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Schweinepest in Sachsen: Therapieschwein Elli will raus

Seit Monaten grassiert die Afrikanische Schweinepest im Freistaat. Der Kampf gegen das Virus hat weitreichende Folgen für Jäger, Landwirte und Behörden.

Von Christina Wittig-Tausch
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Elli, das Therapieschwein aus Ostsachsen.
Elli, das Therapieschwein aus Ostsachsen. © Thomas Kretschel

Elli ist schlechter Laune. Unruhig läuft das gefleckte Minischwein hin und her. Sie geht zu Jimmy, ihrem Gefährten mit den schwarzen Borstenhaaren, der wie meist im Stroh döst, und stupst ihn heftig. Dann eilt sie zum Gitter der Box, stößt mit der Nase die Stäbe an, beißt darauf herum. „Sie will raus aus der Box, raus aus dem Stall“, sagt Eva Hoffmann, die Chefin des Moosmutzelhofs im ostsächsischen Kollm. Aber das dürfen Elli und Jimmy seit Monaten nicht mehr. Denn im Landkreis Görlitz grassiert die Afrikanische Schweinepest, kurz ASP.

Vergangenes Jahr im Oktober wurde die Infektion, die durch EU und Bund als bekämpfungspflichtige Seuche eingestuft ist, erstmals im Freistaat nachgewiesen. Viele weitere Fälle folgten. Mehr als 600 sind es inzwischen im Landkreis Görlitz. Bislang ausschließlich Wildschweine, keine Hausschweine. Jeder Fund eines kranken Wildschweins zieht die Einrichtung eines Sperrgebietes nach sich mit mehreren Zonen, in denen besondere Regeln für Landwirtschaft und Jagd gelten.

Ostsachsen hat sich seither zu einer Art Kampfgebiet entwickelt oder, wie es Sebastian Vogel, Leiter des ASP-Krisenstabs im Sächsischen Sozialministerium, kürzlich ausdrückte: „Sachsen bildet mit Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern das Bollwerk, um ein Weiterwandern der Seuche nach Westen zu verhindern.“

Wegen der Afrikanischen Schweinepest müssen die Schweine Elli und Jimmy im Stall des Moosmutzelhofs in Kollm bleiben. Auch Hofchefin Eva Hoffmann und Mitarbeiter Asmat Alo sind darüber nicht glücklich.
Wegen der Afrikanischen Schweinepest müssen die Schweine Elli und Jimmy im Stall des Moosmutzelhofs in Kollm bleiben. Auch Hofchefin Eva Hoffmann und Mitarbeiter Asmat Alo sind darüber nicht glücklich. © kairospress

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Krankheit erstmals in Afrika beschrieben. Seit einigen Jahren ist das Virus in Russland und im Osten Europas aktiv, vor allem in Polen, wo auch Hausschweine betroffen sind. Für Menschen ist das Virus ungefährlich, für Schweine jedoch zu 90 Prozent tödlich. Nun bewegt es sich allmählich Richtung Westen. Es sind nicht nur die Wildschweine, die für die Weiterverbreitung sorgen. Auch der Mensch sorgt dafür, dass das Virus größere Distanzen überwinden kann. Es reicht, wenn jemand seine Stulle mit Wurst aus infiziertem Schweinefleisch ins Unterholz wirft und ein Wildschwein die Reste frisst.

Das sächsische Bollwerk wurde von einer breiteren Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen. Mitte Oktober jedoch wurden auch im Landkreis Meißen die ersten ASP-Fälle entdeckt. Die Restriktionszone erstreckt sich seither von der polnischen Grenze bis in die Dresdner Region, und plötzlich stellte sich die Frage, was mit den Wildschweinen und den Minischweinen im Moritzburger Wildgehege geschehen müsse. Denn Freilandhaltung ist in bestimmten Sperrzonen verboten.

Rund 643.000 Hausschweine leben in Sachsen, meist in größeren Betrieben mit mehr als 5.000 Tieren und in Ställen. Der Anteil sogenannter Kleinsthalter oder auch ökologisch wirtschaftender Betriebe mit Freilandhaltung ist gering: Rund 4.000 Schweine leben in Ökobetrieben.

