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Teure Betten statt Dampferfahrt

Ein Mann aus Bremen stand wegen Betrugs bei einer Kaffeefahrt vor Gericht. Der Tatnachweis war schwer.

© Symbolbild/dpa

Von Helene Krause

Döbeln. Die Gruppe Senioren hatte sich auf eine Dampferfahrt auf der Talsperre Kriebstein gefreut. Mit dem Versprechen eines schönen Ausflugs zum Stausee hatte ein 55-jähriger Unternehmer aus Bremen Senioren zu einer sogenannten Kaffeefahrt gelockt. Doch statt zum Dampfer wurden die Reiseteilnehmer zu der Gaststätte „Grüne Aue“ nach Roßwein gefahren. Dort fand eine Werbeverkaufsschau statt. Bei der gab es überteuerte Matratzenauflagen und Kissen. Mindestens drei Ehepaare fielen auf die Angebote herein. Sie kauften Waren im Wert von Tausenden Euro. Jetzt stand der Unternehmer vorm Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wurde ihm Betrug.

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In der Gaststätte soll der Angeklagte am 29. Februar, am 17. August und am 14. September 2016 Matratzenauflagen und Kissen angeboten haben. Diese bewarb er damit, dass sie gegen alle möglichen Krankheiten, wie Rheuma, Arthrose, Prostatabeschwerden, Impotenz, Halsweh und anderes helfen oder die Beschwerden lindern sollten. Die Auflagen und Kissen sollten sogar im Weltraum getestet worden sein. Drei Ehepaare kauften jeweils zwei davon. Ein Ehepaar aus Dresden zahlte 3258 Euro. Das andere Paar zahlte 1250 Euro an. Den Rest blieb es, mit Einverständnis des Angeklagten, schuldig. Das dritte Ehepaar gab die Ware zurück. Es erhielt auch das Geld zurück.

In der Einladung, welche die Senioren – fast alle jenseits der 70 – zu der Reise verleitete, hieß es: „Sie werden direkt zum Schiff gefahren. Dort begrüßt sie der Kapitän“. Doch stattdessen ging es zur Gaststätte. Dort gab es zwar ein kostenloses Frühstück. Dafür mussten sich die Gäste aber eine fünfstündige Werbeverkaufsschau anhören, auf welcher der Beschuldigte besagte Artikel anpries. Dabei zog er alle Register: Das Dresdener Ehepaar sollte später sogar den Weltraumtestern mitteilen, wie sie mit den Auflegern und Kissen zufrieden sind. So habe es ihnen der Angeklagte gesagt, schildern die Eheleute aus Dresden in der Verhandlung. Weil ihnen die Waren zu teuer erschienen, recherchierten sie im Fachhandel und im Internet. Sie mussten feststellen, dass es die angebotenen Matratzenauflagen schon für 100 Euro gab. Auf Nachfrage bei der Talsperrenverwaltung in Kriebstein erfuhren sie, dass die Dampfer erst ab Ostern fahren und nicht schon Ende Februar. Sie erstatteten Anzeige.

Das Verfahren gestaltete sich schwierig. Der Angeklagte leugnete, dass er die Waren damit beworben hätte, dass sie im Weltraum von Kosmonauten getestet worden seien. „Ich habe gesagt, dass man darauf wie schwerelos liegen kann“, sagte er. „Ich habe vorher mehrere Matratzengeschäfte aufgesucht und mich informiert. Ein Heilungsversprechen habe ich nicht gegeben.“ Seine Wortwahl, so sah es das Gericht, lag am Rand des Legalen. Da die Tat schon zwei Jahre zurückliegt, können sich die Zeugen nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern, den der Angeklagte gebrauchte, als er die Waren bewarb. „Alles, was er sagte, traf auf mich zu“, sagt der Zeuge aus Dresden vor Gericht. „Alle meine Beschwerden würden sich bessern. Aber gebessert hat sich nichts.“ Auch seine Frau kann sich nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern. „Man klammert sich daran, dass es hilft“, sagte sie.

Weil die Zeugen sich nicht mehr an die genauen Worte erinnern können, die der Angeklagte gesagt hat, als er auf der Veranstaltung die Waren bewarb, stellt Richter Janko Ehrlich das Verfahren gegen Auflage vorläufig ein. Der Angeklagte muss bis Juli dem geschädigten Ehepaar aus Dresden die 3258 Euro und dem anderen Ehepaar die angezahlten 1250 Euro zurückerstatten. Außerdem muss er 500 Euro an den Kinderschutzbund zahlen.