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Die häufigsten Fehler beim Haustier-Futter

Ein Hund braucht keine Zwischenmahlzeit, dass Haustiere oft zu dick sind, liegt an den Haltern. Doch auch die Futterhersteller tragen entscheidend dazu bei.

Viele Vierbeiner haben Übergewicht - was für sie zum Problem werden kann.
Viele Vierbeiner haben Übergewicht - was für sie zum Problem werden kann. © 123rf

Als die kleine Pekinesen-Hündin Biggi vor etwa neun Monaten bei Christiane Martin in Oldenburg einzog, brachte sie stolze 10,5 Kilo auf die Waage. Seitdem ist sie auf Diät, denn Hunde dieser Rasse sollten eigentlich nur zwischen vier und sechs Kilogramm wiegen. „Alles darüber ist grenzwertig“, erklärt Biggis Besitzerin.

Bevor die ehemalige Straßenhündin aus Rumänien nach Norddeutschland kam, lebte sie übergangsweise in einer Tierpflegestelle. „Dort hat man es mit dem Aufpäppeln wohl zu gut gemeint“, vermutet Martin. Mit ihren überflüssigen Pfunden ist Biggi in Deutschland nicht allein. Nach Schätzungen des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte sind etwa 30 Prozent aller Hunde hierzulande zu dick. Bei den Hauskatzen sieht es mit 40 Prozent noch schlechter aus.

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Dies deckt sich laut dem Institut für Tierernährung der Universität Leipzig auch mit internationalen Erhebungen: Danach gelten ein Viertel bis ein Drittel der Hunde und Katzen als übergewichtig oder sogar adipös. Das liege auch am gängigen Schönheitsideal vieler Tierbesitzer und Züchter. „Ein normalgewichtiger Hund wird oft als viel zu mager empfunden“, sagt die Vizepräsidentin des Bundestierärzteverbandes, Petra Sindern.

Hunde werden vermenschlicht

Wer testen möchte, ob das eigene Tier zu dick ist, kann ihm die flache Hand auf die Rippen legen. „Findet man die Rippen erst nach kurzer Suche, hat das Tier Übergewicht“, erklärt Sindern. Tiere, die zu viel wiegen, würden bei jedem Schritt Wirbelsäule und Gelenke stark belasten. Das habe häufig Arthrosen zur Folge. „Übergewicht führt außerdem zu einem stark erhöhten Risiko, an Diabetes und Krebs zu erkranken“, sagt Sindern.

So vielfältig wie die Folgen sind auch die Ursachen für Übergewicht. Eine besteht in zu großzügigen Mengenangaben auf den Futterverpackungen. „Die Firmen wollen ja möglichst viel verkaufen“, sagt Sindern. Ingrid Vervuert, Professorin am Institut für Tierernährung der Universität Leipzig, kann diesen Vorwurf teilweise bestätigen. Untersuchungen hätten ergeben, dass bei kommerziellem Futter in etwa 30 Prozent der Fälle eine zu hohe Futtermenge empfohlen wird. Ansonsten seien die Empfehlungen aber überwiegend angemessen – oder sogar etwas zu niedrig angesetzt.

Einig sind sich die Medizinerinnen darin, dass zusätzliches Füttern zwischen den Mahlzeiten eine große Rolle beim Thema Übergewicht spielt. „Viele Menschen leben alleine mit ihrem Hund als einzigem Partner. Hunde werden vermenschlicht und sind gleichzeitig sehr überzeugend darin zu zeigen, dass sie permanent Hunger haben“, erklärt Vervuert das Dilemma.

Kastration ist ein Faktor

Der Schaden, der mit zu vielen zusätzlichen Leckerchen angerichtet wird, sei vielen Haltern dabei gar nicht bewusst. „Ein Tier öffnet nicht selbstständig die Futterdose und überfrisst sich, einzig und allein der Besitzer teilt die viel zu große Ration zu“, meint Sindern. Dabei entsprächen zehn Gramm Käse für eine Katze etwa drei großen Muffins für einen Menschen. Beim Hund seien drei Scheiben Fleischwurst vergleichbar mit zwei Hamburgern.

Ein weiterer Faktor sei die Kastration, welche Tiere quasi direkt in die Wechseljahre befördert. Denn die Hormonumstellung reduziert den Stoffwechsel. Daher sollten Halter nach dem Eingriff unbedingt noch weniger füttern als vorher.

Bevor es mit dem Abspecken losgeht, sollte man zunächst den Tierarzt aufsuchen. In den meisten Praxen in Deutschland kann man sich ein entsprechendes Fütterungs- und Bewegungsprogramm zusammenstellen lassen. Vorab sei auch eine Blutuntersuchung sinnvoll, um zu prüfen, ob die Gesundheit durch das Übergewicht bereits geschädigt wurde. Im Prozess sei es außerdem ratsam, sich klare und erreichbare Ziele zu setzen, empfiehlt Sindern. Zehn Prozent Gewichtsverlust innerhalb eines halben Jahres sei ein realistischer Maßstab.

Auch Bewegung muss sein

Auch der Tierarzt von Christiane Martin hat empfohlen, dass Biggi langsam abnehmen soll. „Sie einfach nur hungern zu lassen, bringt nichts. Dadurch würde sie nur gierig werden“, erklärt Martin ihre Strategie.

Neben dem Futter spielt, wie auch beim Menschen, mangelnde Bewegung eine große Rolle. Dass Aktivität einen großen Effekt haben kann, hat Biggi bewiesen. Innerhalb von neun Monaten hat die Pekinesin fast drei Kilo abgenommen. Besitzerin Christiane Martin sagt, dass der Erfolg, neben der genauen Rationierung des Futters, auf mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung am Tag zurückzuführen ist.

Sie hofft, dass Biggis Gewicht sich irgendwann bei etwa fünf Kilogramm einpendeln wird. „Schon jetzt hat sich ihre Lebensqualität im Vergleich zu vorher deutlich erhöht. Wenn wir am Wochenende zu Bekannten aufs Land fahren, tobt sie sich im Wald aus. Das war mit dem starken Übergewicht gar nicht möglich.“ (dpa)

Telefonforum: Ist auch Ihr Tier zu dick? Oder haben Sie andere Fragen zur Ernährung von Haustieren wie Hunden, Katzen, Meerschweinchen oder Ziervögeln? Am Mittwoch, dem 7. Juli, können Sie sie zwischen 13 und 15 Uhr unseren beiden Expertinnen stellen:

  • Dr. Cornelia Rückert, Fachtierärztin für Tierernährung, Landwirtschaftl. Kommunikations-und Servicegesells., Lichtenwalde.
    0351 4864 2805
  • Dr. Janine Starzonek, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik, Napfcheck
    0351 4864 2806

Sie können Fragen auch in einer E-Mail formuliert an [email protected] schicken.


0351 4864 2805

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