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In Sachsens Tier-Pensionen wird es eng

Sachsens Hotels für Hunde und Katzen sind für den Sommer fast ausgebucht. Billig ist die Betreuung nicht.

So ein Hund ist ja auch nur ein Mensch: In Jana Dawedeits Hundepension in Coswig erfrischen sich die Galgo-Espanol-Hündin Leni, während Jamila, ein Saluki, erst einmal nur zuschaut.
So ein Hund ist ja auch nur ein Mensch: In Jana Dawedeits Hundepension in Coswig erfrischen sich die Galgo-Espanol-Hündin Leni, während Jamila, ein Saluki, erst einmal nur zuschaut. © Matthias Rietschel

Könnten Leni und Jamila schwitzen, würde ihnen an heißen Sommertagen das Wasser am Körper herabtropfen. Welch Luxus, dass es in ihrer Hundepension einen Teich gibt. Jana und Heiko Dawedeit haben ihn eigens für ihre vierbeinigen Gäste angelegt. Das Ehepaar betreibt in Coswig bei Dresden Hundesalon und -pension „Pfötchenservice Sachsen“. Seit 19 Jahren nehmen sie Hunde für eine begrenzte Zeit auf, wenn deren Halter Urlaub machen wollen, auf Dienstreise gehen müssen oder erkrankt sind.

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Auch im Garten von Nadine Queitsch in Parthenstein bei Leipzig flitzen Hunde ausgelassen über eine Wiese. Jetzt, wo wieder mehr Urlaub möglich ist, füllt sich ihre Pension „Wunderhund“ zusehends. „Ich hatte schon immer Hunde“, erzählt die 35-Jährige. „Als ich geboren wurde, hatten wir Schäferhunde. Meine Oma hatte Rottweiler.“ Lange züchtete sie selbst Bulldoggen. Beruflich entschied sie sich zunächst für eine Lehre als Kauffrau, sattelte später um auf Kosmetikerin mit eigenen Studios in Leipzig und eröffnete 2018 die Pension. Queitsch ist es wichtig, dass sie sich um alle ihre „Gäste“, wie sie sagt, optimal kümmern kann. „Ich nehme nicht mehr als fünf oder sechs Hunde, damit sie ein bisschen exklusiver betreut werden.“ Ihre Pension habe sich gut entwickelt – bis Corona und der Reisestopp kamen.

„Das war für uns alle schwierig“, sagt Jana Dawedeit. „Aber im März ging es mit den Buchungen schlagartig los. Da trauten sich die Ersten, sich auf ihren Urlaub festzulegen.“ Inzwischen gibt es kaum noch freie Plätze, weder für Welpen- oder Hundeschulkurse noch für eine Betreuung während der Ende Juli beginnenden Sommerferien. „Auch für die Herbstferien im Oktober wird es schon knapp.“

Billig ist die Betreuung nicht

„Generell ist es außerhalb der Saison immer leichter, einen Pensionsplatz zu bekommen“, sagt Heike Jähnig. Das Katzenhotel „Zum gestiefelten Kater“ in Chemnitz wird seit 14 Jahren von ihr geführt. Wer für die Oktoberferien eine Unterkunft für sein Tier braucht, sollte sich daher spätestens im August darum kümmern. „Am besten so schnell wie möglich“, sagt Jana Waldek. Für die Sommerferien hat ihre Hundepension in Königsbrück bis auf wenige Plätze nichts mehr frei.

Etliche Tierpensionen weisen schon auf ihren Internetseiten darauf hin, dass sie ausgebucht sind, manche bereits bis zum Jahresende. Bei anderen könnte sich ein Anruf dennoch lohnen, zum Beispiel bei Mario Scheffler in Zwickau. „Bei uns haben die ersten Kunden schon wieder abgesagt, weil ihre Urlaubziele plötzlich zu Virusvariantengebieten erklärt wurden“, berichtet er. Weil in vielen Urlaubsregionen die Preise deutlich gestiegen sind, würden einige versuchen, ihren Hund oder ihre Katze bei Verwandten oder Freunden unterzubekommen. „Sie wollen sich das Geld für die Pension sparen“, so Scheffler.

Billig ist die Betreuung nicht. Für Katzen werden acht bis zehn Euro pro Tag fällig, bei Einzelbetreuung auch das Doppelte. Für Hunde muss man je nach Region, Tiergröße und Pensionsart durchschnittlich 15 bis 30 Euro pro Tag einkalkulieren. Große Pensionen, in denen die Tiere meist in Zwingern schlafen, sind günstiger als kleinere, die oft einen Familienanschluss haben. Sophie Dietrich im Rabensteiner Wald in Chemnitz zum Beispiel nimmt maximal vier fremde Hunde gleichzeitig auf. Sie leben dort zusammen mit ihren eigenen beiden Hunden in einer offenen Gruppe und gehen mindestens eine Stunde am Tag spazieren. Den Rest der Zeit verbringen sie im großen Garten. Dietrichs Plätze sind bis Jahresende alle belegt, obwohl die Betreuung pro Tag 35 Euro kostet.

