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Sachsen ordert mehr Zaun gegen Schweinepest

In Dresden gibt es ein Landestierseuchenbekämpfungszentrum. Das zählt tote Keiler und will sächsische Bauern schützen.

So sieht das Landestierseuchenbekämpfungszentrum in Dresden aus - ein Kellerbüro mit vielen Bildschirmen. Sozialministerin Petra Köpping (SPD, vorne) kündigte dort Neues zur Schweinepest an.
So sieht das Landestierseuchenbekämpfungszentrum in Dresden aus - ein Kellerbüro mit vielen Bildschirmen. Sozialministerin Petra Köpping (SPD, vorne) kündigte dort Neues zur Schweinepest an. © dpa/Matthias Rietschel

Dresden. Ein sehr langer Name für ein Kellerbüro mit wenig Platz und kaum Tageslicht: Landestierseuchenbekämpfungszentrum heißt ein Raum voller Bildschirme und Wandkarten in der Landesdirektion Sachsen an der Dresdner Stauffenbergallee.

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) besuchte das Lagezentrum am Donnerstag. Sie kündigte neue Zäune gegen die Afrikanische Schweinepest in Ostsachsen an, auch südlich der Autobahn 4. Ohne Corona würde die Bedrohung durch diese Tierseuche jetzt wohl „im Fokus stehen“, sagte die Ministerin. Eine Leinwandprojektion hinter ihr zeigte ein totes Wildschwein im Schnee.

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Bei 55 Wildschweinen in Sachsen haben Labore das Schweinepest-Virus nachgewiesen. Es seien aber auch noch „ein paar gefundene Tiere in der Pipeline“, sagte Jens Achterberg, einer der beiden Leiter des Lagezentrums. Mit einem Zeigestab erklärte er auf Landkarten, wie die Tierseuche über georgische Häfen und Polen „auf Sachsen zumarschiert“ sei.

"Wir machen es für die Schweinehalter"

Zaunbau sei das wichtigste Gegenmittel, sagte Michael Richter aus dem Sozialministerium, der das Zentrum gemeinsam mit Achterberg aus der Landesdirektion leitet. Außerdem werde totes Wild mit Hunden gesucht.

Laut Richter sind bereits ganze Wildschweinrotten an dem Virus gestorben. In Ställe mit Hausschweinen ist die Krankheit aber in Sachsen noch nicht vorgedrungen – und das soll mit den vereinten Kräften im Lagezentrum verhindert werden. „Wir machen es für die Schweinehalter“, betonte Richter. Eine Impfung gegen das Virus gibt es nicht.

Wird ein Hausschwein befallen, müssen alle Tiere im Stall getötet werden. Ihr Fleisch darf dann auch nicht mehr zu Wurst werden, obwohl die Schweinegrippe für Menschen ungefährlich ist. Doch über weggeworfene Wurst können sich erneut Schweine infizieren. Daher warnen auch Schilder auf Autobahnrastplätzen davor, Lebensmittel fallen zu lassen.

Im Teichgebiet ist das Virus schneller als jeder Jäger

Ministerin vor totem Wildschwein: Eine Projektion im Lagezentrum konfrontierte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) mit den Auswirkungen der Schweinepest.
Ministerin vor totem Wildschwein: Eine Projektion im Lagezentrum konfrontierte Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) mit den Auswirkungen der Schweinepest. © dpa/Matthias Rietschel

Im Niederspreer Teichgebiet mit Sümpfen südlich des Truppenübungsplatzes ist die Suche nach Wildschweinen laut Richter sinnlos: Dort sterben die Tiere schneller von alleine, als Jäger sie erlegen könnten. Außerdem könnte eine Jagd die Wildschweine weiterscheuchen, was auch nicht erwünscht ist.

Tierfallen wie in Belgien erfordern laut Achterberg großen Aufwand: Die Schweine müssten zunächst angefüttert werden, und wegen des Tierschutzes müssten auch nachts rasch Jäger zu gefangenen Tieren kommen können. Das sei „eine Personal- und Kostenfrage“. Auch der staatliche Sachsenforst unterstütze die Jagd, habe aber mit Trockenheit und Borkenkäfer schon viel zu tun.

Ställe mit Tausenden Schweinen in der Oberlausitz

Bei Horka gibt es einen Schweinemastbetrieb mit rund 4.400 Tieren, um Kodersdorf zwei mit jeweils fast 4.000. Doch auch Betriebe mit 8.000 Schweinen im Kreis Görlitz und einer mit fast 18.000 im östlichen Kreis Bautzen sind auf den Karten der Experten verzeichnet. Sachsens Landesbauernverband hat daher schon vor drei Jahren gefordert, Wildschweine vorbeugend zu jagen, am besten 80 Prozent zu erlegen.

Denn Fleisch aus befallenen Regionen ist schwer verkäuflich, der Preis fällt. Zwar sind die Bauern versichert, aber sie müssen die Schweine loswerden und sich überlegen, ob sie wieder neue kaufen.

Doch die große Schwarzwildjagd in Sachsen hat nie stattgefunden. Zwar bekommen Jäger im gefährdeten Gebiet 150 Euro pro erlegtes Tier und müssen es nicht einmal selbst bergen. Doch laut Köpping wurden erst 29 Tiere im Gefahrengebiet an der Neiße geschossen.

Zwei davon hatten laut Labor das Virus, dazu eines, das auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz erlegt wurde. Die Bundeswehr hat laut Achterberg dort auch ein Pilotprojekt mit einem privaten Drohnenexperten begonnen. Getestet werden soll, ob sich Wildschweine und Kadaver aufspüren lassen.

Zaunbau im Wald nahe der Neiße: Ehrenamtliche Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr haben schon Schutzzäune gegen Wildschweine errichtet. Die Zäune sind so niedrig, dass Rehe darüberspringen können. Schweine sollen sie ka
Zaunbau im Wald nahe der Neiße: Ehrenamtliche Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und Soldaten der Bundeswehr haben schon Schutzzäune gegen Wildschweine errichtet. Die Zäune sind so niedrig, dass Rehe darüberspringen können. Schweine sollen sie ka © dpa-Zentralbild

Südlich der Autobahn 4 sind 72 Kilometer Zaun geplant

Die Experten lassen nun zusätzlich Zäune bauen, „bis das Seuchengeschehen sicher fest eingezäunt ist“. Derzeit finden Bauarbeiten entlang der Güterbahnstrecke Niesky–Horka statt. Der Zaun ist einen Meter hoch, sodass Rehe darüberspringen können, Schweine nicht.

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Südlich der Autobahn 4 sind 72 Kilometer Zaun geplant, die Ausschreibung wird vorbereitet. 125 Kilometer fester Zaun stehen in Sachsen schon um das gefährdete Gebiet, davon 60 Kilometer an der Grenze zu Polen. Ministerin Köpping sagte auf Nachfrage, in Polen gebe es „noch Verbesserungsbedarf“ beim Zaunbau. Außerdem forderte sie Geld vom Bund: „Wir machen hier Prävention für ganz Deutschland und Europa.“

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