Merken

Tiefensee schaltet sich in Bahn-Tarifstreit ein

Berlin/Frankfurt - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will sich nach der überraschenden Eskalation im Tarifstreit von Bahn und GDL noch im Laufe des Freitags um eine Wiederaufnahme der Gespräche bemühen.

Teilen
Folgen

Berlin/Frankfurt - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) will sich nach der überraschenden Eskalation im Tarifstreit von Bahn und GDL noch im Laufe des Freitags um eine Wiederaufnahme der Gespräche bemühen. Geplant war ein Treffen des Ministers mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell. Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums in Berlin bestätigte das Dreiergespräch, sagte aber nicht, wo und wann es stattfinden soll.

Die GDL hatte am Donnerstag die Tarifverhandlungen mit der Bahn für gescheitert erklärt und neue Streiks im Personen- und Güterverkehr vom 7. Januar an angekündigt. Tiefensee kritisierte anschließend, dass die Tarifparteien den vereinbarten Zeitrahmen für Verhandlungen bis 31. Januar nicht ausgeschöpft hätten. Es habe sich gezeigt, dass die Tarifparteien „nicht oder fast nicht in der Lage sind, eine Lösung herbeizuführen“. Deshalb müsse möglicherweise auch eine Schlichtung ins Auge gefasst werden. Auch darüber wolle er mit Mehdorn und Schell sprechen.

Die GDL lehnte allerdings bereits am Donnerstag eine Schlichtung ab. Die Gewerkschaft hatte eine Vereinbarung für ein Schlichtungsverfahren im vergangenen Jahr gekündigt. Deshalb darf sie nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen sofort zu Streiks aufrufen.

Der Vorsitzende der konkurrierenden Gewerkschaft GDBA, Klaus- Dieter Hommel, warf der GDL Starrsinn vor. „Die Betonköpfe innerhalb der Lokführer, die im Augenblick mal wieder das Sagen haben, haben noch nicht begriffen, dass verantwortungsbewusste Tarifverhandlungen aus dem Suchen nach Kompromissen bestehen“, sagte er am Freitag.

Im Moderationsergebnis von Ende August sei den Lokführern ein eigenständiger Tarifvertrag zugestanden worden, dieser müsse sich aber „konflikt- und widerspruchsfrei“ in das gesamte Tarifgefüge einpassen. Das habe die GDL akzeptiert und unterschrieben, sagte Hommel. Wann immer nun versucht werde, Regelungen zu finden, die dies gewährleisten, verweigere sich die GDL Gesprächen und verlasse empört den Verhandlungstisch. Diese Taktik gehe auf Dauer nicht auf.

In dem seit Monaten festgefahrenen Konflikt hatte die Bahn laut GDL bislang 6,5 Prozent mehr Geld angeboten, die GDL forderte zuletzt Einkommenszuwächse von mindestens 10 Prozent. Die Bahn selbst hatte 8 Prozent als Angebot an die GDL genannt. Mit Mehrarbeit könnten die Lokführer sogar 13 Prozent mehr verdienen, hieß es. Nach der erneuten Streikankündigung der Gewerkschaft hatte der Konzern alle bisherigen Tarifangebote an die GDL zurückgezogen. (dpa)