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Jeder dritte Hund ist zu dick

Nicht nur die Herstellerangaben beim Futter sind oft zu üppig. Auch viele Halter machen Fehler.

Viele Hunde bringen zu viel auf die Waage - was auch ihrer Gesundheit schadet.
Viele Hunde bringen zu viel auf die Waage - was auch ihrer Gesundheit schadet. © Christin Klose/dpa

Als Pekinesen-Hündin Biggi bei Christiane Martin einzog, brachte sie stolze 10,5 Kilo auf die Waage. Seitdem ist sie auf Diät, denn Hunde dieser Rasse sollten nur zwischen vier und sechs Kilo wiegen.

Nach Schätzungen des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte sind etwa 30 Prozent aller Hunde hierzulande zu dick. Bei den Hauskatzen sieht es mit 40 Prozent noch schlechter aus. Dies deckt sich laut dem Institut für Tierernährung der Universität Leipzig auch mit internationalen Erhebungen: Danach gelten ein Viertel bis ein Drittel der Hunde und Katzen als übergewichtig oder sogar adipös.

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Häufig würde Übergewicht übersehen. Das liege auch am Schönheitsideal vieler Tierbesitzer und Züchter. „Ein normalgewichtiger Hund wird oft als viel zu mager empfunden“, sagt Petra Sindern vom Tierärzte-Verband.

Drei Scheiben Wurst sind zwei Hamburger

Wer testen möchte, ob sein Tier zu dick ist, kann ihm die flache Hand auf die Rippen legen. „Findet man die Rippen erst nach kurzer Suche, hat es Übergewicht“, erklärt Sindern. Tiere, die zu viel wiegen, würden bei jedem Schritt Wirbelsäule und Gelenke stark belasten. Das habe häufig Arthrosen zur Folge. Übergewicht führt außerdem zu einem stark erhöhten Risiko, an Diabetes und Krebs zu erkranken.

Eine der Ursachen dafür besteht in zu großzügigen Mengenangaben auf den Futterverpackungen. „Die Firmen wollen ja möglichst viel verkaufen“, sagt Sindern. Ingrid Vervuert, Professorin am Institut für Tierernährung der Universität Leipzig, kann diesen Vorwurf teilweise bestätigen. Untersuchungen hätten ergeben, dass bei kommerziellem Futter in etwa 30 Prozent der Fälle eine zu hohe Futtermenge empfohlen wird. Ansonsten seien die Empfehlungen aber überwiegend angemessen oder sogar etwas zu niedrig.

Einig sind sich die Medizinerinnen darin, dass zusätzliches Füttern zwischen den Mahlzeiten eine große Rolle spielt. „Viele Menschen leben alleine mit ihrem Hund als Partner. Hunde werden vermenschlicht und sind gleichzeitig sehr überzeugend darin zu zeigen, dass sie permanent Hunger haben“, erklärt Vervuert das Dilemma.

Der Schaden, der mit zu vielen zusätzlichen Leckerchen angerichtet wird, sei vielen Haltern dabei gar nicht bewusst. Dabei entsprächen zehn Gramm Käse für eine Katze etwa drei großen Muffins für einen Menschen. Beim Hund seien drei Scheiben Fleischwurst vergleichbar mit zwei Hamburgern.

Mangelnde Bewegung ist wichtig

Ein weiterer Faktor sei die Kastration, welche Tiere quasi direkt in die Wechseljahre befördert. Denn die Hormonumstellung reduziert den Stoffwechsel. Daher sollten Halter nach dem Eingriff unbedingt noch weniger füttern als vorher.

In den meisten Tierarztpraxen kann man sich ein Fütterungs- und Bewegungsprogramm zusammenstellen lassen, sagt Sindern. Vorab sei eine Blutuntersuchung sinnvoll, um zu prüfen, ob die Gesundheit durch das Übergewicht bereits geschädigt wurde. Sindern rät, sich klare und erreichbare Ziele zu setzen. Zehn Prozent Gewichtsverlust innerhalb eines halben Jahres sei ein realistischer Maßstab.

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Auch mangelnde Bewegung spielt eine Rolle. Dass Aktivität einen großen Effekt haben kann, hat Biggi bewiesen. Innerhalb von neun Monaten hat die Pekinesin fast drei Kilo abgenommen. Besitzerin Christiane Martin sagt, dass der Erfolg, neben der genauen Rationierung des Futters, auf mindestens zweieinhalb Stunden Bewegung am Tag zurückzuführen ist. „Schon jetzt hat sich ihre Lebensqualität erhöht.“ (dpa)

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