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Tharandt bremst Raser aus

Eine neue Anzeige misst das Tempo von Autofahrern in der Stadt – mit wichtigen Erkenntnissen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Tharandt. Die Tharandter wollen Raser im Stadtgebiet ausbremsen. Dazu hat die Stadt eine Geschwindigkeitstafel gekauft, die nun erstmals von der Arbeitsgruppe Verkehr getestet wurde. Von Juli bis September wurde auf der Wilsdruffer Straße am Ortseingang Tharandt gemessen, mit welchem Tempo der Verkehr in die Stadt rollt und vor allem, ob die Tafel, die jedem Autofahrer sein Tempo anzeigt, auch Auswirkungen auf sein Fahrverhalten hat.

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Das Besondere daran: Die Geschwindigkeit der Autofahrer wurde auch gemessen, wenn die Anzeige aus war. Der Standort, an dem die Geschwindigkeiten gemessen wurden, ist zudem mit Bedacht gewählt. Hinter dem Ortseingang Tharandt befindet sich die örtliche Grundschule, unweit davon auch die Stadtmitte. Deshalb wurde der Verkehr zunächst auf der Wilsdruffer Straße stadteinwärts ins Visier genommen. Auf der Sitzung des Stadtrates am Donnerstagabend stellte Manfred Oswald (SPD) erste Erkenntnisse vor, die aus der neuen Anzeigetafel gewonnen wurden.

Fakt 1: Es gibt zu viele Raser auf der Wilsdruffer Straße

Rund 3 500 Fahrzeuge in Richtung Forststadt registrierte die Anzeige pro Tag, sonntags weniger, wochentags mehr. Während der Umleitung des Verkehrs, die im Juli durch die Vollsperrung der B 173 notwendig war, wurden sogar bis zu 5 000 Fahrzeuge pro Tag gemessen. Über die Hälfte der Autofahrer fuhr schneller als das ortsüblich zugelassene Tempo 50. Zwei Fahrzeuge rasten sogar mit über 90 Stundenkilometern in den Ort.

Fakt 2: Die Messtafel zeigt bei Temposündern Wirkung

Autofahrer, die sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten, bekommen dies auf der Anzeige mit roter Signalfarbe quittiert. Die Folge: Viele Autofahrer bremsen ab. Exemplarische Daten, die vorerst über einen Zeitraum von zwei Wochen ausgewertet wurden, zeigten, dass etwa die Hälfte derer, die zu schnell waren, ihre Geschwindigkeit angepasst haben. „Das ist ein gutes Ergebnis“, resümiert Manfred Oswald. Auf durchschnittlich 44 km/h bremsten die Autofahrer ab. Lediglich zwölf Prozent der Fahrzeuge fuhren trotz Anzeigetafel mit über 55 km/h in Richtung Stadtmitte. Gezeigt habe die Auswertung auch, dass Tempo 50 tagsüber am ehesten eingehalten wird. „Gerade am Vormittag sind die Menschen einsichtig und passen ihre Geschwindigkeit an“, sagt er. Die „Frühschicht“ fahre dagegen mit durchschnittlich 68 km/h am schnellsten.

Fakt 3: Die Messtafel soll auch andernorts Schnellfahrer ausbremsen

Die positiven Effekte, welche die Geschwindigkeitstafel auf das Fahrverhalten hat, sollen auch andernorts genutzt werden. Aktuell ist die Messtafel im Ortsteil Grillenburg angebracht. Entlang der Hauptstraße drücken vor allem Biker gehörig aufs Gaspedal. Bevor die Motorradsaison endet, soll die Situation vor Ort überprüft werden. Außerdem wollen die Tharandter alle Raser auf der Heinrich-Cotta-Straße in Kurort Hartha ausbremsen, um für mehr Sicherheit vor der örtlichen Grundschule zu sorgen. Auch auf der Pienner Straße in Tharandt soll die Messtafel aufgestellt werden. Hier soll zudem der Straßenverkehrslärm gemessen werden.

Wer Hinweise zu potenziellen Raserstrecken hat, an denen die Messtafel aufgestellt werden könnte, kann sich an die AG Verkehr wenden. Das Gerät müsse an einem Mast angebracht werden, dessen Durchmesser nicht größer als 18 Zentimeter ist. Nachdem bisher die Mitglieder der Arbeitsgruppe die Messtafel errichtet und ausgewertet haben, soll das Gerät künftig vom städtischen Bauhof an die einzelnen Straßen versetzt werden. „Es ist sinnvoll, die Standorte öfter zu wechseln“, erklärt Manfred Oswald. Andernfalls setze schnell ein Gewöhnungseffekt ein.

Informationen im Internet