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Tiefe Trauer um Dynamo-Legende Wätzlich

Er gehörte zu den ersten Europapokal-Helden, gewann 1972 Olympia-Bronze und spielte 1974 bei der WM. Nun ist Siegmar Wätzlich gestorben. Ein Nachruf.

Siegmar Wätzlich ist im Alter von 71 Jahren in der Nacht zum Donnerstag verstorben.
Siegmar Wätzlich ist im Alter von 71 Jahren in der Nacht zum Donnerstag verstorben. © Robert Michael (Archiv)

Von Jürgen Schwarz

Fußball-Dresden trauert um Siegmar Wätzlich. Der ehemalige DDR-Auswahlspieler verstarb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 71 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Vor dem Heimspiel der SG Dynamo Dresden am Sonntag gegen den 1. FC Köln wird es eine Schweigeminute im Rudolf-Harbig-Stadion geben, der Zweitligist mit Trauerflor spielen.

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Wätzlich, in Rammenau geboren, erlebte viele Sternstunden in seiner Fußballer-Laufbahn. Dreimal gewann er mit Dynamo die Meisterschaft, einmal den Pokal. Er stand beim ersten Europapokalspiel der Dresdner 1967 gegen Glasgow Rangers auf dem Rasen, gewann 1972 mit der DDR-Auswahl Olympia-Bronze in München und war zwei Jahre später als einer von zwei Dresdnern mit Hans-Jürgen Kreische bei der Weltmeisterschaft dabei. Obwohl erst 28, beendete er 1976 seine Laufbahn. „Ich hatte mir eine Meniskusverletzung zugezogen. Eigentlich kein großes Ding“, erinnerte er sich anlässlich seines 70. Geburtstages im November 2017, „aber ich kam danach körperlich nicht mehr richtig auf den Damm.“

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Siegmar Wätzlich war einer von Dynamos Europapokalhelden - auch wenn er im Spiel gegen die Bayern im Jahr 1973 das Tor von Uli Hoeneß nicht verhindern konnte.
Siegmar Wätzlich war einer von Dynamos Europapokalhelden - auch wenn er im Spiel gegen die Bayern im Jahr 1973 das Tor von Uli Hoeneß nicht verhindern konnte. © Heirler/dpa

Nach dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte ist „Wätzer“, wie ihn alle riefen, der berühmteste Sohn des Ortes Rammenau bei Bischofswerda. Seit 1998 lebte Siegmar Wätzlich mit zwei Spenderorganen. Leber und Nieren versagten damals ihren Dienst. Schon Anfang der 90er Jahre musste er dreimal die Woche mit dem Taxi zur Dialyse nach Dresden fahren. Mit gerade mal 50 war der frühere eisenharte Verteidiger ein körperliches Wrack.

„Aber dann wurde mir an der Jenaer Uniklinik ein zweites Leben geschenkt. Von da an hatte ich zweimal im Jahr Geburtstag.“ Nur 28 Tage nach der Transplantation lief er auf dem heimischen Sportplatz eine 400-m-Runde.

Sein Europapokal-Tor gegen die Bayern

Fragte man Siegmar Wätzlich, welche Fußballvereine seine besondere Sympathie genießen, kam die Antwort ohne zu zögern: „Edelweiß Rammenau, Dynamo und der FC Bayern.“ Mehr als 40 Jahre stand er als Übungsleiter in Rammenau an der Seitenlinie. „Das ist mein Heimatverein, dem gehört mein Herzblut“, hat er immer betont. Die Affinität zu den Bayern hatte mit den legendären Europapokalspielen 1973 zu tun (3:4, 3:3). In Dresden hatte „Wätzer“ sein einziges Tor im Cup erzielt, aber es reichte nicht zum Weiterkommen.

Den Dynamo-Fans blieb er als fairer und tadelloser Sportsmann in bester Erinnerung. Zum 50. Vereinsgeburtstag 2003 wählten sie den Linksverteidiger in das All-Star-Team. Über dem Tresen in seiner Gaststätte in Rammenau leuchten die Embleme von Ajax Amsterdam, Juventus Turin, FC Liverpool und Bayern München. Sein Interesse galt auch dem kleinen Fußball. An den Wochenenden rief er bis zuletzt in der Sportredaktion der Sächsischen Zeitung an und erkundigte sich nach den Ergebnissen von der Bundes- bis zur Kreisoberliga. Seine Anrufe, der kurze Plausch abseits des Geschehens auf den Plätzen werden uns fehlen.

Mit Ralf Minge, Dynamos Sportgeschäftsführer, verband ihn bis zuletzt eine enge Freundschaft. „Alle, die Siegmar kannten, haben ihn als einen wunderbaren Menschen geschätzt. Er war bis zuletzt ein lockerer Typ, uneitel und herzlich. Und er war grundehrlich, direkt und immer gerade heraus. Das habe ich persönlich an ihm sehr geschätzt. Seiner Familie wünsche ich in diesen Stunden viel Kraft.“