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Arbeit und Bildung

Siljas Glück der Erde

Eine junge Bautznerin hat die Liebe zum Pferd zu ihrem Beruf gemacht – mit viel Neugier, Herzblut und nun auch einer ganz besonderen Auszeichnung.

Silja Günther mit ihrem Pferd Apote. Das Zaumzeug für den andalusischen Wallach hat die 26-Jährige als Gesellenstück gefertigt. 2020 wurde die Bautznerin beste Auszubildenden ihres Fachs in ganz Deutschland.
Silja Günther mit ihrem Pferd Apote. Das Zaumzeug für den andalusischen Wallach hat die 26-Jährige als Gesellenstück gefertigt. 2020 wurde die Bautznerin beste Auszubildenden ihres Fachs in ganz Deutschland. © Foto: Oksana Illner

Glück, Schicksal, Zufall – egal, wie man es nennen mag – manchmal fügt das Leben die Dinge so zusammen, dass es einfach passt. Wer Silja Günther zuhört, bekommt ganz schnell das Gefühl, dass hier ganz viel passt. „Manches davon ist einfach so passiert“, sagt die junge Frau und lacht. Und „Manches“ kann sich durchaus sehen lassen. Sie hat ein Studium in Tierpsychologie absolviert, auf drei verschiedenen Kontinenten gearbeitet und nun auch noch einen inzwischen recht seltenen Beruf erlernt. Bei der Firma „Sattelgefühl“ in Radeburg hat Silja Günther eine Ausbildung zur Sattlerin mit der Spezialisierung Reitsport absolviert.

Damit nicht genug. Sie schloss die Lehre im vergangenen Jahr als Beste ihres Fachs ab und ließ damit die bundesweite Konkurrenz hinter sich. Auch das sei letztlich irgendwie „so passiert“, sagt die 26-Jährige und vergisst nicht, zu erwähnen, wie wertvoll die Tipps ihres Lehrmeisters und der Kollegen des inzwischen siebenköpfigen „Sattelgefühl“-Teams waren. Zwei Probearbeiten hatte sie für ihr Gesellenstück - einen Semi-Zaum mit spanischen Elementen - gefertigt, an Details gefeilt und die Passform verbessert, bevor es dann in der sechsstündigen Prüfung ernst wurde. Mit ihren handwerklichen Fertigkeiten, aber genauso mit ihrer Kreativität konnte Silja Günther dabei die Fachjuroren restlos überzeugen.

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Echte Handarbeit

Dass sie in ihrem Beruf beides gut verbinden und noch dazu mit Menschen und Pferden arbeiten kann, ist für die junge Lausitzerin mehr als ein Glücksfall. Einen Bürojob jedenfalls hätte sie sich nicht vorstellen können, die ausschließliche Werkstattarbeit wäre auch nicht das Wahre für sie. Deswegen ist Silja Günther auch meistens im Außendienst unterwegs. Sie fährt zu Pferdebesitzern in ganz Sachsen, aber auch darüber hinaus, berät und erfragt, was Mensch und Tier brauchen, und misst am Ende genau aus, damit Sattel und Pferd möglichst perfekt harmonieren. Gebaut wird das gewünschte Produkt dann in Radeburg - an einem hölzernen Pferderücken. „Manche Kollegen probieren sich schon an Körper-Scan und 3-D-Druck“, erzählt Silja Günther. Spannend sei das durchaus, zurzeit setzt ihr Lehrbetrieb aber hier noch auf echte Handarbeit. Sattelgefühl-Kunden sitzen auch im europäischen Ausland.

Das kleine Unternehmen hat sich in der Branche einen Namen gemacht, auch, weil sich die Radeburger spezialisiert haben. Mit viel Erfahrung und Geschick entstehen hier unter anderem Lederwaren für den Reittrainer Bent Branderup. Er gilt als Verfechter einer besonderen, der so genannten akademischen Reitkunst. Pferd und Reiter in besonderen Einklang zu bringen, ist das Ziel des Dänen, der längst Anhänger in der ganzen Welt hat.Auch Silja Günther gehört dazu.

Umweg über die Kultur

Sie selbst liebt Pferde schon seit ihrer Kindheit. „Meine Eltern haben das zum Glück immer unterstützt“, erzählt die gebürtige Bautznerin, die bis heute in der Spreestadt lebt. Nach dem Abitur führte sie ihr Weg trotzdem erst einmal in eine andere Richtung. Silja Günther absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Sorbischen National-Ensemble in ihrer Heimatstadt. Das Künstlerische begeisterte sie durchaus, ein Job in der Kulturbranche hätte der Kreativität der jungen Frau wohl ebenso Rechnung getragen. Doch da war eben der Wunsch, noch mehr zu lernen, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen. Der nächste Schritt war das Fernstudium in Tierpsychologie. Silja Günther spezialisierte sich dabei auf Hunde und – natürlich – Pferde. Und weil Theorie alleine ihr noch nie genug war, zog es sie in die Welt. Farmen in Australiens und Kanada sind mit deutschen Bauern- oder Pferdehöfen kaum vergleichbar.

Die Lausitzerin sammelte Erfahrungen und saugte Wissen auf. Dass sie es am Ende auch als Sattlerin anwenden würde, war dann wieder ein bisschen Fügung, Schicksal oder Zufall. Über einen Facebook-Eintrag einer Freundin erfuhr sie vom Radeburger „Sattelgefühl“ und war angetan. „Ich habe dann einfach mal gefragt, ob der Betrieb auch ausbildet“, erinnert sich Silja Günther. Nach Kennenlernen und Schnupper-Praktikum war schnell klar – das passt. Die Bautznerin wurde die erste Auszubildende des Familienbetriebs und dann gleich noch die Beste ihres Fachs in ganz Deutschland. Und nun? Vielleicht wird sie selbst noch Meisterin ihres Berufs. Aber nicht gleich. „Man darf zwar jetzt seinen Meister direkt nach der Ausbildung machen, aber ich finde, wer Meister sein will, braucht Erfahrung“, sagt Silja Günther. Erfahrung will sie auch als Reiterin sammeln. Sie ist auf einem kleinen Gestüt nahe Bautzen aktiv und besitzt natürlich inzwischen auch ein eigenes Pferd - Apote, einen spanischen Wallach.

Die spanischen Pferde liebt die junge Frau ganz besonders. Auch deswegen hat sie Elemente der spanischen Reitkultur ihrem Gesellenstück verarbeitet. Und deswegen hat sie auch schon auf einer spanischen Hazienda gearbeitet. Wo genau sie ihr Weg noch hinführen wird – ganz genau weiß Silja Günther das nicht. Aber es spricht viel dafür, dass es am Ende einfach passen wird.


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