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Südumfahrung Pirna: Fledermäuse im Tunnel

Wegen des derzeitigen Baustopps haben sich die Tiere den Kohlbergtunnel als Schlafquartier auserkoren. Auf Dauer bleiben können sie dort aber nicht.

Fledermaus im Schlafquartier, hier in einem ehemaligen Eisenbahntunnel im Lohmgrund bei Pirna: Tagsüber abhängen, nachts jagen.
Fledermaus im Schlafquartier, hier in einem ehemaligen Eisenbahntunnel im Lohmgrund bei Pirna: Tagsüber abhängen, nachts jagen. © Archiv: Norbert Millauer

Am Kohlbergtunnel, Teil der neuen Pirnaer Südumfahrung, ist schon vor einer ganzen Weile eine Ausnahmesituation eingetreten. Eigentlich wollten sich die Mineure flott durch den Berg graben, ein erster Durchbruch war noch in diesem Jahr geplant. Auf der linken Seite sind die Arbeiter immerhin schon 123 Meter, auf der rechten 80 Meter ins Innere vorgedrungen.

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Doch seit 16. Juli ruht der bergmännische Vortrieb – also jene Arbeiten, um die Röhre durch das Gestein zu treiben – komplett. Das liegt zum einen daran, dass die Fachleute tief im Berg veränderte geologische Verhältnisse vorfanden und nun die Bautechnologie daran anpassen müssen. Zum anderen gibt es Streitigkeiten zwischen der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und –bau GmbH (Deges), Bauherr der Südumfahrung, und den Baufirmen.

Dieser damit einhergehende zwangsweise Baustopp bescherte der Baustelle, die sonst rund um die Uhr läuft, eine ungewohnte Ruhe. Was bei der Deges eher weniger gut ankommt, finden andere hingegen toll.

Umsiedeln in andere Quartiere

Dass die schon weit in den Berg hineinreichenden Tunnelröhren zurzeit weitgehend bauarbeiterfrei sind, hat sich offensichtlich in der Tierwelt herumgesprochen. "Vor allem die Fledermäuse", sagt Ulrich Gawlas, Bauoberleiter der Südumfahrung, "finden den Tunnel ganz schick."

Einige der Ultraschallgleiter haben sich die unterirdische Behausung vorübergehend als Schlafquartier auserkoren. Fledermäuse sind in der Regel nachtaktive Tiere und schlafen tagsüber. Dafür ziehen sie sich in Höhlen, Felsspalten und Baumhöhlen oder in von Menschen gemachte Unterschlüpfe zurück – und so eben auch in den angefangenen Tunnel.

Kommen die Fledermäuse vom nächtlichen Jagdausflug zurück, gleiten sie gegen Morgen in ihre Schlafnischen und hängen dort ab. Bislang haben Umwelt-Fachleute, die die Südumfahrung-Baustelle von Anbeginn begleiten, die Tiere behutsam aus der Röhre geholt und sie in nahe gelegene Quartiere umgesiedelt – die weit genug vom Tunnel entfernt sind.

Westportal des Pirnaer Kohlbergtunnels: Der Eingang soll während der Bauruhe mit Netzen verhangen werden, damit keine Fledermäuse hineinfliegen.
Westportal des Pirnaer Kohlbergtunnels: Der Eingang soll während der Bauruhe mit Netzen verhangen werden, damit keine Fledermäuse hineinfliegen. © Thomas Möckel

Netze vorm Tunnelportal

Inzwischen ist aber Vorsorge getroffen worden, damit die Fledermäuse erst gar nicht mehr in den Tunnel hineinfliegen. Solange am Kohlberg noch Bauruhe herrscht, werden nachts Netze vor den Tunneleingang gespannt – in erster Linie zum Schutz der Tiere. Sie sollen dort erst gar nicht heimisch werden, denn irgendwann geht ja dort der Baulärm weiter.

Falls die Flugroute doch in Richtung Tunnel führt, bleiben die Fledermäuse zwar in dem Netz hängen, können sich aber nicht verletzen. Zudem haben das die Umwelt-Experten im Blick und pflücken die Tiere dann umgehend aus den Maschen, um sie an ruhigere Orte zu bringen. "Wir sind jetzt sehr sensibilisiert und beobachten das ganz genau", sagt Gawlas.

Die Ultraschallgleiter hatten aber auch schon vor dem Baustopp die Arbeiten am Tunnel durcheinandergebracht. Das anfangs zu grelle Licht an der Tunnelbaustelle lockte mächtige viele Insekten und damit auch viele der lautlosen Jäger an. Um die Tiere weder zu stören noch zu gefährden, durfte über mehrere Wochen hinweg nur tagsüber am Tunnel gearbeitet werden – bis Lampen mit der richtigen Farbtemperatur installiert waren.

Wanderfalken sind ausgeflogen

Auch an anderer Stelle der Südumfahrung wird bereits in der Bauphase an die Fledermäuse gedacht. So finden sich sowohl auf dem Streckenabschnitt von der Zehistaer Straße in Richtung Tunnel als auch im Teilstück von der Zehistaer Straße hinauf zum Autobahnzubringer unter der künftigen Trasse große Fledermaustunnel.

Zudem wird es beispielsweise an der Tunnelausfahrt in Richtung Gottleubatalbrücke sogenannte Überflughilfen geben. Das sind Hindernisse, die die Fledermäuse auf eine gewisse Flughöhe lotsen, damit sie nicht mit aus dem Tunnel kommenden Autos kollidieren.

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An anderer Stelle haben inzwischen Baustellen-Stopper wieder Platz gemacht für die Arbeiter. Auf einem Kran, der im Gelände hinter den Roten Kasernen an der Rottwerndorfer Straße steht, hatten vor geraumer Zeit Wanderfalken ein Nest gebaut, die Tiere sind streng geschützt. Doch die gefiederten Gesellen samt Nachwuchs sind mittlerweile ausgeflogen. So kann an den Pfeiler der Gottleubatalbrücke weitergearbeitet werden.

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