Halter sollten trotz Mangel wählerisch sein

Auch die Dawedeits nehmen nur vier bis sechs Gasthunde bei sich auf. Allerdings sind auch sie ausgebucht. „Manche Hundebesitzer kümmern sich erst um einen Platz, nachdem sie ihre Flugreise bereits gebucht haben. Das verstehe ich nicht. Ein Hund ist doch kein Stuhl, den ich irgendwohin stelle. Er ist ein Familienmitglied“, sagt Jana Dawedeit.

Trotz des Platzmangels in Tierpensionen sollten Halter wählerisch sein und vom Sachkundenachweis bis hin zur Sauberkeit einige Punkte prüfen, rät der Deutsche Tierschutzbund. „Auf jeden Fall sollte man sich die Pension vor der Übergabe des Tieres sehr genau ansehen“, erklärt Sprecherin Lea Schmitz.

Aber auch die Pensionswirte prüfen ihre Schützlinge auf Zeit. „Ich gucke mir die Hunde vorher an, welches Wesen die haben. Ich kann nur sozialverträgliche Hunde nehmen“, sagt Nadine Queitsch. Dauerbeller kämen bei ihr ebenso wenig unter wie Zwingerhunde. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in der Hundezucht, hat einen Sachkundenachweis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz und Hygieneseminare besucht. Auch die Pensionsgäste in Coswig müssen rudelfähig sein. „Wir wollen sie vorher sehen, um ihr Sozialverhalten einschätzen zu können“, sagt Heiko Dawedeit. „Es bringt nichts, wenn der Hund sich keinen Zentimeter von seinem Herrchen oder Frauchen wegbewegt. Sie müssen eine gesunde Bindung haben.“ Die zeichne sich dadurch aus, dass der Hund sich abrufen lässt, sich aber auch eine Weile selbst beschäftigen kann, ohne permanent die Nähe seines Halters zu suchen.

Tollwutimpfung ist Pflicht

Soll das Tier selber Urlaub von seiner Familie machen, muss es geimpft sein. Verpflichtend für alle Hunde ist die Tollwutimpfung. Alle anderen Immunisierungen, wie die gegen Zwingerhusten, Staupe, Hepatitis oder Leptospirose, sind freiwillig. Manche Pensionen bestehen aber darauf, dass auch diese Impfungen nachgewiesen werden, mitunter selbst für reine Wohnungskatzen. Für viele ist eine frische Wurmkur und ein aktiver Flohschutz Betreuungsvoraussetzung. Es will ja kein Besitzer sein Tier mit Ungeziefer oder Krankheiten wieder nach Hause holen.

Auch für die Eingewöhnung haben die Tierhoteliers klare Vorstellungen: Übungstage sind nur sinnvoll, „wenn ein Hund gegenüber fremden Menschen misstrauisch, ängstlich, zurückhaltend oder aggressiv ist“, meint Jana Waldek aus Königsbrück. Ist er fremden Menschen gegenüber aufgeschlossen und freundlich, ist eine Eingewöhnung in der Regel nicht notwendig. „Normalerweise dauert es maximal einen Tag, bis der Hund mit der neuen Umgebung warm wird“, sagt Jana Dawedeit. Sie rät davon ab, den vierbeinigen Liebling vor einem mehrwöchigen Urlaub schon einmal probeweise in die Pension zu geben, zum Beispiel für eine Nacht oder über das Wochenende. Eine solche Veränderung sei immer Stress für das Tier.

Heike Jähnig hält das mit den Pensionskatzen in Chemnitz genauso. „Katzen sollten nur in eine fremde Umgebung gegeben werden, wenn es unbedingt sein muss. Sie haben eine Eingewöhnungszeit von drei bis vier Tagen“, sagt sie. Wochenendtrips ohne tierischen Anhang seien dennoch möglich. Denn ein Hund oder eine Katze seien zwar Lebensgefährten, aber trotzdem Tiere, sagt Mario Scheffler. Ein schlechtes Gewissen müsse der Halter nicht haben, sofern er sich um eine gute Versorgung in seiner Abwesenheit kümmere. Ob der Bedarf an Tierpensionen nach der Corona-Pandemie weiter zunimmt, ist spekulativ. Sicher ist jedoch, dass die Krise zu einem „regelrechten Haustierboom“ geführt habe, so der Tierschutzbund. Die Zahl der Hunde in Deutschland hat sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 600.000 erhöht. Schätzungen zufolge gibt es hierzulande zehn Millionen Hunde.

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Nadine Queitsch will trotzdem an ihrem Konzept der kleinen feinen Hundepension mit individueller Betreuung festhalten. „Ich habe nicht das Rieseneinkommen, aber einen Traum, den ich lebe.“ Derzeit freut sie sich, dass die Nachfrage nach dem schwierigen Jahr 2020 wieder anzieht. Für die Sommerferien sei auch ihre Pension längst restlos ausgebucht. (mit dpa)

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