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Tharandt reißt Wartehäuschen ab

Ein alter Holzunterstand ist schon weg. Weitere sollen folgen. Ersatz gibt es allerdings noch nicht.

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© Andreas Weihs

Von Stephan Klingbeil

Tharandt. Mehr als ein Jahrzehnt trotzte das hölzerne Buswarthäuschen an der Haltestelle Gasthaus in Spechtshausen Wind und Wetter. Jetzt ist es weg. Inzwischen klafft dort, zwischen Glasmüll-Containern und Telefonsäule, eine Lücke. Für den Aushang, der einst im Innern des Häuschens über Ortschaftsratstreffen und mehr informiert hatte, wurde gleich nebenan mit einer Hinweistafel Ersatz geschaffen. Für den Unterstand selbst jedoch nicht. Noch nicht. Denn laut der Tharandter Verwaltung werden noch mehr Häuschen als das am Gasthof im Ortsteil Spechtshausen weichen müssen. Die Stadt überprüft derzeit alle Buswartehäuser im Stadtgebiet. „Die Überprüfung erfolgt laufend im Rahmen der Instandhaltung und Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Rathaussprecher Alexander Jäkel. Für die kommenden Haushaltsplanungen bewertet die Stadt aber „gezielt alle Standorte“ in Tharandt und Ortsteilen. „Wir prüfen, ob Ersatz beschafft werden muss“, sagt Jäkel weiter. Mögliche Reparaturkosten und Neuanschaffungen werden nun gegeneinander abgewogen.

Kritik an Abbau

Insgesamt gibt es dem Sprecher zufolge im Stadtgebiet 16 Buswartehäuschen, in Tharandt drei, in Grillenburg eines, in Kurort Hartha sechs, in Fördergersdorf drei, in Pohrsdorf und Großopitz jeweils eines – genauso wie in Spechtshausen. In Fördergersdorf soll an der Tharandter Straße Ersatz her. Ebenfalls im kommenden Jahr ist geplant, an der Roßmäßlerstraße in Tharandt, dort wo sich die ehemalige Post befindet, ein Wartehäuschen aufzubauen. Der Bedarf dafür ist laut Ortsvorsteherin Milana Müller vorhanden. Jetzt werde geprüft, was an dem Standort machbar wäre.

In Spechtshausen soll hingegen auch das weitere Holzhäuschen an der Bushaltestelle Forstamt an der Landbergstraße/Mühlweg weg – allerdings nicht ersatzlos. Der Holzunterstand dort ähnelt dem bereits abgerissenen Häuschen am Gasthof in Spechtshausen. „Wegen irreparabler Schäden und Verkehrssicherheitsgründen“ hat der Bauhof das Häuschen am dortigen Wendeplatz abgebaut. Wie es vor Kurzem im Ortschaftsrat in Kurort Hartha hieß, habe das Holzgebäude zeitweise angebunden werden müssen, damit es nicht umfällt.

Die Situation der Wartehäuschen verärgert auch manchen Einwohner. Sie sehen das anders als der Bauhof. Rolf Mögel stellte zum Beispiel bei der vergangenen Sitzung des Ortschaftsrats in Kurort Hartha infrage, ob der Abriss überhaupt notwendig war. „So geht man doch nicht mit dem Gemeindeeigentum um“, kritisiert er. Es hätte bestimmt Alternativen gegeben. „Wer entscheidet, ob etwas baufällig ist oder nicht?“

Ortsvorsteher André Kaiser und sein Stadtratskollege Ulrich Pietzarka (beide FWG) verteidigten den Abriss. „Das sind keine dauerhaften Lösungen“, erklärt Kaiser. „Eigentlich hätten sie regelmäßig gepflegt und alle ein oder zwei Jahre neu gestrichen werden müssen.“ Doch das sei vor allem vom Personal her sehr aufwendig. Der Harthaer Reiner Grahl, der früher beim Bauhof tätig war, habe einst mehrere Wartehäuser aus Fichtenholz in Eigenregie gebaut. Der Grund: Die alten massiven Beton-Unterstände aus DDR-Zeiten mussten weg – wegen Grundstücksstreitigkeiten, erklärt Kaiser. Sofern es nicht weitere Probleme dahingehend gäbe, würden die jetzigen Beton-Wartehäuschen bleiben, anders als die hölzernen Buswartehäuschen.

Langfristig müssten sie ersetzt werden, betont Kaiser. Im Gespräch sei, dass man Wartehäuschen aus Glas und Metall an ihrer statt aufstellt. Also ebenjene Modelle, die man auch oft in anderen Orten sieht. Bei diesen Häuschen, die es auch in Tharandt gibt, seien die Wartung und Instandsetzung nicht so aufwendig. Anders als dort ist aber für die weiteren Ersatzbauten auf dem Gebiet der ehemals eigenständigen Gemeinde Kurort Hartha eine grüne statt rote Lackierung für die Unterstände angedacht. „Das passt besser zum ländlichen Charakter hier“, erklärt Kaiser. Fest steht allerdings auch hierbei noch nichts.