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Teure Rosen vom Grab geklaut

Lieber edle Gärtnerblumen als Billigware. Hinterbliebene greifen für tote Angehörige oft tief in die Tasche. Umso größer der Schmerz, wenn der Schmuck verschwindet.

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Von Daniela Pfeiffer

Hat sich da jemand auf sehr unehrenhafte Weise Blumen für seine Liebste beschafft? Diese Theorie geht Frau Besser nicht mehr aus dem Kopf. Denn just einen Tag vor dem Valentinstag sind vom Grab ihrer Mutter auf dem Städtischen Friedhof frische Blumen verschwunden. „Fünf schöne rosa Rosen, ich hatte sie extra beim Gärtner geholt. Da sind sie auch nicht gerade billig“, sagt die Görlitzer Rentnerin, die ihren vollständigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Sie will nicht, dass jemand nachvollziehen kann, wo sie wohnt, und ihr vielleicht noch Ärger macht. Weil es aber nicht das erste Mal war, dass vom Gemeinschaftsgrab der Mutter Blumen verschwinden, hat sie sich in ihrer Empörung jetzt doch an die Zeitung gewandt. Der Verdacht, dass sich jemand wirklich das Geld für den Gärtner gespart und seine Liebste beschenkt hat, ist ihr allzu ungeheuerlich. „Wie moralisch verdorben muss man dafür sein“, fragt sie. „Wenn es so war, hoffe ich, dass die Beschenkte das vielleicht liest und es dann wenigstens einen Ehekrach gibt.“

Aber wie will man es ganz sicher wissen? Rosa Rosen sind nichts Ungewöhnliches. Sicher haben Dutzende Männer so einen Strauß am Valentinstag verschenkt. Das Problem, es jemandem nachzuweisen, treibt auch Gunther Weinert von der Friedhofsverwaltung um. „Wir haben ja sogar schon einige Male verdächtige Leute beobachtet, aber wenn man nicht genau den Moment erwischt, in dem sie stehlen, ist es kaum nachzuweisen“, sagt er. Neu ist das Problem ganz und gar nicht. Das kann Weinert mit Sicherheit sagen, wo er doch schon seit 20 Jahren auf dem Friedhof arbeitet. „Das gab es schon immer, sogar schon, seit der Friedhof existiert. Das wissen wir von alten Notizen.“

Jetzt im Frühjahr – mit dem weichenden Frost – nimmt das Problem des Blumen- und Grabschmuckdiebstahls wieder zu. Vor allem große, schöne Sträuße, wie man sie zu runden Geburtstagen oder zum Todestag hinstellt, sind „beliebt“. Da würden schon die „besten Happen rausgesucht“, sagt Gunther Weinert. Viele Angehörige rufen dann in der Friedhofsverwaltung an, um sich zu beschweren. Doch die kann da nicht viel ausrichten, verweist stattdessen immer an die Polizei. Aber wegen fünf Rosen eine Anzeige aufzugeben, das ist Frau Besser dann doch zu dumm gewesen. „Wir haben Garageneinbrüche, alles Mögliche in der Stadt, damit hat die Polizei genug zu tun“, sagt sie. Bekannte von ihr stellen nun schon gar keine teuren Blumen mehr aufs Grab.