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Tharandt und Wilsdruff machen gemeinsame Sache

Beide Städte müssen Schulen, Kitas und Wohnungen bauen. Ein neuartiges Förderprogramm soll dabei helfen.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Tharandt/Wilsdruff. Immer, wenn in Ratssitzungen und Expertenrunden die Rede auf Wilsdruffs Entwicklung kommt, zeigen die Kurven in den Grafiken meist in eine Richtung: nach oben. Zuzug, Bevölkerungsentwicklung, Geburtenrate, Gewerbeansiedlung, Steuereinnahmen – die Stadt ist der Musterknabe unter den hiesigen Kommunen. Nicht ganz so prosperierend ist dagegen der Werdegang von Tharandt. Zwar leben hier die zufriedensten Einwohner, wie eine SZ-Umfrage 2014 ergab. Auch hat Tharandt einen leichten Bevölkerungszuwachs. Doch die großen Gewerbeansiedlungen sind in der Forststadt nie erfolgt, Investitionen müssen gut überlegt sein. Nun wollen beide – das finanzkräftige Wilsdruff und das eher bescheidene Tharandt – an eine neue Geldquelle heran.

Schritt 1: Die zwei Städte müssen sich finden

Seit Mitte der Neunzigerjahre hat sich Wilsdruff mit Geld aus dem Förderprogramm für die Stadtkernsanierung herausgeputzt. Damit wurden Straßen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude saniert. Unterstützung gab es auch für Neubauten wie Kindergärten und Turnhallen. Nun läuft das Förderprogramm aus. Alternativ möchte Wilsdruff an ein anderes Förderprogramm vom Freistaat andocken.

Das nennt sich „Kleine Städte und Gemeinden“. Ziel ist, dass benachbarte Kommunen gemeinsam Projekte umsetzen. Damit lassen sich Synergieeffekte erzielen. Zudem kann das Geld zielgerichtet so eingesetzt werden, dass für beide Kommunen die Kosten gering sind. Denkbar sind Bildungseinrichtungen, Sport- und Freizeitmöglichkeiten, medizinische Versorgung, Einkaufsmöglichkeiten, Kulturangebote, Kinderbetreuung, Wohnraum.

Schritt 2: Wilsdruff braucht ein Stadtentwicklungskonzept

Voraussetzung dafür, überhaupt an dem neuen Förderprogramm teilzunehmen, ist ein Stadtentwicklungskonzept. Darin wird die Entwicklung einer Stadt abgeschätzt und analysiert, wie die Infrastruktur angepasst werden muss. Tharandt hat ein solches Konzept schon länger und überarbeitet es gerade. „Hierbei stehen für Tharandt die Maßnahmenbereiche Bildung, demografischer Wandel, Brandschutz und Wasserwehr sowie die Naherholung und Umweltbildung im Fokus“, teilt Stadtsprecher Alexander Jäkel mit. Wilsdruff muss das Papier erst noch anfertigen lassen. Hauptaugenmerk wird dabei vor allem auf die soziale Infrastruktur gelegt.

Schritt 3: Bestandsaufnahme machen, Zukunftsvisionen zu Papier bringen

Tharandt und Wilsdruff müssen für das Förderprogramm eng zusammenarbeiten und sich gut abstimmen. In Zeiten knapper werdender Finanzmittel wird es kein Gießkannenprinzip mehr geben, also keine gleichmäßige Verteilung von Fördergeld über jede Gemeinde. „Es kann und muss ja auch nicht jeder alles vorhalten“, erläutert Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) die neue Philosophie. Vielmehr gehe es darum, in beiden Städten zusammengenommen gute Angebote zu entwickeln oder Vorhandenes auszubauen. Aus Wilsdruffer Sicht betrifft dies zum Beispiel Kindergartenplätze, aber auch altersgerechten Wohnraum für die älter werdende Bevölkerung. Und da wäre noch das Thema Gymnasium, dass in der Region dringend gebraucht wird, auch für Tharandts Kinder. Wilsdruff will es bauen, die Kosten werden auf etwa 18 Millionen Euro geschätzt. Auch in diesem Fall könnte die Stadt von dem neuen Programm profitieren.

Schritt 4: Grenzübergreifende Ideen entwickeln

Noch steckt das gemeinsame Konzept in den Kinderschuhen. Zunächst gilt es, eine Potenzialanalyse durchzuführen. Betrachtet werden soll, welche schon vorhandenen oder auch geplanten Einrichtungen von den Einwohnern beider Städte genutzt werden. Diese können dann gezielt weiterentwickelt und somit gefördert werden. Beide Städte wollen nun in den kommenden Wochen an ihrem Konzept feilen und Schlüsselprojekte definieren. Diese werden dann in einem gemeinsamen Maßnahmekonzept festgehalten. Und egal was am Ende auf der Liste steht – Tharandt und Wilsdruff werden enger zusammenrücken.