Warnhinweis am Ortseingang von Commerau.
Warnhinweis am Ortseingang von Commerau. © Thomas Kretschel

Tausende von Protesten und Internetaufrufen halfen nichts: Die Schweine in Moritzburg wurden getötet, weil sie nicht im Stall gehalten werden können. Eva Hoffmann jedoch will ihre Schweine durch diese Zeit retten. Vor 17 Jahren gründete die Ergo- und Reittherapeutin den Hof. Außer Schweinen und Schafen leben dort Pferde, Hunde, Katzen. Viele setzt sie bei tiergestützten Therapien ein, bei Behinderten etwa oder älteren Menschen. Elli übernahm sie vergangenes Jahr aus einer viel zu kleinen Haltung in einer Gartenanlage. Als Elli auf dem Moosmutzelhof eintraf, raste das Tier umher, vollführte unzählige Sprünge und machte alle möglichen Geräusche. „Herrlich, wie ein Schwein sich freut“, sagt Eva Hoffmann.

Elli stupst pausenlos das Gitter an. Im August nutzte das junge Therapieschwein eine Chance, floh aus dem Stall, biss den Maschendrahtzaun durch und verließ das Gelände. Beim Einfangen schrie sie. Eva Hoffmann wurde angezeigt. Kurz darauf bekam sie einen Bußgeldbescheid in Höhe von 2.600 Euro, wegen Verstoßes gegen das Seuchenschutzgesetz. Frau Hoffmann legte Widerspruch ein und fragte, ob sie mit den Schweinen auf dem Gelände spazieren gehen dürfe. Das wurde abgelehnt. Ausnahmen seien nicht möglich, heißt es in dem Schreiben, aber vielleicht könne Eva Hoffmann eine Art Wintergarten errichten.

„Dafür fehlt mir das Geld“, sagt sie. So müssen Elli und Jimmy im Stall bleiben. Vermutlich so lange, bis keine neuen Infektionen mehr auftauchen und der Status der Gegend als Sperrzone II aufgehoben werden kann. Wann das sein wird, kann derzeit niemand sagen. Frau Hoffmann hofft, dass zumindest das Bußgeld gesenkt wird.

Corona, Preisverfall und nun die Afrikanische Schweinepest: Landwirt Martin Steinborn aus Ebersbach bei Großenhain will seinen Schweinebetrieb im Frühjahr einstellen.
Corona, Preisverfall und nun die Afrikanische Schweinepest: Landwirt Martin Steinborn aus Ebersbach bei Großenhain will seinen Schweinebetrieb im Frühjahr einstellen. © Thomas Kretschel

Auch Landwirt Martin Steinborn aus Ebersbach bei Großenhain bangt. Seit Corona und dem ersten Nachweis von ASP in Deutschland 2020 nimmt China kein deutsches Schweinefleisch mehr. Die Preise, die den Produzenten gezahlt werden, fallen. Täglich verfolgt Steinborn die Mitteilungen des Friedrich-Löffler-Instituts. Gerade hat das Bundesforschungsinstitut vermeldet, dass die Afrikanische Schweinepest in einem Stall bei Rostock aufgetreten ist, in einer Anlage mit 4.000 Tieren, die sofort getötet wurden.

Martin Steinborn hält Schweine in verschiedenen Ställen in der Gegend von Radeburg in sogenannter konventioneller Haltung. Nach der Wende hat sich der Landwirtschaftsmeister selbstständig gemacht. In seinen Ställen hat er Platz für 6.000 Mastschweine und 3.000 Ferkel. „Wir haben auf 5D gesetzt“, sagt er. „Hier in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet, verarbeitet“.

Seit dem Nachweis von ASP im Landkreis Meißen müssen seine Schweine noch intensiver getestet werden und dürfen, auch wenn die Tests negativ sind, nur an bestimmte Schlachthöfe geliefert werden. Bisher kamen die Tiere nach Weißenfels in Sachsen-Anhalt. Nun müssen sie zu Tönnies nach Kellinghusen in Schleswig-Holstein. An bestimmten Tagen nimmt der Hof im sächsischen Belgern Tiere aus Pestgebieten.

