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Jagd auf Fuchs und Elster im Kreis Bautzen?

Zum Schutz vor der Schweinepest soll der Landkreis verstärkt zum Jagen blasen. Das hat eine Fraktion im Kreistag gefordert. So reagiert der Kreis.

Auch Füchse können die Afrikanische Schweinepest übertragen. Im Bautzener Kreistag wurde jetzt darüber diskutiert, ob sie deshalb gezielt gejagt werden sollen.
Auch Füchse können die Afrikanische Schweinepest übertragen. Im Bautzener Kreistag wurde jetzt darüber diskutiert, ob sie deshalb gezielt gejagt werden sollen. © Archivfofo: Rolf Ullmann

Bautzen. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher, aber wer verbreitet das Virus? Wissenschaftler, Jäger und Bauern sind sich einig: Vor allem Wildschweine übertragen den Erreger, der für Menschen ungefährlich, für Schweine jedoch meist todbringend ist.

Etwa 80.000 Hausschweine gibt es im Landkreis Bautzen. Um ihren Schutz sorgen sich außer den genannten Personengruppen auch Politiker. Und deshalb stand das Thema Schweinepest jetzt auch auf der Tagesordnung der Sitzung des Bautzener Kreistages. Beantragt hatte dies die AfD-Fraktion, deren Vorsitzender Henry Nitzsche wenig über Wildschweine sprach, dafür mehr über andere Tiere: Seiner Meinung nach kommen als Überträger auch Wölfe, Füchse und Vögel infrage.

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Seine These stützte Nitzsche auf eine Karte des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Das Amt hatte die Streifzüge des mit einem Sender ausgestatteten Wolfsrüden Hans aufgezeichnet. Von seinem Zuhause bei Dauban zwischen Bautzen und Niesky streifte Hans mal bis zur Königsbrücker Heide, mal über die Neiße nach Polen. Nitzsches Schlussfolgerung: Wölfe können große Strecken zurücklegen und dabei durchaus auch den Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP) weitertragen - wenn sie zum Beispiel von einem infizierten Wildschwein gefressen haben.

Sachsen hat Schweinepest-Sperrzone ausgeweitet

Im südbrandenburgischen Spree-Neiße-Kreis wurde die Seuche jetzt erstmals bei Hausschweinen festgestellt. Nachdem im Landkreis Görlitz erkrankte Wildschweine nahe des bisherigen Schutzzauns gefunden wurden, hat die sächsische Staatsregierung die gefährdeten Gebiete erweitert - auch im Landkreis Bautzen.

Einen Überblick über die Verbreitung der Schweinepest hat das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald, das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Nach seinen Angaben raffte die Seuche in Deutschland in diesem Jahr bisher rund 1.200 Haus- und Wildschweine dahin. Schon fast 1.900 Tiere waren es in Polen.

Die AfD im Bautzener Kreistag ist daher überzeugt, dass die bisherigen Schutzmaßnahmen gegen die Schweinepest nicht genügen. Sie schlägt deshalb vor, "große Beutegreifer und Raubvögel" in den vorhandenen Tierseuchenplan des Landkreises aufzunehmen. Wölfe, Füchse und Raben seien zu "entnehmen" - ein anderes Wort für abschießen.

Doch so schnell geht es Herrn Fuchs und Frau Elster - wie der Rabe auch ein Krähenvogel - nicht an den Kragen. Ein Landkreis könne das nicht im Alleingang beschließen, so Landrat Michael Harig (CDU).

Dem Friedrich-Löffler-Institut zufolge gibt es "keine Hinweise darauf, dass Raubtiere und Aasfresser bei der Verbreitung der ASP eine besondere Rolle spielen". Laut Pressesprecherin Elke Reinking könne "zwar nicht ausgeschlossen werden", dass Raubtiere und Aasfresser virushaltige Kadaverteile verschleppen. Aber "eine Vermehrung des Virus findet in beziehungsweise auf diesen Tieren nicht statt. Der Wolf ist hier keine Ausnahme."

Auch der Mensch kann das Virus übertragen

Ähnlich äußert sich der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz, Stefan Triebs. "Gundsätzlich ja - Krähen, Füchse und Wölfe können das ASP-Virus verbreiten." Aber genauso könnten auch Menschen, Hunde und Katzen den Erreger übertragen: "Das Virus kann in einer von einem toten positiven Wildschwein hinterlassenen Lache aus Körperflüssigkeiten bis zu 200 Tage ansteckend sein. Das heißt, jeder, der durch den Wald läuft, kann das Virus an seinen Stiefeln oder Schuhen oder Pfoten auflesen und weitertragen."

Aber Mensch, Hund und Fuchs sind für Stefan Triebs nicht die gefährlichsten Überträger - sondern Wildschweine. "Der Kreistag sollte sich lieber Gedanken machen, wie man die Jägerschaft unterstützen kann, zusätzliche Wildschweine zu erlegen." Nach Einschätzung des Bauernchefs müssten im Landkreis Bautzen mindestens 10.000 Wildschweine zusätzlich abgeschossen werden. "Das schafft die Jägerschaft nach der Arbeit nicht. Hier ist auch der Sachsenforst im Biosphärenreservat gefordert."

Jäger fordern weniger Beschränkungen

Lothar Jentschel als Vorsitzender des Kreisjagdverbandes bestätigt: Die Verbreitung des ASP-Virus durch Wildarten wie Wölfe und Rabenvögel sei "sehr gering. Hier den Abschuss zu fordern, ist für die Eindämmung des Infektionsgeschehens nicht zielführend." Das Virus werde "hauptsächlich durch den direkten Kontakt des Schwarzwildes untereinander" übertragen. "Hier muss angesetzt werden. Wenn wir die Schwarzwildbestände drastisch reduzieren sollen, dann ist die Politik aufgefordert, uns Jägern den bestmöglichen Rahmen dazu zu schaffen."

Dazu müssten, so Jentschel, jagdliche und waffenrechtliche Beschränkungen aufgehoben werden. "Es müssen jetzt möglichst revierübergreifende Drückjagden gestattet werden. Auch muss die Nutzung zusätzlicher Lichtquellen für die Nachtjagd erlaubt werden."

Den Abschuss von Wolf, Fuchs und Rabe beschloss der Kreistag also nicht - aber zumindest ein symbolischer Schuss wurde veranlasst. Der soll in Form eines Appells in Richtung sächsische Staatsregierung gehen: Sie soll sowohl im In- als auch im benachbarten Ausland die ASP wirksamer bekämpfen.

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