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Bratwurst aus dem Klappfix

Einmal in der Woche kommt Peter Hauptmann nach Bischofswerda. Mit einem ganz besonderen Mobil.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

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Bischofswerda. Alles ist selbst gemacht. Darauf ist Peter Hauptmann stolz. Beim genauen Hinsehen erkennt der Insider, dass sein mobiler Bratwurststand einmal der legendäre DDR-Klappfix war, ein Campinganhänger, aus dem man das Zelt herausklappen konnte – Fachbegriff Camptourist CT 6. Peter Hauptmann schlägt seine Zelte auf verschiedenen Märkten rund um seinen Wohnsitz Neschwitz auf. Freitags kommt er zum Wochenmarkt nach Bischofswerda.

Auf dem Seitenteil des Verkaufsanhängers prangt ein großes Foto mit einer Bratwurst vor der Kulisse des Thüringer Waldes. Denn Peter Hauptmann schwört auf die Thüringer Bratwurst. Eine andere Sorte kommt ihm nicht über den Tresen. „Ich beziehe die Bratwurst direkt von einer Thüringer Agrargenossenschaft mit angeschlossener Fleischerei“, sagt er. Nur so könne er sicher sein, dass die Wurst aus dem Fleisch von Tieren hergestellt wurde, die in Thüringen aufgewachsen sind. Und dass die Wurst nach dem originalen Rezept für Thüringer Bratwurst produziert wird.

Mit seinen 76 Jahren könnte sich Peter Hauptmann schon längst zur Ruhe gesetzt haben. Doch er sagt schmunzelnd über sich selbst: „Ich bin ein Rentner in der Pubertät!“. Das Zuhause-Sitzen sei ihm nicht gut bekommen. Er könne einfach nicht im Sessel sitzen und auf den Tod warten, wie er es formuliert. Deshalb hat er vor drei Jahren den Klappfix umgebaut und sich auf die Socken gemacht. Auch der Grill, auf dem er die Bratwürste zubereitet, ist Marke Eigenbau. Er müsse einfach jeden Morgen eine Motivation haben, aufzustehen, sagt der Rentner. Für ihn sei es wichtig, geistig und körperlich fit zu bleiben. Und auch der Humor gehöre dazu. Es sei ihm immer eine Freude, auf den Märkten mit den anderen Händlern und auch mit den Kunden herumzuflachsen.

Immer neue Ideen

Auch fallen ihm immer wieder neue Ideen ein, womit er den Kunden eine neue Gaumenfreude bieten kann. Mittlerweile gibt es bei ihm nicht nur die normal lange Bratwurst, sondern auch ein 48 Zentimeter langes XXL-Exemplar. Das wird in ein Baguette geschoben und kann – zum Beispiel von verliebten Pärchen – von beiden Seiten angebissen werden. Wer möchte, kann sich die original Thüringer Bratwurst bei ihm auch zum Selberbraten kaufen. Die gibt es eingeschweißt und geliert nach einem neuartigen Verfahren. Bratwürste dürften auf keinen Fall eingefroren werden – darauf schwört Peter Hauptmann. Dadurch würde die Qualität leiden.

Über den Tresen seines Verkaufswagens gehen außerdem Soljanka, Thüringer Rostbrätel und Kaffee. Im März will er noch eine weitere Spezialität anbieten, nämlich Mutsbraten. Was das genau ist, will er jetzt noch nicht verraten. Auf jeden Fall ist es wieder eine von Peter Hauptmanns verrückten Ideen.

Der „pubertäre Rentner“ wurde in Westpreußen geboren und kam mit seiner Mutter nach dem Krieg in die Nähe von Leipzig. Er ist Ingenieur und arbeitete im Qualitätsmanagement. Während seiner beruflichen Laufbahn kam er viel in der Welt herum und knüpfte zahlreiche Freundschaften. Diese Zeit möchte er nicht missen. Doch auch seine jetzige Tätigkeit macht ihm viel Freude. „Der Bratwurstverkauf ist mein gewerbliches Hobby“, so formuliert er es. Aber natürlich muss es sich letztlich auch rechnen. Deshalb hält er seinen Aktionsradius bewusst klein.