Mit Fallen werden Wildschweine gefangen, und Wild- und Elektrozäune sollen verhindern, dass kranke Wildschweine weiterwandern. Über 400 Kilometer erstrecken sich die Pest-Zäune inzwischen.
Mit Fallen werden Wildschweine gefangen, und Wild- und Elektrozäune sollen verhindern, dass kranke Wildschweine weiterwandern. Über 400 Kilometer erstrecken sich die Pest-Zäune inzwischen. © Thomas Kretschel

Steinborn hat seit Mitte Oktober Probleme, seine Mastschweine zu verkaufen, ebenso die Ferkel, die er nicht für den eigenen Betrieb braucht. In seinen Ställen stehen nun viele Tiere, die längst zum Schlachten müssten. Letzte Woche waren er und seine Frau verzweifelt, weil sie keine Schlachtmöglichkeiten fanden und niemand ihnen sagen konnte, was sie jetzt machen sollen mit den Tieren, die begannen, sich gegenseitig anzugreifen. Diese Woche sei die Lage besser, gerade habe er zwei Sattelzüge losgeschickt. Aber für ihn steht fest: „Wir hören auf mit den Schweinen. Die letzten werden unseren Betrieb im März, April verlassen. Dann ist Schluss. Wir haben zum Glück mit unserem Getreide und unserer Biogasanlage noch ein Standbein. Aber von unseren zwölf Mitarbeitern entlassen wir sechs.“ Ein Einzelfall ist dies nicht. Aus beiden betroffenen Regionen gibt es Berichte von Landwirten, die ihre Bestände reduzieren, aufgeben oder darüber nachdenken.

Wäre es kein Weg, umzustellen auf ökologische Haltung von Schweinen, deren Fleisch mehr einbringt? Zumal in einer Zeit mit sinkendem Schweinefleisch-Verbrauch und zunehmenden Diskussionen um das Tierwohl in konventioneller Haltung? Martin Steinborn schüttelt den Kopf. „Solange wir ASP haben, ist Freilandhaltung nicht möglich. Ich kann mir nicht vorstellen, mit Biofleisch wirtschaftlich zu arbeiten auf Dauer.“ Der Großteil der Kunden wolle oder müsse das Fleisch nach wie vor möglichst günstig kaufen. Andere Betriebe in der Welt könnten billiger produzieren und mit niedrigeren Standards, was beispielsweise die Hygiene oder den Umgang mit Gülle betreffe. „Nun werden wieder Betriebe in Ostdeutschland verschwinden“, meint Steinborn.

„Nur die Konzerne bleiben wohl übrig, die ihre Bestände zwischen ihren Standorten in Europa hin- und herschicken können. Meiner Ansicht nach versagt die Politik. ASP kam, anders als Corona, nicht über Nacht, sondern mit Ansage. Der Bund interessiert sich nicht, weil die Bundesländer in Westdeutschland mit den wirklich großen Schweinebeständen noch nicht betroffen sind. Auch in Sachsen, finde ich, ist zu spät und zu unkoordiniert gehandelt worden.“

Sie ist schwierig, die Suche nach Wildschweinen. Die gut getarnten Tiere sind kaum zu erkennen. Und wenn sie zu lange liegen, erfasst sie die Wärmebildkamera nicht.
Sie ist schwierig, die Suche nach Wildschweinen. Die gut getarnten Tiere sind kaum zu erkennen. Und wenn sie zu lange liegen, erfasst sie die Wärmebildkamera nicht. © Ronald Bonß

Das für Tierseuchen zuständige Sächsische Sozialministerium indes sieht es als Erfolg, dass in Sachsen noch kein Hausschwein erkrankt ist, und verweist auf die vielen Maßnahmen im Kampf gegen ASP. Die haben bislang 18 Millionen Euro gekostet. Ebenso viel soll nächstes Jahr zur Verfügung stehen. Der Freistaat setzt vor allem auf die Hilfe der Jäger durch die systematische Jagd auf Wildschweine. Eine schwierige Angelegenheit. Die Tiere sind klug und anpassungsfähig. Je intensiver sie gejagt werden, desto mehr vermehren sie sich. In der modernen Landwirtschaft mit ihren riesigen Schlägen mit Mais, Raps und Getreide finden sie Nahrung in Hülle und Fülle. 40 Fallen wurden aufgebaut, die Abschussprämien erhöht und das Jagdrecht geändert. Beispielsweise ist nun die Jagd mit Nachtsichtgeräten erlaubt.

