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Teure Hörsaal-Sanierung in Tharandt

Ein Wasserschaden kostet mehr als 660.000 Euro. Nach zwei Jahren ist der Judeich-Bau endlich wieder offen, aber trotzdem nur eingeschränkt nutzbar.

Der Hörsaal im Tharandter Judeich-Bau musste nach einem Wasserschaden saniert werden.
Der Hörsaal im Tharandter Judeich-Bau musste nach einem Wasserschaden saniert werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Es ist schon ein bisschen verhext: Der mit mehr als 200 Plätzen größte Hörsaal der Fachrichtung Forstwissenschaften der TU Dresden in Tharandt ist endlich saniert – und steht dennoch meistens leer. Nach einem Wasserschaden war der J1 im Judeich-Bau an der Pienner Straße fast zwei Jahre lang gesperrt. Und nun ist er wegen der staatlichen Verbote im Zuge der Corona-Pandemie nur eingeschränkt nutzbar. „Nach dem für uns gültigen Sicherheitskonzept dürfen nur maximal zwei Personen in einer Reihe sitzen“, sagt Stephan Bonn, Sprecher der Fachrichtung.

Vorlesungen im Hörsaal könnten so vor höchstens 28 Studenten stattfinden, sind derzeit aber ohnehin nicht vorgesehen. Die gesamte Technische Universität führt seit Mitte März wegen der staatlichen Restriktionen die meisten Lehrveranstaltungen nur noch als Fernstudium durch. Daran soll sich bis zum Ende des Sommersemesters auch nichts ändern. Insofern hätte die Sanierung des Hörsaales nun auch noch ein Vierteljahr länger dauern können. Andererseits kommt die Größe des Raumes der Fachrichtung bei der Einhaltung der Abstandsregeln bei Klausuren entgegen.

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Bei einem Versuchsaufbau im angrenzenden Praktikumsraum hatte sich im Juni 2018 unbemerkt ein Schlauch gelöst. Eine ganze Nacht lang floss Wasser über den Fußboden ungehindert in den Hörsaal, der sich auf der gleichen Ebene befindet. Als Hausmeister Ingo Flegel am nächsten Morgen den Raum aufschloss, stand das Wasser schon zentimeterhoch im Hörsaal und hatte dort sein zerstörerisches Werk getan.

Mehr als 660.000 Euro Sanierungskosten

Um den Raum wieder nutzbar zu machen, kam nach Ansicht von Fachleuten eine einfache Trocknung nicht mehr infrage, weil dieser schon zum dritten Mal nach 2002 und 2013 unter Wasser stand. Diesmal musste alles raus, die gesamte Bestuhlung, die Technik, Teile der Wandverkleidung, der Estrich. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) schätzte den Schaden im Januar 2019 auf rund 200.000 Euro und versprach die Wiedereröffnung für April 2019.

Beides musste das SIB mehrfach korrigieren. Im Juli 2019, als die Sanierung noch immer nicht begonnen hatte und Studenten für die baldige Wiedereröffnung des Hörsaales demonstrierten, war bereits von 450.000 Euro die Rede. Letztlich, teilt SIB-Presseprecher Alwin-Rainer Zipfl auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung mit, belaufen sich die Gesamtkosten für die Sanierung des Hörsaales und des Vorbereitungsraumes auf rund 662.000 Euro einschließlich Daten- und Medientechnik. Und das ist noch nicht das Ende vom Lied: Der Praktikumsraum, aus dem das Wasser in den Hörsaal floss und nun eine Ablaufrinne hat, befindet sich noch in der Fertigstellung und soll im Oktober übergeben werden.

Die Vorlesungen für die Stundenten fanden in Ermangelung eines ausreichend großen Saales in der Stadt Tharandt zunächst in den Ballsälen Coßmannsdorf statt, die mit der S-Bahn gut zu erreichen sind. Weil dort aber auch gebaut werden sollte, stand dieses Interim ab Oktober 2019 nicht mehr zur Verfügung. Das SIB ließ deshalb ein beheizbares Zelt neben dem Judeich-Bau aufstellen, das bis zum Ende des Wintersemesters genutzt wurde. Dann kamen die staatlichen Corona-Verbote, die der lange erwarteten Wiederinbetriebnahme des Hörsaales J1 Ende Mai die Schau gestohlen haben.

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