dass die Luftverschmutzung an dem Berg deutlich abnehmen könnte, wenn sich jeder an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hält. Wer an der Bergstraße nur geringfügig schneller als die erlaubten 50 Stundenkilometer fährt, der verpestet die Luft. Eine Studie ergab, dass dort Mittelklasse-Diesel-Pkw bei Tempo 60 über das Doppelte an Stickoxiden im Vergleich zu Tempo 50 ausstoßen.

Der neue Blitzer kommt auch bei den Anwohnern rechts und links der Bergstraße gut an. Die leiden unter dem Verkehrslärm und den vielen Autos, die hier unterwegs sind. Eine Begrenzung der Geschwindigkeit hilft zumindest, wenn es um Lärm und Luftverschmutzung geht. Nur warum dürfen die Autofahrer nur wenige Meter nach dem Blitzgerät dann auf einmal 70 Stundenkilometer schnell fahren?

Tatsächlich weist ein Schild kurz nach der Kreuzung Bergstraße/Nöthnitzer Straße darauf hin. Auch dort geht es noch den Berg hinauf. Auch dort müsste die Luft den Annahmen aus der Studie nach besser werden, wenn die Autos langsamer unterwegs wären.

Doch diese Überlegung machen die Mitarbeiter im Straßen- und Tiefbauamt nicht. Tempo 70 ist erlaubt, weil die Straße als Bundesstraße über einen entsprechenden Ausbauzustand verfügt und als Zubringer zur Autobahn gilt. Deshalb sei es auch zulässig, dort schneller als 50 Stundenkilometer zu fahren, obwohl die Straße noch innerhalb des Stadtgebietes liegt, stellt das Straßen- und Tiefbauamt fest. Zudem beziehen sich die Regeln im Luftreinhalteplan auf direkt bewohnte Straßen. Tempo 70 werde dort freigegeben, wo keine Wohnbevölkerung betroffen ist, also niemand mehr an der Straße wohnt. Die Kollegen im städtischen Umweltamt sehen dies indes etwas anders. Im Sinne der grundsätzlichen Senkung von Verkehrsemissionen wäre eine Senkung der Geschwindigkeit durchaus sinnvoll. Auch an anderen Stellen in der Stadt.