Überdies laufen jede Woche „Fallwildsuchen“ nach toten Wildschweinen, oft mithilfe von speziell ausgebildeten Spürhunden, um möglichst rasch die infizierten Kadaver entsorgen zu können. „Aber diese Suchen sind schwierig, wir finden längst nicht alles“, sagt Dr. Udo Mann. Der stellvertretende Amtstierarzt des Landkreises Görlitz hat sich an einem windigen Samstagmorgen im Gebiet der Königshainer Berge eingefunden, um ein Experiment zu beobachten. Die Drohnenstaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds Dresden untersucht an diesem Wochenende im Auftrag des Freistaats ein 330 Hektar großes Gebiet. Es ist ein junges Projekt, um herauszufinden, wie effektiv die Drohnen bei der Suche helfen können. Auf kahl geschlagenen Forstflächen zum Beispiel, wo Dickicht wuchert und Jäger und Hunde nur schwer durchkommen.

Die Staffel aus Dresden hat sich erst vergangenes Jahr gegründet. Die Männer, alle ehrenamtlich tätig, sind ein gemischter Trupp: Im normalen Leben sind sie Rechtsanwalt, IT-ler, Makler, Student. Mit ihren drei Drohnen helfen sie Feuerwehren oder spüren in der Erntezeit Rehkitze auf. „Der Wildschwein-Einsatz ist neu für uns“, sagt Staffelführer Jeffrey Hänsel.

Mit moderner Technik auf der Suche nach Brandherden, Rehkitzen und neuerdings nach Wildschweinen: Chris Pannwitz (r.) und Jens Berger von der Drohnenstaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds Dresden.
Mit moderner Technik auf der Suche nach Brandherden, Rehkitzen und neuerdings nach Wildschweinen: Chris Pannwitz (r.) und Jens Berger von der Drohnenstaffel des Arbeiter-Samariter-Bunds Dresden. © Ronald Bonß

An diesem Morgen sind auch zahlreiche Jäger im Revier unterwegs. Sie verständigen sich per Handy mit den Männern von der Drohnenstaffel. Ein Schwein wurde geschossen, zwei weitere tot gefunden, außerdem Teile von toten Schweinen. Der Radebeuler Chris Pannwitz fliegt die gut sieben Kilo schwere Drohne des Typs DJI M300 RTK auf 120 Metern Höhe. Ein Computerbildschirm im Einsatzfahrzeug zeigt live die Bilder. Alles ist gut zu sehen: Bäume, Büsche, Jäger. Nur die toten Wildschweine sind zwischen Ästen und Blättern kaum auszumachen. Auf den Wärmebildern jedoch erscheinen die Tiere als roter, gut sichtbarer Fleck. Manche zumindest. Wenn die Körpertemperatur nicht mehr ausreichend hoch oder der Verwesungsprozess zu weit fortgeschritten ist, entgehen die Wildschweine der Technik. „Da sind Hunde dann doch unverzichtbar“, sagt Udo Mann.

Wolf stand auf ihrer Koppel

Er telefoniert mit dem Räumkommando. Das wird später die Tiere abholen und Proben ins Labor schicken. Während die Männer Quadratmeter um Quadratmeter absuchen, verabschiedet sich Udo Mann. Er will noch Zaun kontrollieren. Denn ein weiteres Standbein im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest sind die ASP-Zäune. Sie umfassen in Sachsen eine Länge von 410 Kilometern, weitere 150 sind in Planung. Dadurch soll verhindert werden, dass kranke Tiere einwandern oder weiterziehen. Ein Teil des Zauns flankiert die Grenze zu Polen, außerdem schlängeln sich Wild- und Elektrozäune durch die Landschaft. Durchgänge sind mit Bauzaun versperrt, die Anwohner, Forstarbeiter, Jäger oder Landwirte bei Bedarf öffnen und schließen sollen. Die Kontrolle des Zauns ist schwierig. Immer wieder wird geklaut oder zerstört, Tore bleiben offen.

