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Teure Kinderbetreuung

Eltern müssen für Krippe, Kindergarten und Hort deutlich mehr Beiträge bezahlen als in den Nachbargemeinden. Das wirft viele Fragen auf.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Käbschütztal. Die Gemeinde Käbschütztal wollte Geld sparen, als sie beschloss, die Kindereinrichtungen nicht mehr selbst zu betreiben, sondern an einen freien Träger zu übergeben. Und so ist seit dem 1. Januar 2004 die Johanniter Unfallhilfe zuständig für das Betreiben der bis dahin gemeindlichen Kindereinrichtungen in Barnitz und Löthain. Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht, jedenfalls nicht in finanzieller Hinsicht. Eine Analyse hat ergeben, dass die Betriebskosten, die teilweise von der Gemeinde beglichen werden müssen, zu einem bestimmten Teil auch den Eltern als Beiträge aufgebürdet werden, deutlich höher sind als in den umliegenden Städten und Gemeinden (siehe Kasten). Deshalb hatte der Gemeinderat die Johanniter eingeladen. Man erhoffte sich Antworten, warum die Kosten in Käbschütztal höher sind als anderswo.

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Kosten nicht vergleichbar?

Um es vorwegzunehmen: Eine Antwort auf diese Frage bekamen die Gemeinderäte und Besucher nicht. Zwar erläuterten Regionalvorstand Wieland Keller und seine Kollegin, wie sich die Kosten zusammensetzen, warum sie aber höher sind als in allen Umlandgemeinden, dafür gab es keine Erklärung. „Man könne die Kosten nicht vergleichen“, behauptete Keller, dafür seien die Gegebenheiten zu unterschiedlich, behauptete Keller. Gemeinderat Hans-Joachim von Zahn (Bürger für Käbschütztal) widersprach: „Bei jeder Dienstleistung können Preise und Kosten verglichen werden. Warum soll das bei der Kinderbetreuung nicht möglich sein?“

Die hohen Kosten wurden unter anderem damit begründet, dass der Personalschlüssel vom Freistaat Sachsen erhöht wurde. Es ist also mehr Personal nötig. Dieses Problem haben aber alle Betreiber von Kindereinrichtungen. Dennoch sind sie günstiger als die Johanniter.

Weil die Einrichtungen in Käbschütztal gut ausgelastet seien und auch die Betreuungszeiten anstiegen, erhöhten sich ebenfalls die Personalkosten, so Keller. Auch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn gleichzeitig erhöhen sich im Gegenzug die Elternbeiträge und die Kosten, welche die Gemeinde zu zahlen hat. Sachkosten entstünden auch durch Investitionen in die Gebäude. Zumindest für Barnitz trifft dies nicht zu. Das Gebäude gehört der Gemeinde, während es für das Grundstück in Löthain einen Erbbaupachtvertrag über insgesamt 35 Jahre gibt. „Natürlich investieren wir nicht in fremdes Eigentum“, gibt Keller auf Nachfrage zu.

Bezahlung ist kein Argument

Ein Grund für die hohen Kosten sei auch, dass die Johanniter ihre Angestellten ordentlich bezahlen würden. Der Tarifvertrag sei an den des öffentlichen Dienstes angelehnt. Der sieht „Erfahrungsstufen“ vor. Je länger eine Erzieherin beschäftigt ist, desto mehr Geld verdient sie. Doch auch das ist kein Argument, das höhere Kosten begründet. In Lommatzsch, Diera-Zehren oder Niederau beispielsweise sind die Erzieherinnen in der Gemeinde angestellt, werden also mindestens so entlohnt wie in Käbschütztal. Dennoch ist es dort günstiger.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Johanniter eine große Verwaltung mitfinanzieren, wenngleich Keller das dementiert. „Wir haben keine aufgeblähte Verwaltung, werfen kein Geld zum Fenster raus, wir produzieren keine Kosten, die nicht notwendig sind. Mit den Kindertagesstätten verdienen wir kein Geld“, sagt er. Allerdings beschäftigen die Johanniter Fachberater, die auch dann tätig werden, wenn es um Kindswohlgefährdung geht. Dies freilich ist eine originäre Aufgabe der Jugendämter.

Vertrag kündigen?

Theoretisch hätte die Gemeinde die Möglichkeit, den Vertrag mit den Johannitern zu kündigen und sich nach einem günstigeren Anbieter umzusehen. Praktisch ist das nicht vorgesehen. „Das haben wir auf keinen Fall vor. Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit der Johanniter, haben vollstes Vertrauen“, so Bürgermeister Uwe Klingor (CDU).

In anderen Gemeinden sieht man das anders. So hat sich die Stadt Lommatzsch schon vor Jahren von einem freien Träger verabschiedet. Damals wurden die Kindereinrichtungen vom Kinderverein Lommatzsch betrieben. Als die ehrenamtliche Geschäftsführerin aufhörte und der Nachfolger eine feste bezahlte Stelle einforderte, zog die Stadt die Notbremse. Seitdem betreibt sie ihre Einrichtungen wieder selbst und ist trotz großer Investitionen deutlich günstiger als Käbschütztal. Auch in Diera-Zehren wird die Idee immer mal wieder thematisiert, die Kindereinrichtungen einem freien Träger zu übergeben. Doch man entschied sich dagegen. Die Erfahrungen anderer Gemeinden hätten gezeigt, dass man dadurch nicht besser komme, hieß es. Unschwer zu erraten, wen man damit wohl auch meinte.