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Tief Eberhard tobt sich aus

Der Sturmspitzenwert im Elbtal lag bei 107 km/h. Großenhain und Umgebung kamen zum Glück glimpflich davon.

Radebeul: Umgestürzte Bäume zerteilen, Schienen und Straßen freiräumen, war die Hauptarbeit der dortigen Feuerwehrleute in der Montagnacht. © Feuerwehr Radebeul

Von P. Anderson, P. Zill, S. Görner, P. Redlich & T. Riemer

Elbland. Großenhains Fußballer erwischte es ziemlich heftig. Die Rückfahrt vom Punktspiel am Sonntag aus Glauchau „war schon etwas abenteuerlich“, sagt GFV-Geschäftsführer Alexander Gleis. Zwar meist mit Rückenwind, habe es aber immer wieder Windböen von der Seite gegeben. Dazu peitschenden Regen. Kein Spaß auf der Autobahn. „Aber alles gut, wir sind zu Hause angekommen“, so Gleis.

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„Friederike“ war vor gut einem Jahr mit Sturmspitzen von um die 120 km/h im Elbland noch schlimmer. Aber Sturmtief Eberhard hat am Sonntag auch gereicht. Die Meteorologen der MetoGroup haben in ihren Stationen in Riesa und Coswig auch Windmesser. Und die zeigten für Riesa 107 km/h in der Spitze, für Coswig 105 km/h an.

Am späten Nachmittag hatte „Eberhard“ dann auch Großenhain und Umgebung erreicht. Die erste Hiobsbotschaft ließ nicht lange auf sich warten. Umgestürzte Bäume hatten die Straße zwischen Zottewitz und Medessen unpassierbar gemacht, hieß es bei Facebook. 

Schlimmste Befürchtungen bestätigten sich dann aber zum Glück nicht. „Dort hatte es eine Baumkrone auf die Straße getrieben“, sagt der Priestewitzer Bauhofleiter Frank Dietrich. Gegen 22 Uhr sei die Feuerwehr ausgerückt, habe die Straße geräumt. Ansonsten blieb die Großgemeinde weitgehend unversehrt.

Ein Einsatz von vielen: Zahlreiche Bäume hat Sturmtief Eberhard in der Nacht vom Sonntag zum Montag entwurzelt. Wenn sie über Straßen lagen, musste die Feuerwehr ausrücken, um die Gefahrenstelle zu entschärfen.  © Feuerwehren im Landkreis Meißen

Überhaupt bestätigen die ersten Erkenntnisse: Die Region ist offenbar vergleichsweise glimpflich davongekommen. „An der Trauerhalle in Kraußnitz gibt es leichte Dachschäden“, so Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel. 

Am Schloss in Schönfeld seien sechs Firstziegel vom Dach geflogen. Personenschaden sei nicht entstanden, doch natürlich müssen die Dinge repariert werden. Genau dort sieht der Bürgermeister ein Problem auf die Gemeinde zukommen. „Die Baufirmen sind momentan ausgereizt“, so Weigel.

Aus dem Großenhainer Ortsteil Skäßchen kam gegen 21.30 Uhr eine betrübliche Meldung: Stromausfall. Ursache war laut Enso-Sprecherin Claudia Kuba eine Störung an einer 20-KV-Leitung zwischen Folbern und Adelsdorf. 

Neben Skäßchen waren Teile von Oelsnitz-Niegeroda, Linz, Blochwitz, Kraußnitz und Weißig von der knapp zweistündigen Abschaltung betroffen – insgesamt etwa 350 Kunden, so Claudia Kuba. Eine Reparatur für Teile von Folbern konnte erst am Montagvormittag erledigt werden.

Im restlichen Stadtgebiet von Großenhain hielt sich Eberhard erfreulicherweise zurück. „Glücklicherweise nur ein umgebrochener Mast der Basketballanlage an der 2. Oberschule und wenige Baumschäden“, fasste Rathaussprecherin Diana Schulze gestern das Geschehen zusammen.

„Im Vergleich zu Friederike haben wir diesmal Glück gehabt“, sagt Ebersbachs Gemeindechef Falk Hentschel. An einem Objekt habe es ein paar Firstziegel heruntergerissen. Die Feuerwehr sei ausgerückt, weil Bäume auf Leitungen zu stürzen drohten. Doch letztlich habe es keine Schäden an Stromleitungen gegeben. „Wir können Entwarnung geben“, so Hentschel.

Coswig, Tankstelle Dresdner Straße: Die Staubsaugersäule hatte der Sturm aus der Verankerung gerissen. Am Morgen war sie provisorisch wieder aufgestellt. © Norbert Millauer

Die Nachbargemeinde Moritzburg erwischte es wiederholt etwas schlimmer. Bereits in der Nacht zum Montag war die Moritzburger Ortswehr unterwegs, um Sturmschäden zu beseitigen. Wie Ortswehrleiter Thomas Hoppe sagt, rückten die Kameraden gegen 22 Uhr aus. Ziel war die Radeburger-/Einmündung Fasanenstraße. 

Weitere Einsätze waren beim Wildgehege, auf der Kalkreuther Straße. Zusammen mit den Reichenberger Kameraden wurden zudem umgestürzte Bäume von der Staatsstraße zwischen Moritzburg und Reichenberg entfernt. 

Gegen zwei Uhr waren die Moritzburger Feuerwehrleute wieder drin, am Montagmorgen folgten weitere Einsätze. „Bis jetzt sind es um die zehn im gesamten Gemeindegebiet.“ Bis auf zwei getroffene Telefonleitungen richteten die umstürzenden Bäume zum Glück keine weiteren Schäden an.

Über 90 Einsatzstellen hatten die Kameraden im Landkreis Meißen bis zum Sonntagabend 23.30 Uhr abgearbeitet. Das teilte Kreisbrandmeister Ingo Nestler über die Facebookseite „Feuerwehren im Landkreis Meißen“ mit. Dort postete er auch eindrucksvolle Fotos der nächtlichen Einsätze. Hauptsächlich umgestürzte Bäume seien das Betätigungsfeld der Wehren gewesen, so Nestler. 

Betroffen waren seinen Angaben zufolge bis Mitternacht 19 Städte und Gemeinden. Drei ortsfeste Befehlsstellen seien aktiviert worden: in Nossen, Coswig und Schönborn. Den Schätzungen des Kreisbrandmeisters zufolge sollten die Einsätze noch einige Stunden über die Nacht andauern. 

Nestler sprach ein großes Dankeschön an alle Einsatzkräfte und Feuerwehren aus. Auch am Montag traten noch Schäden zutage. So berichtete Kreissprecherin Kerstin Thöns am Montagmorgen vom Meißner Johannisfriedhof. Dort habe es vor allem die alten Bäume getroffen.

Die Weinböhlaer Feuerwehr war von 21.30 bis 1 Uhr im Einsatz. Ein Baum lag auf der S 81, einer auf der Forststraße, einer auf dem Parkplatz Mistschänke, wie Wehrleiter Eckhard Häßler erklärt. Auch in einer Strom- und einer Telekomleitung hingen Bäume. Zu Stromausfällen sei es jedoch nicht gekommen.