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Politik

Tichanowskaja fordert friedliche Aktionen

Die belarussische Präsidentenkandidatin hat nach der umstrittenen Wahl aus ihrem Exil in Litauen zu neuen friedlichen Massenaktionen aufgerufen.

Swetlana Tichanowskaja spricht Anfang August als Kandidatin der Opposition bei den Präsidentschaftswahlen in Belarus bei einem Treffen ihrer Unterstützer.
Swetlana Tichanowskaja spricht Anfang August als Kandidatin der Opposition bei den Präsidentschaftswahlen in Belarus bei einem Treffen ihrer Unterstützer. © Sergei Grits/AP/dpa

Minsk. Die belarussische Präsidentenkandidatin Swetlana Tichanowskaja hat nach der umstrittenen Wahl aus ihrem Exil im EU-Land Litauen zu neuen friedlichen Massenaktionen aufgerufen. "Lasst uns zusammen unsere Stimmen verteidigen", sagte sie in einer am Freitag über die sozialen Netzwerke verbreiteten Videobotschaft. Am Samstag und Sonntag sollten sich die Menschen in allen Städten des Landes zu friedlichen Massenversammlungen zusammenfinden. Zugleich forderte sie den Machtapparat auf, die Gewalt gegen die Bürger zu beenden und den Dialog zu beginnen. 

Fünf Tage nach der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl in Belarus erklärte die staatliche Wahlkommission den amtierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger. Das amtliche Endergebnis wurde am Freitag in Minsk veröffentlicht, wie die staatliche Nachrichtenagentur Belta berichtete. Demnach erhielt der 65-Jährige, der in der ehemaligen Sowtrepublik seit mehr als einem Vierteljahrhundert an der Macht ist, sogar noch etwas mehr Stimmen als zunächst angegeben. Lukaschenkos Gegnerin Tichanowskaja soll lediglich 10,12 Prozent bekommen haben. Die 37-Jährige geht aber davon aus, dass sie tatsächlich zwischen 60 und 70 Prozent der Wählerstimmen erhalten habe.

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Der Staatschef hat mit dem Einsatz der Armee gedroht, um sich eine sechste Amtszeit in Folge zu sichern. An seinen Sieg vom Sonntag glaube die Mehrheit der Menschen nicht, sagte Tichanowskaja.

Arbeitnehmer einer Traktorenfabrik versammeln sich in Minsk zu einer Kundgebung. Die Beschäftigten des Werks forderten Neuwahlen und forderten die Freilassung all jener, die festgenommen wurden.
Arbeitnehmer einer Traktorenfabrik versammeln sich in Minsk zu einer Kundgebung. Die Beschäftigten des Werks forderten Neuwahlen und forderten die Freilassung all jener, die festgenommen wurden. © Sergei Grits/AP/dpa

Im Nachrichtenkanal Telegram schlug sie die Gründung eines Koordinierungsrates vor, "um damit eine Machtübertragung sicherzustellen". Dem Gremium sollten Vertreter der Zivilgesellschaft, namhafte Belarussen und Fachleute angehören. "Ich erkläre, dass wir zu einem Dialog mit den Behörden bereit sind", sagte Tichanowskaja. Die Weltgemeinschaft und die EU sollten damit helfen, dass es zu diesen Gesprächen komme.

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"Die Lage ist kritisch", sagte die Kandidatin. Lukaschenko, den sie nicht beim Namen nennt, habe einen "blutigen Krieg" gegen die Bevölkerung begonnen. "Die Belarussen wollen nie mehr unter den gegenwärtigen Machthabern leben." Tichanowskaja danke ihren Unterstützern und besonders den Menschen in den Staatsbetrieben, die öffentlich auf Versammlungen gezeigt hätten, für wen sie gestimmt haben. Auf vielen Videos ist zu sehen, wie Arbeiter jubelnd die Hände in die Luft strecken bei der Frage, wer Tichanowskaja gewählt habe. Für Lukaschenko gingen kaum Hände hoch. (dpa) 

- Kampagnen-Homepage von Swetlana Tichanowskaja

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