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Tharandt will eigenen Weg gehen

Laut Regionalplan ist die Stadt zu klein für eine eigenständige Entwicklung. Die Tharandter sehen das ganz anders.

© Andreas Weihs

Von Verena Schulenburg

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Tharandt. Wie will sich Tharandt entwickeln? In jedem Fall eigenständig und selbstbewusst. Geht es nach dem Regionalen Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge, gehört die Forststadt allerdings nicht zu den aufstrebenden Orten. Tharandt sei als einfache Kommune zu betrachten und dem Zentrum Kreisstadt Freital zuzuordnen. Das war in der Vergangenheit so, und so soll es laut dem neuen Planentwurf, der aktuell erarbeitet wird, auch bleiben.

Ansichten, mit denen die Tharandter keineswegs einverstanden sind. Sie wollen nun dafür kämpfen, dass ihre Stadt künftig als Grundzentrum anerkannt wird. Ähnlich wie Wilsdruff, Klingenberg, Glashütte oder Heidenau. Der Grund: „Mit dem Plan werden die Weichen gestellt für die weitere Entwicklung von Tharandt“, erklärte Manfred Oswald (SPD) jüngst im Stadtrat die Bedeutung des kommunalen Status. Sollte Tharandt als Grundzentrum ernannt werden, könnte der Forststadt in Sachen Förderpolitik eine höhere Priorität zukommen und folglich mehr Geld für Investitionen fließen, so die Hoffnung.

Um der Stadt am Tharandter Wald zum neuen Status zu verhelfen, stimmten deshalb alle Stadtvertreter kürzlich dafür, Tharandt als Grundzentrum zu ernennen. In einer Stellungnahme beim Landkreis wurden Argumente dafür vorgetragen, die nun beim Planungsverband geprüft werden. Wann eine endgültige Entscheidung dazu fällt, ist unklar. Die SZ stellt die fünf wichtigsten Argumente vor.

Warum Tharandt sein eigenes Ding machen will

Argument 1: Tharandt ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt

„Die Infrastruktur eines Grundzentrums ist in Tharandt bereits vorhanden“, ist sich Manfred Oswald sicher, der sich maßgeblich mit dem Planenwurf des Regionalverbandes beschäftigt hat. Tharandt sei mit Bus- und S-Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt für den öffentlichen Nahverkehr. „Es halten mehr Züge als in Freital oder Klingenberg“, argumentierte er. Außerdem befinde sich die Forststadt zwischen den Verkehrsachsen Meißen, Wilsdruff und Dippoldiswalde, genauso wie zwischen Dresden, Freital und dem unteren Osterzgebirge. 2017 wurde zudem die wichtige Radverbindung zwischen Freital und Tharandt fertiggestellt. Für die Weiterführung der Trasse bis in den Wilsdruffer Ortsteil Grumbach gibt es bereits Pläne.

Argument 2: Tharandt ist ein vielseitiger Bildungsstandort
„Tharandt hat eine Breite von Bildungseinrichtungen, die sogar über ein Grundzentrum hinausgeht“, erklärte der Stadtrat. Mehrere Kitas und Tagesmütter kümmern sich um die Betreuung der Kleinsten. Eine neue Kindertagesstätte im Stadtzentrum wird demnächst gebaut. Zwei Grundschulen und ein kürzlich rundum saniertes Evangelisches Gymnasium sind Säulen der Schulbildung. Mit den Forstwissenschaften der TU Dresden beherbergt Tharandt nicht nur eine wichtige Hochschuleinrichtung, sondern ist ein Bildungsstandort mit mehr als 200-jähriger Tradition.

Argument 3: In Tharandt sind Handel, Ärzte und Gewerbe aktiv
„Tharandt ist auch ein wichtiger Einzelhandelsstandort“, gab Stadtrat Jens Heinze (Grün der Zeit) zu bedenken. Mit dem Gewerbegebiet in Kurort Hartha verfüge die Forststadt außerdem über einen wichtigen Standort für Firmen. Noch dieses Jahr will sich eine Jagdschule vor Ort niederlassen, ebenso eine Sportartikel-Firma.

Argument 4: Tharandt ist mehr als der Name Tharandt
Wichtig für die Ernennung zum Grundzentrum sind für die Stadtvertreter auch die räumlichen Bezüge. Die Gemeinde Dorfhain als Verwaltungspartner der Stadt Tharandt und Teil eines gemeinsamen Schulbezirkes sei klar Tharandt zuzuordnen und nicht Dippoldiswalde, wie es der neue Planentwurf vorsieht. Dies gelte auch für den Tharandter Ortsteil Grillenburg, der keinesfalls Bezug zu Klingenberg habe. Außerdem hat Tharandt seit 1609 das Stadtrecht.

Argument 5: Tharandt verfügt über touristisches Potenzial
Die Burg ist nicht nur ein Wahrzeichen der Forststadt, sondern seit 800 Jahren eine wesentliche Landmarke. Daher sei „der Burgberg mit Burg und die Bergkirche als wichtiges Kulturdenkmal der Region zu benennen“, bekräftigt Manfred Oswald die Bedeutung des Denkmals, für das derzeit auch weitere Nutzungsmöglichkeiten entwickelt werden. Abgesehen davon sei Tharandt mit seinen Ortsteilen bei Touristen ein beliebtes Ausflugsziel. Auch das Grillenburger Schlossensemble zieht Besucher an. Tharandts Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos) verriet zudem bereits, dass mit dem geplanten Verkauf des Areals die Bedeutung des Schlossensembles weit über die Region hinaus steigen könnte.

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