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Teurer Winterdienst

Obwohl kaum Schnee fällt, kann Altenberg nicht beim Räumen und Streuen sparen. Im Gegenteil. Woran liegt das?

© Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Altenberg. Der Winter überrascht in diesem Jahr immer wieder, zuletzt den Altenberger Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler). Der Rathauschef hat die Ausgaben zurzeit besonders fest im Blick, damit es am Ende keine böse Überraschung gibt. Denn der eine oder andere Posten ist schon teurer geworden als geplant. Das hat vor allem mit den Baupreisen zu tun, die in den vergangenen Monaten stark gestiegen sind. Nun stellte Kirsten fest, dass auch noch die Ausgaben für den Winterdienst in die Höhe schnellen.

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Nachdem bereits im vergangenen Jahr der Etat um 41 000 Euro überschritten wurde, ging es im neuen Jahr gleich weiter. „Dabei hat es doch im Januar kaum geschneit“, sagte er und informierte über die finanziellen Auswirkungen den Stadtrat. Rund 51 000 Euro hat die Stadt im Januar ausgegeben, um Straßen, Wege und Plätze in der Gebirgsregion von Schnee und Eis freizuhalten. Das ist immerhin rund ein Fünftel des Jahresbudgets für den Winterdienst und gibt Anlass zur Sorge. Denn das Jahr hat gerade erst begonnen. Keiner weiß, was noch bis April kommt. Es ist im oberen Osterzgebirge keine Seltenheit, dass sich bis weit in den Frühling hinein der Winter zieht, der dann noch mal richtig aufdreht, wenn ihn kaum noch einer haben will. Zur Erinnerung: Die letzten Schneerekorde fielen im Monat März. Das Geld für den Winterdienst – die Stadt Altenberg plant jedes Jahr 250 000 Euro ein – muss aber auch noch für das vierte Quartal reichen. Manchmal kommt der Winter schon im Oktober.

Vor diesem Hintergrund hat die Verwaltung nun noch mal mit der Winterdienst-Mannschaft gesprochen. Elf Mitarbeiter vom städtischen Bauhof sind im Einsatz. Damit sie die Arbeit schaffen, werden sie von zehn Firmen unterstützt. Schließlich müssen rund 115 Kilometer Gemeindestraßen, 12 Kilometer Fußwege und 24 Parkflächen sowie Plätze von Schnee und Eis beräumt werden. „Die meisten Unternehmen fahren schon seit der Wende für uns Winterdienst und sind erfahren“, sagt Frank Gössel von der Stadtverwaltung. Nichtsdestotrotz wurden sie nun noch einmal sensibilisiert, nur dann auszurücken, wenn es unbedingt notwendig ist. „Es soll auf jeden Fall nicht mehr Geld gebraucht werden als geplant“, so Gössel „Es muss auch noch für November und Dezember reichen.“

Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen und die Stadt die Kontrolle behält, werden die erbrachten Leistungen jetzt wöchentlich abgerechnet. Schwerpunktmäßig sind – so sehen es auch die gesetzlichen Regelungen vor – Geh- und Schulwege, steile Abschnitte und Kurvenbereiche zu räumen. „Das funktioniert jedoch im Gebirge oft nicht“, sagt Gössel. Der Winter hält sich nicht an Paragrafen und auch nicht an Uhrzeiten. Damit die Pendler pünktlich zur Arbeit und die Kinder zur Schule kommen, rücken die Winterdienstler oft schon 5.30 Uhr aus. „Wir haben ja viele Strecken und nicht bloß drei.“ Das treibt natürlich die Kosten.

„Wir hatten dieses Jahr zwar wenig Schnee“, erläutert Frank Gössel, „dafür Schnee- und Eisglätte.“ Die Folgen: Die Streufahrzeuge mussten öfter raus und haben auch mehr Salz und Splitt verbraucht im Vergleich zum Vorjahr. Und da gab es einen richtigen Winter mit ordentlich Schnee. Streureserven seien noch vorhanden, doch diese Witterungsbedingungen machen Gössel zufolge den Winterdienst teuer. Wenn es schneit, sei der Aufwand niedriger. Dann wird die Bahn freigemacht, und der Verkehr kann rollen. Anders ist das bei Glätte. „Scheint tagsüber die Sonne, taut es, das Wasser läuft ab und gefriert nachts. Dann müssen wir immer wieder raus“, erläutert Gössel das Problem. Dazu komme, dass die Wetterverhältnisse lokal sehr unterschiedlich sind. „Das kann man pauschal nicht beurteilen, das muss man ständig vor Ort klären.“ Das heißt zum Beispiel, auf dem Erzgebirgskamm schneit es, da scheint in Schellerhau die Sonne, und in Lauenstein verwandeln sich Straßen und Wege in Rutschbahnen.