Und auch in anderer Hinsicht ist der Zaun nicht unproblematisch. Manche Wildtiere springen nicht über den Zaun, sondern bewegen sich an ihm entlang auf der Suche nach einer Lücke. Eine Untersuchung gibt es dazu nicht, nur Berichte von Anwohnern wie etwa der Reittherapeutin Lisa Kießling aus Zimpel, einem Ortsteil von Boxberg. Der ein Meter hohe ASP-Zaun mit den blauen Bändern durchzieht den Wald und endet kurz vor dem Dorf und ihrem kleinen Pferdehof. „Ich bin keine Wolfsgegnerin, und Wölfe tauchten hier natürlich immer mal wieder auf“, sagt sie. Aber seit der Zaun steht, seien die Tiere regelmäßiger und häufiger zu sehen.

Angst, dass etwas passiert: Seit die Zäune zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest rund um Zimpel stehen, tauchen am Hof von Lisa Kießling verstärkt Wölfe auf. Im Mai betrat einer die Koppel, die Pferde gerieten in Panik.
Angst, dass etwas passiert: Seit die Zäune zum Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest rund um Zimpel stehen, tauchen am Hof von Lisa Kießling verstärkt Wölfe auf. Im Mai betrat einer die Koppel, die Pferde gerieten in Panik. © Thomas Kretschel

Im Mai diesen Jahres stand gegen 20.30 Uhr ein Wolf auf ihrer Koppel, unweit von den vier Deutschen Sportpferden Samba, Wilma, Lori und Helios, die Kießling als erfahrene, gut trainierte Reit- und Therapiepferde beschreibt. Samba geriet in Panik, rannte zum Zaun und versuchte, auszubrechen. Dabei verletzte sie eine Sehne. Wilma versuchte, den Wolf zu vertreiben. Lisa Kießling ebenfalls, durch lautes Schreien. Es habe eine Weile gedauert, bis der Wolf so verschwand, wie er wohl gekommen war: Er sprang durch zwei der insgesamt sechs Litzen des Stromzauns. Weil die Erdung während des Sprungs fehlt, holte er sich keinen Stromschlag.

Einige Zeit verging, bis sich Tiere und Halterin wieder beruhigten. „Mein Vater, mein Partner und ich haben wochenlang nachts Wache gehalten, außerdem das Gelände mit verschiedenen Kameras überwacht“, erzählt Lisa Kießling. Sie nahm Kontakt auf zu verschiedenen Behörden. „Ich bin nicht hysterisch, aber ich brauche eine vernünftige Lösung, so, dass die Pferde und wir ruhig leben können. Das ist eine schreckliche Vorstellung, wenn die panischen Pferde vielleicht ausbrechen und einen schlimmen Unfall verursachen.“ Nach vielen Mails, Telefonaten und Vor-Ort-Terminen wurde ihr vorgeschlagen, einen festen Holzzaun um die ein Hektar große Koppel zu bauen und einen Elektrozaun drumherum, um die Wölfe fernzuhalten.

Lisa Kießling beantragte die Förderung beim Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Kürzlich kam der ablehnende Bescheid. „Ich kann das allein nicht finanzieren“, sagt sie. „Ich frage mich, was passieren muss, damit ich Hilfe bekomme vom Land. Und welchen Sinn der ASP-Zaun eigentlich hat, der im Grunde nur die konventionelle Schweineindustrie schützt, deren Arbeitsweise ich ablehne.“ Sie fühle sich allein gelassen, sagt sie, allein mit Fragen, die in Zeiten der Corona-Pandemie wohl kaum jemanden interessierten.