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So wird aus dem Garten ein Wildbienen-Paradies

Insektenhotels sind nicht für alle Arten eine gute Lösung. Wichtig ist das richtige Angebot an Nahrung und Verstecken.

Anflug auf einen Pollen-Lieferanten.
Anflug auf einen Pollen-Lieferanten. © Patrick Pleul/dpa

Neben der Honigbiene gibt es mehr als 560 Wildbienenarten. „Manche Bienenarten sind sehr spezialisiert – die Efeuseidenbiene sammelt etwa den Pollen nur an Efeublüten. Andere Wildbienen sind Generalisten, sie fliegen verschiedene Blühpflanzen an“, sagt Corinna Hölzel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Umso wichtiger, dass das Angebot an Verstecken, Nahrung und Nistmöglichkeiten vielseitig ist. „Für viele Bienenarten sind artenreiche Wildblumenwiesen mit mehrjährigen Pflanzen gut“, sagt Hölzel. Die Wiesen gedeihen am besten auf nährstoffarmen Böden.

„Wer Samenmischungen kaufen will, sollte heimische Blühpflanzen wählen“, rät Hölzel. Ihr Tipp: „Verzichten Sie auf exotische Pflanzen und gefüllte Blüten“. Besser sei es, auf regionale Herkunft zu achten. „Die Mischung sollte auch nicht zu viele Gräser enthalten, da diese keine Pollen und keinen Nektar liefern. Meist ist dazu ein Prozentsatz angegeben. Der Anteil sollte nicht über 30 Prozent liegen.“ Zumal Gräser schnell wachsen und Blühpflanzen das Licht nehmen.

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Den Boden sollte man vor dem Aussäen vorbereiten – also Grasnarbe abtragen, umgraben und alle Wurzeln und Steine entfernen. „Wichtig ist dabei, keine wertvollen Nistflächen oder Verstecke der Bienen zu zerstören. Idealerweise beobachtet man ein Jahr vorher, ob auf den offenen Flächen Bienen leben“, rät Hölzel. „Viele Bienen mögen Kornblumen, Mohn und Margeriten“, sagt Hölzel. Beliebte Blumen bei den Bienen sind beispielsweise auch Flockenblume, Glockenblume, Mohn, wilde Möhre, Ringelblumen, Natternkopf sowie Margeriten und Disteln.

Wer eine Wildblumenwiese anlegt, sollte diese selten mähen. „Idealerweise nur zweimal im Jahr und erst ab Juni“. Aber auch Abstufungen sind möglich. Man kann auch bewusst ein Stück Wiese stehen lassen und beobachten, was sich da so ansiedelt. Ab und an muss gemäht werden, damit sich einzelne Pflanzenarten nicht zu sehr ausbreiten. Wichtig ist dann: Das Mähgut muss man von der Fläche entfernen, also nicht Mulchen. Denn wenn sich die Nährstoffe zersetzen, bilden sich Humus und damit zu viele Nährstoffe für viele Blühpflanzen. Auch auf das Düngen von Blühwiesen sollte man verzichten.

„Wer in seinem Garten nicht auf eine begehbare Rasenfläche verzichten will, kann dort beispielsweise Klee, Gänseblümchen, Gundermann, Ehrenpreis und Scharfgabe wachsen lassen“, sagt Hölzel.

Nicht nur Blumen sind wichtig

Neben Blumen können auch blühende Gehölze Bienen Nahrung bieten, etwa Schlehen, Süßkirsche oder Beerensträucher wie Johannisbeere, Himbeere oder Stachelbeere. Weiden haben im Frühjahr die ersten Pollen, das ist für die Bienenbrut pure Energie.

Wer nicht ausreichend Platz hat, findet auch Alternativen für seinen Balkon. „Wildbienen lieben blühende Kräuter“, sagt Hölzel. Sie empfiehlt Salbei, Zitronen-Thymian, Bohnenkraut, Minze und Basilikum. „Wichtig ist, immer einige Kräuterstängel stehen zu lassen, damit sie auch blühen können.“ Auch Kornblumen, Blaukissen, Kapuzinerkresse oder Ranken-Glockenblume sind für den Balkon geeignet - und für Wildbienen etwa von März bis Oktober eine Nahrungsquelle.

Auch im Gemüsegarten gibt es Pflanzen, die bei bestimmten Bienen beliebt sind. „Für Masken- und Pelzbienen kann man beispielsweise Lauch, Zwiebeln, Rosen- und Grünkohl anbauen und für die Bienen einige Pflanzen blühen lassen.“

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Passende Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten sind wichtig. Doch das reicht nicht. „Verzichten Sie im Garten auf Pestizide, denn diese töten oder schaden zumindest den Wildbienen und anderen Nützlingen“, sagt Hölzel. Auch von torfhaltiger Blumenerde rät sie ab. „Denn durch den Abbau von Torf werden unter anderem Ökosysteme zerstört.“ Ebenso sind Wildbienenhotels oder Insektenhotels nicht für alle Bienenarten hilfreich. „Drei Viertel der Wildbienenarten bei uns brauchen offene Bodenstellen sowie lehmige oder sandige Flächen. Darin bohren sie kleine Löcher.“ Insofern könne man ihnen zum Beispiel eine Sandfläche anbieten. Der Sandhaufen sollte möglichst 40 Zentimeter breit und genauso tief sein. Man sollte jedoch keinen Spielsand aus dem Sandkasten nehmen. „Das ist meist gewaschener Sand ohne Anteile von Ton, Lehm und Holz. Die Niströhren der Bienen würden einbrechen.“ Auch Stapel mit Totholz sind bei manchen Bienenarten sehr beliebt. Und wer verblühte Stauden stehen lässt, bietet Wildbienen Unterschlupf für den Winter. (dpa)

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