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Gerüchte um Walderlebnis Spechtshausen

Der ehemalige Sportplatz wird von Anwohnern zu einer Spiel- und Erholungsanlage umgebaut. Wurden dabei Altlasten eingelagert?

Stecken in diesen Erdhaufen Umweltgefahren? Nein, sagt die Aufsichtsbehörde.
Stecken in diesen Erdhaufen Umweltgefahren? Nein, sagt die Aufsichtsbehörde. © Annett Heyse

Die ersten Besucher sind schon da. Die beiden Jungs haben die Absperrungen ignoriert und hocken nun vor einer Pfütze, auf der sie alte Blätter und Holzstückchen treiben lassen. Hinter ihnen häufen sich riesige Erdhaufen zu einer BMX-Strecke auf. Diese künstlichen Hügel sind es, die kürzlich ins Fadenkreuz der Behörden gerieten.

Es geht um das Projekt "Walderlebnis zum Specht" im Tharandter Ortsteil Spechtshausen. Auf dem ehemaligen Sportplatz am Dorfrand entsteht derzeit eine Spiel- und Erholungsanlage. Im vergangenen Jahr wurden hier große Erdmassen angefahren und im Gelände verteilt. Dabei entstand unter anderem die Spechts-Spitze, eine Hügellandschaft zum Toben und Radfahren.

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Allerdings soll das Material nicht ganz astrein gewesen sein. Ziegelbruch, Bauschutt, Ofenkacheln und textiles Baugewebe seien mit dem Erdaushub vermischt gewesen, hieß es in einer entsprechenden Anzeige beim Umweltamt des Landkreises.

Anzeige wegen Erdaushub

Die Anzeige kommt von einem Einwohner, der anonym bleiben möchte. Er habe nichts gegen das Projekt, sagt der Mann. "Aber ich mache mir Sorgen, dass im Boden zu viel Dreck steckt, wo später Kinder spielen sollen."

Das "Walderlebnis zum Specht" ist aus der Idee einiger Anwohner gewachsen. Schon länger hegte man bei der Stadt Tharandt die Absicht, den alten Hartplatz zu einem Abenteuerspielplatz umzugestalten. Beim Spechtshausener Dorffest 2019 wurden die Ideen konkreter. Es gründete sich eine Projektgruppe, die erste Ideen zu Papier brachte.

Bereits im Dezember 2019 gab es den ersten Arbeitseinsatz und auch einen Namen für den Mehrgenerationenpark - Walderlebnis zum Specht. Die Lage ist günstig: Das Gelände liegt am Waldrand hinter dem Parkplatz, wo am Wochenende viele Ausflügler vorbei kommen. In Sichtweite befindet sich der Imbiss und nur einen Steinwurf entfernt der Ort, in dem 25 Prozent der Einwohner unter 18 Jahre alt sind.

Ab Frühjahr 2020 trafen sich die Initiatoren zu weiteren Arbeitseinsätzen. Unter anderem zog ein alter Schuppen aus dem Ort auf den Spielplatz um und soll dort als Schutzhütte dienen. Dann wurden die Erdmassen angeliefert. Sie stammen unter anderem von der Baustelle der Grundschule in Kurort Hartha. Daraufhin folgte die Anzeige.

Vor-Ort-Termin zahlreicher Behörden

Das rief die Behörden auf den Plan. Das Umweltamt des Landkreises lud zu einem Vor-Ort-Termin ein. Mit dabei waren Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, Vertreter der Stadt Tharandt, die Förster und auch Beteiligte des Spielplatz-Projektes.

Inzwischen gibt die Aufsichtsbehörde Entwarnung. "Für den Erdaushub wurden dem Umweltamt durch die Stadt Tharandt Ergebnisse von Laboranalysen vorgelegt, aus denen die Unbedenklichkeit des Materials abzuleiten war", teilt Birgit Hertzog, Leiterin des Umweltamtes mit. Im Übrigen entspreche die Wiederverwendung von Materialien den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Mit anderen Worten: Es ist gewollt und wünschenswert, wenn unbedenklicher und unbelasteter Erdaushub von Baustellen anderswo verwendet wird. Die Prüfergebnisse seien dem Anzeigenerstatter auch mitgeteilt worden, heißt es weiter.

Die Pandemie bremst das Projekt aus

Doch Zustimmung gibt es für das Bauvorhaben noch nicht endgültig. Wie es aus dem Umweltamt heißt, laufe derzeit noch ein Genehmigungsverfahren, in dem die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes Berücksichtigung finden.

"Wir können aktuell ohnehin nichts machen - wegen Corona", sagt Uwe Baboscai. Er ist stellvertretender Bürgermeister der Stadt Tharandt, wohnt in Spechtshausen und ist Projektleiter beim Walderlebnis.

Den letzten Arbeitseinsatz habe es im Herbst 2020 gegeben, seitdem ruhe das Vorhaben, berichtet Baboscai. Am weitesten vorangeschritten seien die Arbeiten im Spielplatzbereich und auf der BMX-Strecke. "Das könnten auch die Bereiche sein, die wir zuerst eröffnen. Aber wann das so weit ist, kann im Augenblick niemand sagen. Das ist alles abhängig von der Pandemie."

Uwe Babocsai leitet das Bürger-Projekt und präsentiert hier einen Plan, wie das Walderlebnis einmal aussehen soll. Das Foto entstand bei einem Arbeitseinsatz im September 2020.
Uwe Babocsai leitet das Bürger-Projekt und präsentiert hier einen Plan, wie das Walderlebnis einmal aussehen soll. Das Foto entstand bei einem Arbeitseinsatz im September 2020. © Egbert Kamprath

Unterstützung von Sponsoren

Außerdem entstehen in dem Gelände ein Ballsportbereich, ein Beachvolleyballplatz, eine Jugendecke und auch ein Ruhebereich. Um der Natur entgegenzukommen, wird zudem eine Renaturierungsfläche freigehalten. Baboscai: "Da laufen Absprachen mit der Naturschutzbehörde."

Um das Vorhaben finanziell und materiell überhaupt stemmen zu können, sind die Spechtshausener auf Spenden angewiesen. Zwar gab es Fördermittel und auch Unterstützung seitens der Stadt, doch sämtliche Arbeiten geschehen ehrenamtlich. Deshalb sind die Walderlebnis-Initiatoren froh und dankbar, dass sie auch einige Sponsoren gefunden haben.

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Nun hoffen alle, dass es die Situation bald zulässt, sich wieder zu Arbeitseinsätzen zu treffen, um wenigstens einen Teilbereich bald für die Öffentlichkeit freigeben zu können. Dann dürfen auch die zwei Jungs ganz legal ihre Blätter-Schiffchen zu Wasser lassen.

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