merken

Teures Schützenhaus

Würde das Haus privat betrieben, wäre es schon längst pleite, sagt der scheidende Geschäftsführer. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

© Gerhard Schlechte

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Die gute Nachricht zuerst: Die Schützenhaus Lommatzsch GmbH hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 53 000 Euro gemacht, rund 6 000 Euro mehr als 2014. Und jetzt die schlechte: „Das sind Zahlen, mit denen man ein solches Haus nicht erhalten kann“, sagt Professor Benno Schneider, als er die Jahresbilanz vorstellte. Es war das letzte Mal. Zu Ende 2015 legte er seine Tätigkeit als Geschäftsführer nieder.

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Nur noch eine leere Hülle

Die Verluste, die das Haus einfährt, sind immens, auch wenn sie mittlerweile im Wesentlichen aus Abschreibungen resultieren. In den vergangenen Jahren wurden rund 65 000 Euro in das Haus investiert. Für dieses Geld wurde unter anderem der große Saal renoviert, eine Akustikdecke eingebaut. Eine Wischmaschine wurde vor zwei Jahren angeschafft, auf der Bowlingbahn ging ein Monitor kaputt, der ersetzt werden musste. Auch eine neue Kasse war notwendig, weil es seit diesem Jahr neue gesetzliche Regelungen gibt. „In der Stadt wurde ja verbreitet, dass für die Sanierung des Hauses 100 000 Euro ausgegeben wurden. Wer so etwas behauptet, macht das entweder aus Dummheit oder aus Böswilligkeit“, sagt Schneider, der seine Verärgerung darüber kaum verbergen kann.

Für das vergangene Jahr wurde von vornherein mit einem Verlust von 93 000 Euro geplant. Tatsächlich waren es sogar 97 000 Euro. „Rechnet man die 2 000 Euro, die wir wegen des milden Winters vom Energieversorger zurückerstattet bekamen, so haben wir unser Ziel fast erreicht“, so Schneider. Dennoch bleibt das Schützenhaus auf lange Zeit ein Zuschussgeschäft. Zumal ja auch noch 725 000 Euro an Krediten zurückgezahlt werden müssen. Im Vorjahr wurden 10 000 Euro Schulden getilgt. „Daran sieht man, dass das Schützenhaus die Stadt noch über viele Jahre beschäftigen wird“, so der scheidende Geschäftsführer.

Die Verluste gleicht die Stadt als alleiniger Gesellschafter aus. Seit diesem Jahr hat sie das gesamte Haus gemietet, zahlt quasi Miete an sich selbst. Dafür kann sie auch die Einnahmen aus der Verpachtung der Säle, der Bar und der Bowlingbahn behalten. Auch die Personalkosten sinken, weil der Geschäftsführer, der für seine Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung erhielt, wegfällt. Die neue Geschäftsführerin ist jetzt Angestellte der Stadt. Die Schützenhaus GmbH ist quasi nur noch eine leere Hülle. Dieser Hülle schießt die Stadt pro Jahr rund 125 000 Euro zu. Dabei soll es auch jetzt bleiben, 2006 waren es noch 220 000 Euro. Um die Verluste aufzufangen, bediente man sich eines legalen buchhalterischen Tricks. Das Stammkapital der Gesellschaft wurde jetzt auf die nur noch unbedingt notwendigen 25 000 Euro heruntergesetzt. Damit stehen rein rechnerisch 475 000 Euro zur Verfügung, um die Verluste der kommenden Jahre auszugleichen. Diese betragen nach Abzug der Mietzahlungen jährlich rund 45 000 Euro.

Das Schützenhaus, das frühere „Volkshaus“ wurde in den Jahren 1999 und 2000 umfassend saniert. Die Stadt gründete vor neun Jahren die Schützenhaus GmbH aus einer finanziellen Notlage heraus, wie die Bürgermeisterin sagt. Dabei musste sie die Bürgschaft für die laufenden Kredite übernehmen. „Das war die schwierigste Unterschrift meines Lebens“, bekennt Anita Maaß. Den erfahrenen Ökonomen und Finanzfachmann Benno Schneider als Geschäftsführer zu gewinnen, sei ein Glücksfall gewesen. Der sah das wohl ein bisschen anders. „Ich bin da reingerutscht. Es war nicht mein Wunsch, nicht mein Traum“, sagt er rückblickend.

Neue Ideen sind gefragt

Für die Bürgermeisterin hat das Haus jetzt wieder seinen eigentlichen Zweck: „Es ist ein Bürger- und Vereinshaus, wird vom Keller bis zum Dach mit Leben erfüllt“, sagt sie. Doch zumindest für Benno Schneider ist das noch nicht genug. „Nutzen Sie das Haus noch mehr auch für Familienfeiern, damit noch mehr Leben einzieht“, appelliert er an die Lommatzscher. Und auch eines ist für ihn sicher: „Es müssen neue Ideen kommen.“