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Kreis Bautzen: Schweinepest rückt immer näher

Bisher blieb der Landkreis von der Tierseuche verschont. Doch es gibt Kritik an den Schutzmaßnahmen.

Im Landkreis Bautzen gibt es 310 Schweinhalter mit insgesamt reichlich 79.000 Tieren. Würde die Afrikanische Schweinepest bei einem Hausschwein festgestellt, müsste unverzüglich der gesamte Bestand des Schweinehalters getötet werden.
Im Landkreis Bautzen gibt es 310 Schweinhalter mit insgesamt reichlich 79.000 Tieren. Würde die Afrikanische Schweinepest bei einem Hausschwein festgestellt, müsste unverzüglich der gesamte Bestand des Schweinehalters getötet werden. © Symbolfoto: Matthias Rietschel

Bautzen. Die gute Nachricht: Bis jetzt wurde im Landkreis Bautzen kein Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nachgewiesen. Dem Landratsamt zufolge wurden noch keine APS-infizierten Wildschweine entdeckt.

Die schlechte Nachricht: Es kann jederzeit passieren. Denn die Seuche grassiert praktisch vor der Haustür. Im Landkreis Görlitz starben daran schon 286 Wildschweine, 96 waren es im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis, an den der Landkreis Bautzen im Norden grenzt. Noch keine Fälle wurden aus Dresden sowie den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz/Ostererzgebirge gemeldet. Auch Tschechien ist derzeit ASP-frei, aber dort gab es in den vergangenen Jahren schon Fälle.

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Bauernverband beobachtet Entwicklung mit Sorge

Stefan Triebs, der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz, beobachtet die Entwicklung mit Sorge: "ASP rückt immer näher. Ein Ausbruch in einen Hausschweinebestand wäre die nächste Eskalationsstufe."

Die Afrikanische Schweinepest kam 2007 mit einem Transportschiff von Afrika nach Georgien. Von dort aus breitete sich die Tierseuche weiter aus - in Richtung Westen. Unter anderem raffte die ASP schon Tiere in der Ukraine, in Weißrussland, Polen und Ungarn dahin. Laut dem sächsischen Sozialministerium ist die Schweinepest "keine Erkrankung, die nur einmal auftritt und dann wieder verschwindet. Wir werden in den kommenden Jahren vermutlich öfter mit Ausbrüchen rechnen müssen." Zu den ersten Maßnahmen in einem solchen Fall gehört ein Zaun rund um die Fundstelle eines toten Tieres. Wie das Ganze praktisch abläuft, wurde Ende 2019 bei Schirgiswalde geprobt.

Große Gefahr für Hausschweinbestände

Das Virus ist in Blut, Gewebe und Kot zu finden. Die Afrikanische Schweinepest kann sowohl direkt von Tier zu Tier, als auch indirekt durch Menschen oder Fleischprodukte übertragen werden. Das Virus kann zum Beispiel an Schuhen oder Fahrzeugreifen kleben. Es kann durch Einstreu, Futter oder Kleidung übertragen werden. Der Erreger überlebt laut Sozialministerium sogar etwa 1.000 Tage in gefrorenem Fleisch und 140 Tage in luftgetrocknetem Schinken.

Genug Gründe für höchste Vorsicht gibt es also. Für Menschen ist das Virus zwar ungefährlich, doch für Schweine endet die Krankheit zu 90 Prozent tödlich. Würde die ASP bei einem Hausschwein festgestellt, müsste unverzüglich der gesamte Bestand des Schweinehalters getötet werden. Und Schweinehalter gibt es im Landkreis Bautzen immerhin 310 - mit insgesamt 79.198 Tieren, teilt das Landratsamt mit.

Unter dem Ortsschild von Weißenberg wird auf die Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest hingewiesen. Der Osten des Landkreises Bautzen gilt als sogenannte Pufferzone.
Unter dem Ortsschild von Weißenberg wird auf die Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest hingewiesen. Der Osten des Landkreises Bautzen gilt als sogenannte Pufferzone. © Steffen Unger

Damit sich Hausschweine und - möglicherweise infizierte - Wildschweine nicht zu nahe kommen können, gilt der Osten des Landkreises Bautzen jetzt als so genannte Pufferzone. Für diese Zone hat das Sozialministerium unter anderem die Freilandhaltung von Schweinen verboten. Futter und überhaupt alles, womit Wildschweine in Berührung kommen könnten, muss der Hausschwein-Halter so aufbewahren, dass die wilden Tiere da nicht ran kommen.

Fleisch und Wurst von Wildschweinen darf nicht aus der Pufferzone raus. Würde also beispielsweise ein Landwirt aus Lohsa, Malschwitz oder Weißenberg Wildschweinpastete herstellen, dürfte er diese im Moment nicht in Bautzen oder allen anderen Orten außerhalb der Pufferzone verkaufen.

Landratsamt: keine Übertragung durch Wölfe

Zu den Festlegungen für die Pufferzone gehört auch, dass Hunde den Betrieb eines Schweinehalters nur unter Aufsicht verlassen dürfen. Das wirft eine Frage auf: Was ist eigentlich, wenn ein Wolf, Greifvogel oder anderes Tier etwas vom Kadaver eines an der Schweinepest verendeten Wildschweins verzehrt?

Das Landratsamt sieht darin keine Gefahr und beruft sich dabei auf das Friedrich-Loeffler-Institut nahe Greifswald. Dies ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Dem Institut zufolge können können Aasfresser zwar das Virus aufnehmen, doch sie sterben daran nicht, weil sich der Erreger nur in Schweinen vermehren kann.

Auch schleppen hiesige Raubtiere und Greifvögel ihre Beute nicht kilometerweit weg, sondern fressen in der Regel meist gleich vor Ort oder zumindest in der Nähe. Demzufolge sieht das Landratsamt auch keinen Anlass für Maßnahmen gegen Raubtiere und Aasfresser.

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Damit ist der Fraktionsvorsitzende der AfD im Bautzener Kreistag nicht zufrieden. Henry Nitzsche wirft Landrat Michael Harig (CDU) "Feigenblattpolitik" vor. "Beutegreifer und Raubvögel außen vor zu lassen, ist wissenschaftlicher Unsinn." Das Landratsamt bleibt jedoch bei seiner Strategie und sieht nur "eine theoretische Möglichkeit zur Verbreitung von infizierten Kadaverteilen über kurze Distanzen. Dies spielt in der Praxis jedoch keine Rolle."

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