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Teure Gefahrgutsendung

Der geplante Atomtransport von Sachsen nach Russland wird den Freistaat etwa eine Million Euro kosten. Das Land müsse sowohl die Fracht auf der Straße bis zum Flughafen als auch den Flug nach Russland bezahlen.

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Dresden - Das sagte der Direktor des Vereins für Kernverfahrenstechnik und Analytik (VKTA) in Rossendorf, Udo Helwig am Freitag in Dresden. Der Verein hat den Auftrag, das frühere DDR- Kernforschungszentrum bei Dresden von atomaren Altlasten zu befreien. Für die Bewachung des Materials in Rossendorf gibt Sachsen pro Monat 92000 Euro aus. Mit Abtransport der Brennstäbe könnte der Aufwand erheblich verringert werden, hieß es. Wissenschaftsministerin Eva- Maria Stange (SPD) bezeichnete die Entsorgung als alternativlos.

Der Freistaat will den Transport von ungebrauchten Brennstäben - etwa 200 Kilogramm hoch angereichertes Uran - bis Jahresende abschließen. Eine Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz liegt noch nicht vor. Dabei steht das Land unter Zeitdruck. Das international abgestimmte Programm zur Rücknahme von „frischen“ Brennstäben endet am 31. Dezember. Helwig schließt nicht aus, dass es verlängert wird. Wenn die Genehmigung vorliege, seien noch etwa drei bis vier Wochen für die Transportvorbereitung erforderlich. „Wir könnten auch 2007 noch handeln, wenn bis Jahresende genehmigt wird.“

Helwig zufolge gibt es keine Unstimmigkeiten mit der russischen Atomenergiebehörde Rosatom. Anfang der Woche waren Meldungen aufgetaucht, die Russen hätten Zweifel an der Transportmethode. Helwig verwies auf ein Schreiben von Rosatom, wonach die Organisation „keinerlei offizielle Ankündigungen oder Erklärungen in Bezug auf den Transport von Materialien aus Deutschland nach Russland gemacht hat“.

Die Brennelemente würden in Podolsk bei Moskau in niedrig angereichertes Material verwandelt, sagte der Direktor. In der vorliegenden Form seien sie für Reaktoren zur Stromverwendung unbrauchbar. In Rossendorf befanden sich früher ein Forschungsreaktor (RFR), ein so genannter Ringzonenreaktor sowie eine „Anordnung für kritische Experimente“. Bis auf den RFR ist der Rückbau der anderen Anlagen vollendet. Laut Planung soll Rossendorf 2011 beräumt sein. Nach Abtransport der Brennstäbe bleiben noch 4,5 Tonnen Uran in natürlicher Zusammensetzung sowie eine kleine Menge abgereichertes Material übrig. 2005 Jahr waren abgebrannte Brennelemente in Castoren ins westfälische Ahaus gebracht worden. (dpa)