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Erster Storchennachwuchs in Döbeln

Die Zahl der Brutpaare in Sachsen steigt. In Mittelsachsen sind es zwölf. In einem Horst gibt es besonders viel Jungtiere.

Zum ersten Mal hat ein Weißstorchen-Paar auf einem Schornstein in Großbauchlitz gebrütet – mit dreifachem Erfolg.
Zum ersten Mal hat ein Weißstorchen-Paar auf einem Schornstein in Großbauchlitz gebrütet – mit dreifachem Erfolg. © privat

Region Döbeln. Es ist ein Novum. Seit zehn Jahren haben Weißstörche immer wieder Interesse an dem Schornstein der ehemaligen PGH Fleischer in Großbauchlitz gezeigt. Erst kam einer, seit fünf Jahren regelmäßig zwei. „Sie sind etwa eine Woche geblieben, waren dann aber wieder weg“, erzählt Gerd Wießner, der von seiner Wohnung aus das Treiben rund um den Schornstein im Blick hat.

Und so hat er im April auch die Kämpfe um den Platz auf dem Schornstein beobachtet. Dort hatte ein Storchenpaar bereits begonnen, einen Horst zu bauen. „Innerhalb einer Woche war er fertig“, so Wießner.

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Zwei andere Paare wollten ihnen den Platz streitig machen, den das erste Paar, trotz des teils stundenlangen Revierkampfes, aber erfolgreich verteidigt hat.

Ein Fünf-Liter-Eimer voll Nahrung für drei Jungtiere

Und nicht nur das. Die Störche haben auch gebrütet. Gerd Wießner hatte schon Zweifel, ob die Eier überhaupt befruchtet waren. Denn lange tat sich in dem Horst nichts. Doch seit einer Woche strecken sich permanent drei kleine Schnäbel gen Himmel und verlangen nach Futter.

Die Eltern haben viel zu tun, um den Hunger des Nachwuchses zu stillen. „Etwa einen Fünf-Liter-Eimer voll Nahrungstiere, wie Käfer, Insekten, Würmer, aber auch Mäuse, Eidechsen und Frösche müssen sie täglich für drei Jungvögel heranschaffen“, sagt Storchenexperte Kai Schaarschmidt.

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Insgesamt gebe es in diesem Jahr, ähnlich wie in den vorangegangenen, zwölf Brutpaare unter den Weißstörchen in Mittelsachsen. Das Burgstädter Storchenpaar hat mit fünf Jungtieren den meisten Nachwuchs. In Helbigsdorf sind vier Jungvögel geschlüpft, in Döbeln drei sowie in Rochlitz und Penna jeweils einer. Mehr ist im Moment noch nicht bekannt.

Im Harthaer Gewerbegebiet hatten sich unlängst mehrere, scheinbar „wohnungslose“ Artgenossen niedergelassen.
Im Harthaer Gewerbegebiet hatten sich unlängst mehrere, scheinbar „wohnungslose“ Artgenossen niedergelassen. © Dietmar Thomas

Vögel haben neue Winterquartiere

Dass die Zahlen der Brutpaare im Landkreis stabil sind und in Sachsen insgesamt steigen, führt Schaarschmidt unter anderem auf das Zugverhalten der Weißstörche zurück. Ein Teil der Störche zieht gen Osten über den Bosporus und der andere über Spanien und Portugal nach Afrika in die Winterquartiere.

Bisher jedenfalls. „Denn die Südwestzieher fliegen nicht mehr ganz so weit. Sie überwintern auf der Iberischen Halbinsel“, so der Storchenexperte. Der Rückweg ist somit kürzer. Deshalb treffen die Vögel früher in den Brutgebieten ein. Oft sind das die Regionen, in denen die Tiere geschlüpft sind.

Erst im dritten Jahr beginnen sie zu brüten. Damit erklärt sich möglicherweise auch die große Anzahl von Störchen, die sich vor Kurzem auf einer Wiese im Harthaer Gewerbegebiet niedergelassen hatte.

Zudem sei es eine lange Findungsphase, ehe sich die Störche für einen Standort entscheiden, an dem sie einen Horst bauen. Es sei auch nicht ungewöhnlich, dass sie im darauffolgenden Jahr nicht zurückkehren. Haben sie aber erfolgreich gebrütet, erhöht sich die Chance, dass der Horst ein Jahr später wieder besetzt ist.

Adebar bringt Zwillingsnachwuchs bei Menschen mit

Sind die Jungstörche etwa vier Wochen alt, werden sie von Kai Schaarschmidt beringt. Meistens jedenfalls. Das Döbelner Storchenpaar hat einen Nistplatz gewählt, der sich in etwa 30 Metern Höhe befindet. Außerdem ist der Schornstein schon ziemlich marode.

„Zuerst brauche ich die Zustimmung des Grundstücksbesitzers und dann schaue ich mir an, ob ich dort hochsteigen kann“, sagt Schaarschmidt. Sich selbst werde er nicht in Gefahr bringen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Jungstörche den Horst nach acht bis neun Wochen unberingt verlassen.

Das wird auch in Neuwallwitz so sein. Ulrich Mitterer hatte vor Jahren einen Schornstein auf seinem Grundstück eingekürzt. Und seit 2018 gibt es darauf Storchennachwuchs. Zuerst zwei, dann vier und 2020 drei Junge.

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Auch in diesem Jahr füttern die Altvögel Nachwuchs. Wie viele Jungtiere es genau sind, kann Mitterer noch nicht sagen. „Bisher habe ich nur einen Kopf gesehen“, meint er. Mitterer ist geduldig und wartet ab, was sich weiter im Nest tut. Er will den Störchen nicht zu nahe kommen und lässt auch nicht zu, dass es andere tun.

Deshalb werden die Kleinen keinen Ring bekommen. Apropos klein. „Seit die Störche da sind, haben im Dorf zwei Familien Zwillinge bekommen“, sagt Ulrich Mitterer mit einem Augenzwinkern.

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