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Teure Fahrt mit der Bahn

Ein Döbelner ist ohne Fahrkarte nach Riesa gefahren. Das brachte ihm einen Strafbefehl ein. Der ist viel teurer als das Ticket.

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© Symbolbild/André Braun

Von Helene Krause

Döbeln. Hatte der Angeklagte den Zug verpasst? Leer blieb sein Platz im Verhandlungssaal im Amtsgericht Döbeln. Vorgeworfen wurde einem 70-jährigen Döbelner das Erschleichen von Leistungen. Am 22. August 2015 soll er mit dem Regionalzug der Bundesbahn von Döbeln nach Riesa gefahren sein. Einen Fahrschein hatte er nicht. Der Bahn entstand ein Schaden in Höhe von 6,10 Euro. Die Nachzahlung wird jetzt deutlich teurer.

Vor Gericht ist der Angeklagte kein Unbekannter. Mehrfach wurde er schon verurteilt, unter anderem wegen Diebstahls, Unterschlagung, Betrug und anderer Delikte. Mehrfach saß er im Gefängnis, auch deswegen, weil er Geldstrafen nicht bezahlte. Wegen seiner Straftaten gab es auch schon einen Rachefeldzug gegen ihn. Ein Rentner hatte ihm Geld geborgt und nicht zurück erhalten. Als der Geschädigte den Schuldner im Keller des Wohnhauses traf, schlug er ihn mit einer Keule auf den Kopf. Wegen der Tat wurde der Rentner wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt.

Schon mehrfach fuhr der Angeklagte ohne Fahrschein nach Riesa. Am Tattag wollte er zum Arzt. An anderen Tagen besuchte er in Riesa einen Lesekreis. „Eine Verurteilung beeindruckt ihn nicht“, sagte Richter Ehrlich. Er schlug vor, das Strafverfahren gegen den Angeklagten in ein Strafbefehlsverfahren überzuleiten. Staatsanwalt Christian Kuka gab dem Vorschlag nach. Der Beschuldigte muss laut Strafbefehl ein Bußgeld in Höhe von 60 Tagessätzen zu 13 Euro – insgesamt 780 Euro – zahlen. Sollte er dem nicht nachkommen, wird das Verfahren neu aufgenommen.