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Politik

Tichanowskaja will Proteste anführen

Die Oppositionelle Tichanowskaja erklärt sich bereit, als Anführerin der Proteste gegen Staatschef Lukaschenko in Belarus zu fungieren.

Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja will die Proteste in Belarus anführen.
Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja will die Proteste in Belarus anführen. © Sergei Grits/AP/dpa

Minsk. Angesichts der seit mehr als einer Woche andauernden Massenproteste in Belarus (Weißrussland) will sich die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja an die Spitze der Bewegung gegen Staatschef Alexander Lukaschenko stellen. "Ich bin bereit, in dieser Zeit Verantwortung zu übernehmen und als nationale Anführerin zu handeln", sagte die 37-Jährige am Montag in einer Videobotschaft aus ihrem Exil im EU-Land Litauen. Sie hoffe, dass sich mit diesem Schritt das Land beruhige, alle politischen Gefangenen freigelassen und so bald wie möglich neue Präsidentschaftswahlen angesetzt werden könnten.

Tichanowskaja hatte Belarus aus Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder verlassen. Ihre Unterstützer sehen sie als die eigentliche Gewinnerin der Präsidentenwahl vor gut einer Woche, die von massiven Fälschungsvorwürfen überschattet war. Sie hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, als Präsidentin Neuwahlen auszurufen.

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"Ich habe und hatte keine Illusionen in Bezug auf meine politische Karriere", sagte sie. "Ich wollte kein Politikerin sein, aber das Schicksal fügte es so." Das wichtigste sei die Unabhängigkeit von Belarus. "Sie ist die Konstante, die unter keinen Umständen verloren gehen darf."

Teilnehmer einer Demonstration der belarussischen Opposition versammeln sich in Minsk und schwenken alte Nationalflaggen. Sie protestieren gegen die mutmaßlich gefälschte Wiederwahl von Präsidenten Lukaschenko.
Teilnehmer einer Demonstration der belarussischen Opposition versammeln sich in Minsk und schwenken alte Nationalflaggen. Sie protestieren gegen die mutmaßlich gefälschte Wiederwahl von Präsidenten Lukaschenko. © Dmitri Lovetsky/AP/dpa

Sie forderte in dem Video die Sicherheitskräfte und Mitarbeiter der Justiz auf, die Seite zu wechseln: "Wenn Sie sich entscheiden, keine kriminellen Befehle mehr auszuführen und sich an die Seite der Menschen zu stellen, werden diese Ihnen vergeben." 

Aufruf zu neuen Streiks

Die Gegner von Staatschef Alexander Lukaschenko in Belarus (Weißrussland) haben zu Beginn der neuen Arbeitswoche zu flächendeckenden Streiks in den Staatsbetrieben aufgerufen. Die Arbeitsniederlegungen sollen die Basis für den Machtapparat brechen - die staatlichen Betriebe gelten in der Ex-Sowjetrepublik als elementar für das Funktionieren des Staates. Die Arbeitskollektive sollten vor allem ihren Unmut über die Folter in den Gefängnissen und über die Todesfälle äußern, hieß es in den Aufrufen. 

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Am Morgen begannen bereits erste Streiks. Experten gehen davon aus, dass Lukaschenko über die Streiks am schnellsten zum Aufgeben gedrängt werden kann. Er selbst wird an diesem Montag bei dem Fahrzeughersteller MZKT erwartet, wo er die Belegschaft auf Linie bringen will. Lukaschenko hatte am Sonntag bei einer Kundgebung mit Unterstützern in einer leidenschaftlichen Rede noch einmal betont, dass er die Macht nicht hergebe. Das Staatsfernsehen zeigte die Rede am Montag erneut.  (dpa)

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