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Seltener Nachwuchs in der Oberlausitz

Vogelexperte Ulrich Augst hat jetzt Nachkommen von Falken und Uhus in Oybin, Görlitz und Neukirch beringt - begleitet von einem Fernsehteam.

Ein Arte-Filmteam dreht eine dreiteilige Natur-Doku entlang des Oberlausitzer Bergwanderwegs und hat Ulrich Augst am Donnerstag beim Beringen begleitet.
Ein Arte-Filmteam dreht eine dreiteilige Natur-Doku entlang des Oberlausitzer Bergwanderwegs und hat Ulrich Augst am Donnerstag beim Beringen begleitet. © Maik Jäger

Ulrich Augst ist froh. Wenigstens auf dem Berg Oybin hat's mit dem Nachwuchs bei den Wanderfalken geklappt: Drei Junge liegen am Donnerstag im Nest in der Klosteranlage. Mithilfe eines Kletterers werden sie entnommen und zum Vogelexperten gebracht, damit der 63-Jährige sie beringen kann. Anschließend kommen die kleinen Falken zurück, bevor ihre Eltern zurückkehren.

Begleitet wird die Aktion von einem Arte-Filmteam, das derzeit eine dreiteilige Doku über den Oberlausitzer Bergweg dreht - und was es eben rechts und links davon zu entdecken gibt. Die Falken sind dabei eine der Besonderheiten. Der Grund: Das Paar auf dem Berg Oybin ist nur eines von zweien in Ostsachsen, indem Ulrich Augst dieses Jahr überhaupt Junge entdecken konnte. Das andere Paar lebt im Turm der Peterskirche Görlitz und hat vierfachen Nachwuchs bekommen. Zwei weitere Paare im Zittauer Gebirge blieben kinderlos, ebenso wie eins im Kraftwerk Boxberg und andere im Lausitzer Bergland. Der Vogelexperte begründet das einerseits mit dem fehlenden Nahrungsangebot, andererseits der fehlenden Ruhe. Zu den Brutplätzen wie in Oybin oder Görlitz kommt eben keiner so einfach hin, sagt er.

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Zu DDR-Zeiten waren die Vögel gänzlich ausgestorben. Grund ist der Einsatz von Pestiziden gewesen, der zu dünnen, zerbrechlichen Eierschalen führte. Eine Wiederansiedlung der Wanderfalken erfolgte Anfang der 1990er Jahre im Nationalpark Sächsische Schweiz. Im Zittauer Gebirge gab's 1999 eine erste Brut und seitdem jährlich wieder. Dafür kam ein ausgewildertes Männchen aus der Sächsischen Schweiz mit einem Weibchen aus Tschechien zusammen. Die Vögel von damals existieren nicht mehr, nur noch ihr Brutplatz.

Falken mit Ringen von Ulrich Augst tauchten bereits an der französischen Atlantikküste auf, aber auch im italienischen Verona. "Sie wandern im ersten Lebensjahr in halb Europa umher, auf der Suche nach einem Partner und einen freien Brutplatz", erklärt er die Ursache für die weiten Reiseziele. "Denn über den Winter reicht die Nahrung nur für die Eltern."

Zweifacher Nachwuchs bei Neukirch

Doch Wanderfalken sind nur einige der Vögel, die der Sebnitzer seit einem halben Jahrhundert begleitet und seit 1995 als einziger in Ostsachsen beringt. Auch Uhus gehören dazu. Doch zu DDR-Zeiten stand's um die Tiere schlecht. In ganz Sachsen gab's 1960 nur noch vier Paare. Inzwischen leben acht in der Sächsischen Schweiz, acht weitere im Lausitzer Bergland. Erstmals seit fünf Jahren hat Ulrich Augst auch wieder zwei Paare im Zittauer Gebirge entdeckt. "Möglicherweise war der Kahlschlag wegen des Borkenkäfers der Auslöser dafür, dass sie sich soweit getraut haben", sagt der Vogelexperte. Bisher lebten nur zwei im Vorland. Wo genau sich die Uhus angesiedelt haben, will er aber nicht verraten - um die Tiere zu schützen.

Schließlich konnte Ulrich Augst dieses Jahr in der gesamten Oberlausitz nur zwei Junge beringen. Bei einem Uhu-Paar, das in der Nähe von Neukirch lebt. Zwei weitere sind noch im böhmischen Teil des Lausitzer Berglandes auf die Welt gekommen, die liegen aber nicht in seiner Zuständigkeit. Bei anderen Plätzen missglückte die Brut oder gab's erst gar keine. Fressfeinde, mangelndes Nahrungsangebot oder menschlicher Einfluss nennt der 63-Jährige als Gründe dafür. Er hat nun nahezu alle Nester begutachtet. Nächstes Jahr geht's auf eine neue Tour.

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