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Gute Honig-Ernte trotz kaltem Frühjahr

Später als sonst konnte im Landkreis Bautzen der erste Honig geschleudert werden. Das liegt vor allem am Wetter. Doch auch ein anderer Fakt macht Sorgen.

Beate und Uwe Wendt schleudern hier gerade die zweite Ladung Rapshonig. Die Bienenvölker waren dafür vor allem bei Gersdorf im Haselbachtal auf den Feldern unterwegs. Als nächstes wird es Robinienhonig geben.
Beate und Uwe Wendt schleudern hier gerade die zweite Ladung Rapshonig. Die Bienenvölker waren dafür vor allem bei Gersdorf im Haselbachtal auf den Feldern unterwegs. Als nächstes wird es Robinienhonig geben. © René Plaul

Kamenz. Endlich dreht sie sich! Die nagelneue Selbstwendeschleuder von Imker Uwe Wendt ist im Einsatz. Dick fließt der erste Honig der Saison wie flüssiges Gold aus dem Hahn. Es ist Rapshonig. Etwas hell, aber lecker. Viele Kunden warten sehnsüchtig darauf. "Wir haben Anfang Juni die erste Ernte des Jahres eingefahren. Etwas spät, aber sie ist gut", sagt Beate Wendt. Am Morgen hat ihr Mann die Bienen-Zargen am Feld bei Gersdorf abgeholt. "Dort standen sie super", sagt Uwe Wendt. Als Nächstes werden sie an ein Robinienfeld gebracht. "Das ist dann das reinste Schlaraffenland für die Tiere", weiß er.

Im kleinen Hofladen der Hutberg-Imkerei an der Königsbrücker Straße 69 in Kamenz können die Regale aufgefüllt werden. Zum Schluss war das Angebot ausgedünnt. Denn die Honigernte ließ in diesem Jahr auf sich warten. Schuld daran war das viel zu kühle Frühlingswetter.

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"Im Monat Mai gab es, wie schon im April, nur wenige Tage mit Waagstockzunahmen. Durch die kalte und windige Wetterlage wurden diese Zunahmen sofort von den Völkern verbraucht. Selbst an etwas wärmeren Tagen gaben die Obstbäume nur wenig Nektar her, da die Nächte noch sehr kalt waren. Insgesamt gesehen, ist die Entwicklung der Völker 2021 vier Wochen zurück", heißt es beispielsweise im Monatsbericht des Beobachters des Landesverbandes Sächsischer Imker.

Vier Wochen Verzögerung wegen Kälte

Beate und Uwe Wendt freuen sich als erfahrene Züchter, dass es endlich wieder losgegangen ist. Seit über fünf Jahren haben sie sich am Fuß des Hutberges ein wundervolles Imker-Refugium in der ehemaligen Kegelbahn "Lindenterrasse" aufgebaut. Hier stehen nicht nur einige ihrer 24 Bienenvölker. Hier stellen sie auch Honig her, empfangen Kindergruppen und andere Interessierte. Und es gibt Platz für Verkostungen und gesellige Abende rund ums Thema Honig und Imkern.

Auch der Hutberg-Imker hat einen Waagstock. "Damit erkennt man, wie viel Nektar die Bienen täglich hereinbringen", erklärt Uwe Wendt. Vor ein paar Wochen waren es manchmal nur 150 Gramm. Aktuell ist man bei acht Kilo angekommen.

"Die Ausbeute in diesem Sommer ist nicht schlecht", weiß auch Roland Barthel, Chef des Bienenzüchtervereins Unteres Spreetal Bautzen. "Da fragt man sich immer, wie die Bienen das trotz schlechtem Wetter und kurzen Flugzeiten hinbekommen haben." Mit der Raps-Honigernte haben jetzt auch seine Vereinsmitglieder begonnen. Robinien und Lindenblüten sind als Nächstes dran.

Hobby-Imkerei im Aufschwung

Der Bautzener Verein ist einer von 19 im Landkreis Bautzen. Sie alle sind im Landesverband Sächsischer Imker organisiert. Aktuelle Zahlen sprechen von insgesamt 4.541 Imkern - davon 879 Imkerinnen - in 158 regionalen Vereinen. Tendenz steigend. Die Imkerei als Hobby boomt. "Vor etwa sieben, acht Jahren waren wir noch 15 Imker, heute zählen wir 38 Mitglieder", freut sich Roland Barthel. Selbst Corona habe keinen Abbruch gebracht, obwohl man sich nicht treffen konnte. "Ich hatte fernmündliche Anfragen, und aktuell freuen wir uns sogar über zwei Neuzugänge", so Barthel.

Obwohl immer wieder vom großen Bienensterben die Rede ist, muss man sich gerade in der Oberlausitz keine Sorgen machen, bald keinen regionalen Honig mehr aufs Brötchen zu bekommen. Doch woher kommt die Mahnung von Naturschützern?

"Bei diesem Thema geht es eher um Wildbienen, die es schwer haben", sagt Silke Wild, Mitglied im Kamenzer Imkerverein. "Den Honigbienen geht es insgesamt gesehen gut. Um sie kümmert sich der Imker. Aber die Wildbienen haben keine Lobby. Bestimmte Arten sind dann einfach weg, weil dieses Tier keine öffentliche Stimme bekommt."

Eine Zarge mit vielen Waben. Drei Zargen ergeben bei Uwe Wendt in der Hutberg-Imkerei ein Bienenvolk.
Eine Zarge mit vielen Waben. Drei Zargen ergeben bei Uwe Wendt in der Hutberg-Imkerei ein Bienenvolk. © René Plaul
Wenn der Honig in den Waben reif ist, "deckeln" die Bienen diese mit Wachs. Ein sicheres Zeichen für den Imker, dass er zur Ernte schreiten kann.
Wenn der Honig in den Waben reif ist, "deckeln" die Bienen diese mit Wachs. Ein sicheres Zeichen für den Imker, dass er zur Ernte schreiten kann. © René Plaul
Eine nicht billige Anschaffung, aber hilft enorm: eine Selbstwendeschleuder.
Eine nicht billige Anschaffung, aber hilft enorm: eine Selbstwendeschleuder. © René Plaul
Aktuell wird frischer Rapshonig geschleudert. Als nächstes kommt der Robinienhonig dran, danach Lindenblütenhonig.
Aktuell wird frischer Rapshonig geschleudert. Als nächstes kommt der Robinienhonig dran, danach Lindenblütenhonig. © René Plaul
Beate Wendt filtriert mit Hilfe dieses Feinsiebes die letzten Schwebeteilchen aus dem Honig.
Beate Wendt filtriert mit Hilfe dieses Feinsiebes die letzten Schwebeteilchen aus dem Honig. © René Plaul
Uwe Wendt bei der Nachwuchsarbeit. Enkel Anton macht die Imkerei schon richtig Spaß. Angst hat er auch keine. Foto: Privat: Wendt
Uwe Wendt bei der Nachwuchsarbeit. Enkel Anton macht die Imkerei schon richtig Spaß. Angst hat er auch keine. Foto: Privat: Wendt © Privat: Wendt

Ein Problem sei, dass viele Arten nur bestimmte Blüten bevorzugen. "Alles ist ein Kreislauf. Ohne die Wildbienen gibt es bestimmte Vogelarten vielleicht bald nicht mehr", sagt die Imkerin. "Es ist gut, dass wir heutzutage so tolle Technik haben. Mit dem Rasenmäher oder Rasenroboter wird aber jeder kleine Blühversuch auf Wiesen zunichte gemacht. Und mit großen Mähdreschern, die GPS-genau mähen, werden kaum noch Feldraine stehen gelassen. Auch das fehlt."

Pestizide bleiben ein leidiges Thema

Dazu komme das Problem mit Pestiziden. "Wir beobachten ab und zu Bienen, die Vergiftungserscheinungen zeigen", sagt Uwe Wendt. "Wenn eine Biene nur noch läuft statt zu fliegen, ist irgend etwas faul." Doch die Bauern können nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden, finden die Imker.

"Es ist ein heißes Eisen. Ich finde es nicht gut, habe aber auch Verständnis, dass der Landwirt mit Hilfsmitteln arbeitet. Das wird ihm von der Gesellschaft vorgegeben. Alle wollen immer billigere Lebensmittel, es ist ein grundsätzliches Problem. Der Gesetzgeber macht obendrein Druck", gibt Ronald Barthel zu bedenken. Trotzdem ließe sich die Zusammenarbeit mit den Agrarbetrieben noch verbessern, meint der Bautzener. "Man könnte offener kommunizieren, wann gespritzt wird. Dann könnten wir Vorkehrungen treffen."

Die Biene ist nicht ohne Grund das drittwichtigste Nutztier auf der Welt nach Schwein und Rind. Doch die heutige Landwirtschaft bringt immer mehr Monokultur hervor. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht in der Natur. Es fehlen auch zu viele Zwischentrachten an Blüten, die für die Winterversorgung der Bienen zum Überleben wichtig sind. "Diese brauchen nicht nur den Nektar der Pflanzen, sondern auch Pollen für die Nachkommen", erklärt Uwe Wendt.

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